Jazzkantine - Hell´s Kitchen - Cover
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Jazzkantine Hell´s Kitchen


  • Label: Sashimi/Rough Trade
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4.5/10 Unsere Wertung
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Respekt war ihre Aufgabe. 1994 war die Jazzkantine mit diesem Song in aller Ohren und belegte, dass es durchaus möglich ist, nicht nur Elemente von Jazz, Pop und Hip Hop zu vereinen, sondern das Ganze obendrein mit intelligenten und (höre da!) auch deutschsprachigen Texten zu kombinieren. 14 Jahre später besteht die jazzige Kantine immer noch aus gefühlten hundert Bandmitgliedern und auf „Hell“s Kitchen“ wagt sich die Musikerhorde nun an die Klassiker der Rock N’ Roll Geschichte, um ihnen eine erfrischende Dosis Jazz zu injizieren.

Den höllischen Küchenauftakt macht Tom Gaebel mit seiner Interpretation des AC/DC Klassikers „Highway To Hell“. Mit einer durchaus ordentlichen Prise Groove versehen schafft er es, auch aufgrund seiner stimmlichen Fähigkeit den Unterhaltungswert dieses Songs relativ konstant über dem Durchschnitt zu halten. Dem ungeachtet versprüht bereits diese Darbietung einen latenten Charme eines Live-Auftritts der Kapelle zur goldenen Hochzeit von Opa Hans und Oma Anni. Und hier macht sich schon das große Manko dieser Platte bemerkbar. Die Mannen um die Kantine haben einfach die Einzigartigkeit der von ihnen auserwählten Rockklassiker unterschätzt. Am schwerwiegendsten wird dies bei solchen Liedern deutlich, die egal mit welcher musikalischen Gangart die Neubelebung versucht wird, einfach nicht gecovert werden können. Da macht unser aller Soulmessias Xavier Naidoo aus dem Metallica-Urgestein „Nothing Else Matters“ ein unscheinbaren Langweiler, der in seiner Neuauflage so prickelt wie ein drei Tage gestandenes Glas Sprudel. Van Halens „Jump“ geht trotz der charmanten Reggae Performance von Richard Alexander Jung aka Dr. Ring Ding ebenso in die Hose, wie der Auftritt von Max Mutzke, der es auch diesmal nicht schafft seinen antrainierten Stefan Raab Flair aus der Stimme zu bekommen, und dadurch „Back In Black“ im schwarzen Loch der Unscheinbarkeit versenkt.

So wie auch die meisten Songs auf „Hell’s Kitchen“. Die Versuche „I Was Made For Loving You“ (feat. Pat Appleton) oder „Hell’s Bells“ (mit Louie) auf originelle Art wiederzugeben scheitern am durchgängigen vor sich hinrieselnden Lounge-Bar-Gefühl ihrer Vorstellung. Alles sehr nett und schön, aber mehr als zu chilliger Hintergrundbeschallung langt es leider nicht. Da fehlen Überraschungsmomente, Experimentierfreude und teilweise auch gesangliche Fähigkeiten, um die Originale nicht aus Versehen zu entwerten. Lediglich Jazzkantine Frontmann Cappuccino überrascht mit seinem rauen Organ auf dem Motörheadtitel „Iron Horse“, sowie der ebenfalls reibeisigen Version eines „Paranoid“ von Black Sabbath. Nicht von ungefähr gehören jene Numern auch unangefochten zu den Höhepunkten einer Platte, die man sich durchaus hätte sparen können.

Ohne Frage besteht die Jazzkantine aus begabten Musikern und hier und da blitzt auch bei „Hell’s Kitchen“ ein Funke kreativer Genialität durch. Aber um einige der größten Rocksongs aller Zeiten angemessen zu würdigen, braucht es letztlich etwas mehr als „nur“ gute Sänger und eine souveräne jazzende Band im Hintergrund. Dann doch lieber wieder die alten Tonträger aus dem Schrank kramen, oder sich die Rockklassik Sammlung 1-10 aus dem Teleshop bestellen und sich damit bestätigt fühlen, dass einige Sachen einfach am besten sind- so wie sie sind!

Anspieltipps:

  • Iron Horse
  • Paranoid
  • Walk This Way

Dieser Artikel ging am um 10:28 Uhr online.
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