Tom Liwa - Komm Jupiter - Cover
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Tom Liwa Komm Jupiter


  • Label: Ludwig/INDIGO
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Musikalisch kann sich das Album sehen lassen, bedient man sich doch vielseitig beim Folk, knarzigem Blues, Soul und manchmal auch bei Jazz-Andeutungen.

Der Duisburger Tom Liwa gründete 1985 die Flowerpornoes, die in der deutschsprachigen Independent-Szene immer wieder als Referenz angeführt werden und erst letztes Jahr nach langer Pause wieder ein Album veröffentlichten. An Kreativität mangelt es Tom Liwa also nie, wie auch die seit den 90ern andauernde Solo-Tätigkeit, eine Buch-Veröffentlichung, Produzenten-Tätigkeiten und Gastauftritte bei anderen musikalischen Darbietungen zeigen. Zusammen mit den Freunden Alex Nüske, Mark Winkler, Hannes Daerr sowie Laas Abendroth (alias Die Blauen Flecken) nahm Tom Liwa innerhalb von nur drei Tagen Ende März das neue Werk „Komm Jupiter“ in Giessen auf. Nahezu alles wurde live eingespielt und ergibt eine sehr natürliche Atmosphäre, die nah am Hörer ist und Tom Liwa als begnadeten Texter zeigt. Davon zeugen schon Titel wie „Henriette Gugel-Öhers, Geborene Gugel“, „Muschimietz Mietvertrag“ und „Laber-Ex-Model-Blaus“, die kleinen Märchen gleichen und doch nur den Alltag verklärt und wunderbar verspielt umschreiben.

Musikalisch kann sich das Album genauso sehen lassen, bedient man sich doch vielseitig beim Folk, knarzigem Blues, Soul und manchmal auch bei Jazz-Andeutungen. Fein akzentuierte Akustikgitarren und unterschwellige Orgel-Sounds machen den Opener „Wintersonne“ zu einem wunderbaren Wohlklang und deuten an, wie feinfühlig und durchdacht Tom Liwa mit den Songstrukturen umgeht, ohne die spontane Leichtigkeit außen vor zu lassen. Kammermusikalisch und mit Blues gesegnet, geht „Henriette Gugel-Öhers, Geborene Gugel” zu Werke, wobei die Gitarren- und Saxophon-Soloparts eine schroffe Virtuosität präsentieren, die genau wie Liwas rauchige Stimme tief ins Mark vordringen.

Mindestens so humorvoll absurd wie schwungvoll geht „Klicker Der Fuchs“ als Swing durch und erzählt so hautnah die Geschichte von Klicker, dem Fuchs, auf den selbst die „kanadische Wildgans scharf ist“. Humorvoll, aber bei weitem nicht lächerlich sind die Texte aus der Ich-Perspektive eines Tieres, wozu auch „Muschimietz Mietvetrag“ gehört. Innig wird sich hier dem Leben einer Katze gewidmet und davon erzählt, dass der Protagonist ja kein Klo braucht, dafür einfach einen Raum voll Streu und gerade einen Loft sucht. Wer dafür Humor übrig hat, dem sei dieses Werk empfohlen.

Für alle anderen gibt es mal mehr und mal weniger bedeutende Lebensweisheiten und ganz wesentlich die gekonnte, kauzige Instrumentierung, welche vor allem in den Blues-Momenten komplett überzeugt und beim lässigen Swing samt abgegangenen Vocals den richtigen Soundtrack zum Sommer liefert. Tom Liwa lässt seine gesamte Erfahrung sprechen, gibt sich nach wie vor nicht mit dem Erreichten zufrieden und ist als Texter, wie auch als Musiker samt hochklassiger Begleitung, immer noch eine Bereicherung für das knarzige Singer/Songwritertum.

Anspieltipps:

  • Klicker Der Fuchs
  • Bleib Bis Zum Morgen
  • Eh Egal
  • Komm Jupiter

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