Sigur Rós - Med Sud I Eyrum Vid Spilum End - Cover
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Sigur Rós Med Sud I Eyrum Vid Spilum End


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 56 Minuten
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Sigur Rós - Med Sud I Eyrum Vid Spilum End
10 1 8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die isländische Band Sigur Rós ist mittlerweile beim fünften Album angekommen und kann vor allem ab dem zweiten Longplayer „Àgaetis Byrjun“ (1999) und dem Nachfolger „( )“ aus 2002 auf einen beachtlichen weltweiten Erfolg bauen, der aus der einzigartigen Mischung aus träumerischen, schwebenden Melodiebögen und stimmigem Artwork samt mitreißender Live-Performance resultiert. Als Vorgeschmack zum neuen Werk „Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalaust“ stand ab Ende Mai der ungewohnt beschwingte Song „Gobbledigook” zum kostenlosen Download bereit. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war die Spannung in Bezug auf das neue Material der isländischen Traumtänzer wieder da, besonders wenn man davon hörte, dass die Aufnahmen, von dem bandeigenen Studio Alafoss in Reykjavik einmal abgesehen, in New York, London und Havanna (Kuba) stattfanden und Sänger Jon “Jonsi” Thor Birgisson sich auf einem Song zum ersten Mal der englischen Sprache bedient, während der Rest gewohnt in isländisch erklingt.

Besonders hervorzuheben ist auch der Track “Ára Bátur”, der als bisher größtes musikalisches Unterfangen der Band angesehen wird und eine One-Take-Aufnahme live mit der Londoner Sinfonietta sowie dem London Oratory Knabenchor ist, wobei 90 Musiker und Sänger gleichzeitig involviert waren. Es scheint so, als wenn Sigur Rós einfach nichts falsch machen können und sich nie überschätzen. Denn auch der Gesamteindruck von “Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalaust“ ist großartig, was erneut auch auf die Mitarbeit des Streicherquartetts Amiina und einer fünfköpfigen Bläsersektion zurückzuführen ist.

Ist beim Opener „Gobbledigook” die schnellere Gangart und das beinahe südeuropäische Flair noch seltsam und stößt dem Hörer kurz vor den Kopf, kommen einem die klugen Takt-Turbulenzen, antreibenden Percussions und freudig aufspielenden Akustikgitarren-Akkorde nach eingehender Beschäftigung wie eine logische Konsequenz vor, waren die allzu melancholischen Pfade doch beinahe schon vorhersehbar. Einige befürchteten das Abgleiten in seichte Pop-Gefilde und herausgekommen ist ein gewagter Schritt zum tänzelnden Optimismus, der im vom Glockenspiel geprägten “Inni Mér Syngur Vitleysingur” mit ergreifenden Streicher- sowie Bläser-Arrangements vielleicht deutlich mehr Pop ist, als alles was Sigur Rós bis hier hin gemacht haben, aber dabei so unnachahmlich hymnisch und in bestem Sinne naiv. “Gódan Daginn” taucht in ruhende Gewässer ein, verzaubert mit dem mystischen Glocken- sowie sanftem Gitarrenspiel und ist wunderbar entrückt, wie man es von Sigur Rós gewohnt ist und schätzt.

Klagende Streicher und Jonsi´s wehmütiger Gesang eröffnen “Festival” höchst spärlich instrumentiert, während sich langsam Orgelsounds erheben und hymnisch das Schlagzeug einsetzt. Atmosphäre in höchstem Ausmaße tritt da zu Tage und findet seinen Höhepunkt mithilfe von wirbelnden Trommeln und dem von einer euphorischen Violine feierlich begleiteten Gesang. Abschließend blüht der Song mit all seinen instrumentalen Beigaben noch einmal richtig auf und entlässt einen verzaubert in den weiteren Verlauf der Platte. Dort gibt es weiterhin großartige Traumlandschaften vor dem inneren Auge zu beobachten und man lernt die neuen, losgelöst spielerischen Facetten der Band lieben, wobei oft genug an alte Stärken gedacht wird und die tiefe sehnsuchtsvolle Melancholie immer noch den Mittelpunkt von Sigur Rós darstellt, um intelligent mit den sonnigeren, beschwingteren Parts zu verschwimmen.

Anspieltipps:

  • Inni Mér Syngur Vitleysingur
  • Gódan Daginn
  • Festival
  • Ára Bátur

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