Orishas - Cosita Buena - Cover
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Orishas Cosita Buena


  • Label: Virgin/EMI
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Knapp zehn Jahre ist es her, dass eine bis dahin vollkommen unbekannte Band ihre ganz eigene Revolution startete. In der Musik der Orishas, die sich Ende der Neunziger im Pariser Exil formierten, spiegelte sich von Anbeginn an der vielfältige musikalische Reichtum Kubas wider. Gleichzeitig bildeten die drei kubanischen Musiker Roldán González, Hiram Riveri „Ruzzo“ und Yotuel Romero eine schlagkräftige HipHop-Band, deren perfekte Symbiose aus kubanischer Tradition und moderner Rapmusik so innovativ wie wegweisend war. Nun legen die Orishas mit „Cosita Buena“ nach der im Frühjahr letzten Jahres erschienenen Karriereretrospektive „Antidiótico“ ihr viertes Studioalbum vor.

Aufgenommen haben sie es im Februar im Samurai Studio in Madrid, abgemischt wurde es in Brüssel von Tim Latham (Fun Lovin‘ Criminals, Erykah Badu, De La Soul) und für das Master aus dem Sterling Sound von New York war Tom Coyne (Beyoncé, Kayne West, DJ Shadow) verantwortlich. Bei den 12 Albumtracks spürt man, dass das Trio sich ein wenig von dem starken Einfluss kubanischer Musiktradition gelöst hat. Der Sound der Orishas hat sich quasi verselbständigt, sie klingen nun noch griffiger, geradliniger und deutlich internationaler. Über geschickte Jazzsamples („Cosita buena“), rhythmischen HipHop („Que quede claro“) und beatlesken Piano-Pop („Bruja“), bis hin zu großen Latin-Pop-Hymnen („Mírame“) und kubanischem Dancefloor-Salsa („Guajira“) ist alles vertreten.

Auch inhaltlich hat das Trio einiges zu sagen. Denn an bissigen Texten herrscht auf dem neuen Album kein Mangel. Schließlich haben sich die Lebensumstände ihrer Landsleute auch nach dem Rücktritt von Fidel Castro noch nicht entscheidend geändert. Aber die Orishas geben die Hoffnung nicht auf, und so kommen die mit einer schönen Tres-Gitarre verzierten Durchhalteparolen von „Camina“ von ganzem Herzen. „Que Quedo Claro“ redet noch deutlicher Klartext, ist dies doch ein musikalisch mitreißendes Plädoyer gegen Ungerechtigkeit und Rassismus, ein Appell zu mehr Zivilcourage. Auch „Machete“ ist ein Aufruf zur Rebellion gegen Unterdrückung und setzt mit martialischen Beats einen historischen Bezug zum Sklavenaufstand im 19. Jahrhundert gegen die spanische Kolonialherrschaft.

Mit nur drei Alben haben die Orishas künstlerisch neue Maßstäbe in der Musik unserer Zeit setzen können. Mit ihren ersten drei Longplayern, deren noch immer ungemein frisch klingenden Hymnen „Represent“, „Qué Pasa?“ und „Nací Orishas“ längst in Fleisch und Blut übergegangen sind, haben sich die Orishas mittlerweile auch in den USA und Lateinamerika Respekt verschafft. In knapp vier Jahren hatten die Orishas den riesigen Sprung vom World-Music-Geheimtipp zum hippen Global Player geschafft – und das hört man auch dem neuen Werk an.

Anspieltipps:

  • Isi
  • Mirame
  • Melodias
  • HipHop conga

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