Dirty Pretty Things - Romance At Short Notice - Cover
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Dirty Pretty Things Romance At Short Notice


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Um Gottes Willen! Da steht doch tatsächlich auf der Homepage der Plattenfirma „Der Hübsche der Libertines ist mit seiner aktuellen Band zurück“. Uncooler geht’s wirklich nimmer! Indie-Rock goes Bravo. Zeiten sind das...

Der Hübsche ist natürlich Carl Barat, zusammen mit Ober-Junkie Pete Doherty (jetzt federführend bei den Babyshambles) der, ähem, Chefdenker der im Streit aufgelösten Indie-Rocker The Libertines und nun Vorsteher der Dirty Pretty Things. Diese haben in England seit Mitte Juli ihr zweites Album draußen, auf das Deutschland noch einen Monat gewartet werden muss. Rein offiziell versteht sich, denn „Romance At Short Notice“ (Arbeitstitel „This Is Where The Truth Begins”) ist schon jetzt im Internet problemlos und zum ganz normalen Preis erhältlich.

Pete Doherty wird allerorts als verdrogtes Möchtegerngenie wahrgenommen, Carl Barat gilt dagegen als ehrlicher Arbeiter unter den Songwritern. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der Mitte. Denn während Doherty Ideen oft nur im Vorbeigehen anreißt und Genialität mit Schludrigkeit verwechselt, versucht Barat seine Songs zumindest detailliert auszuarbeiten und in Sachen Produktion, Instrumentierung und Arrangements auf ein Normalmaß zu bringen. Das klappte auf den Vorgänger „Waterloo To Anywhere” (2006) nur in Ansätzen, doch wenn diese Platte die Kür gewesen ist, kann sich die Pflicht in Form von „Romance At Short Notice“ mehr als sehen bzw. hören lassen.

Die Dirty Pretty Things feuern auf ihrem Zweitwerk ein Paket aus 12 Songs ab, von denen jeder einzelne ein Hit sein will. Derartiges Selbstbewusst kann einem Künstler schnell als Größenwahn ausgelegt werden, doch solche Sorgen im Zusammenhang mit „Romance At Short Notice“ sind unbegründet. Die Arrangements sind liebevoll ausgefeilt („Hippy’s son“, „Buzzards & Crows“), bewusst schrammelige Gitarren treffen auf eine tighte Rhythmussektion („Plastic hearts“), satte Bass-Grooves wechseln sich mit Streichern und Bläsern ab („Tired of England“), die Melodien gehen ins Ohr („Faultlines“, „Come closer“, „Truth begin”) und die Gitarrenriffs treffen ins Mark („Kicks of consumption“, „Best face“) – hier wurde nichts dem Zufall überlassen, aber auch nicht der Fehler eines überproduzierten Albums gemacht. Hut ab!

Mit das Schönste an diesem Album ist vielleicht, dass die Schnittstellen zwischen Indie und Mainstream ganz gekonnt verschwimmen, so dass der Hörer gar nicht bemerkt, wie die Dirty Pretty Things langsam aber sicher aus dem feucht-kalten Kellerloch der Libertines in die musikalische Belle Etage von Oasis und Co. aufsteigen. In der Rückschau betrachtet können die Songs zwar (noch) nicht mit den Evergreens der BritPop-Hochphase in den 90er Jahren mithalten, doch der Abstand ist marginal. Und wenn wir ehrlich sind, ist es für uns CD-Käufer doch viel schöner, wenn wir ein durchgehend starkes Album wie dieses vorgesetzt bekommen, anstatt zwei läppische Hits, garniert mit zehn Liedern aus dem Abfalleimer eines Auftragsarbeiters wie, sagen wir mal, Mark Ronson (u.a. Amy Winehouse). Mit dem will Carl Barat übrigens demnächst ins Studio gehen. Nur, wollen wir das auch?

Anspieltipps:

  • Faultlines
  • Truth begin
  • Come closer
  • Plastic hearts
  • Tired of England
  • Buzzards & Crows

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