Marquess - ¡YA! - Cover
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Marquess ¡YA!


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 48 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Album mit ein bis zwei gefälligen Sommerhits und jeder Menge Klischee-behafteter südländischer Melodien.

Was passiert wenn der Verfasser einer Telenovela-Titelmelodie, ein Komponist von Werbesongs und Jingles, der Produzent von Patrick Nuo, sowie ein Mitglied der 90er Jahre Pop-Formation „Mellow Sirens“ zu einer Supergroup verschmelzen? Richtig: Marquess! Mit ihrem dritten Album „iYa!“ wollen die vier erneut ihre Sommerhits unters Volk bringen und zeigen, dass sie mehr auf dem Kasten haben, als Reklamesoundtracks für deutsche Flughäfen zu komponieren („El Temperamento“).

„La Vida Es Limonada“ heisst der Opener und gleichzeitig die erste Single des neuen Albums! Und trotz seines selten dämlichen Titels, klingt jener Song beschwingt sommerlich und man wird es dieses Jahr schwer haben, an dem poppigen Ohrwurm vorbei zu kommen. Ebenfalls nett anzuhören ist das mit sympathischer Akustikklampfe versehene und ebenfalls Sommerkompatible „Piensar En Positivo“, oder auch „Ritmo Solar, das dank seines weiblichen Gesangspart die aufgelegte Konservenmusik im Hintergrund einigermassen übertünchen kann. Bei der mutmaßlich nächsten Albumauskoppelung „All Gone“, mit dem norwegischen Goldkehlchen Lene Marlin im Schlepptau, ist die künftig stündliche und nervende Dauerbeschallung auf unser aller Lieblingsradiosendern zwar vorprogrammiert, aber der Song muss dennoch noch zum Positiven dieser Platte gezählt werden. Denn der Rest der da so auf „iYa!“ fabriziert wird (ich sage ausschließlich fabriziert, weil mit Musik machen das Ganze dann doch eher rein gar nichts zu tun hat) pendelt irgendwo zwischen „grauenhaft“, „so was von egal“ und „unfreiwillig komisch“.

Bei „Lucia“ hat man automatisch eine leergefegte Disco eines miserablen Pauschal-Hotels vorm geistigen Auge. Die direkt aufeinander folgenden „Ni Una Sola Vez“ und „La Banda“ sind schlicht und einfach die selben Stücke mit leicht verändertem Text und bei „Ciao Ragazzi“ fällt aufgrund des peinlichen Verzerreffekts und des billigen Beats der Abschied kein bisschen schwer. Keyboarder Christian Fleps bezeichnet das Album als „erdiger und rockiger“ als alles was je zuvor von der Band produziert worden ist. Aber die Mischpulterzeugten Sounds auf „Mi Cancion“ bekommt heuer wohl jeder einigermassen PC affine Jugendliche mit seinem „GarageBand“- Programm besser auf die Festplatte gewerkelt, als es bei dieser Nummer der Fall ist. Die schmalzig durchgespülte Ballade „Con Las Estrellas“ lässt Eros Ramazotti wie einen durchgeknallten Psychodelic-Rocker dastehen und bei „El Tren“ ist die Verwirrung dann auch selbst bei den rassigen Deutschpop-Produzenten ausgebrochen. Dort heisst es „La vida es come un tren“. Was jetzt? Limonade oder Dampflok? Und so werden wir mit dem instrumentalen „La Radio Vieja“, das von jeder Supermarkt Wursttheke liebend in ihr Programm genommen werden würde, ziemlich ratlos und gleichgültig zurückgelassen.

Marquess bleiben sich treu. Erneut ein Album mit ein bis zwei gefälligen Sommerhits, jeder Menge Klischee-behafteter südländischer Melodien, unzähliger „lunas“, „nachos“, ritmos“ und „vidas“, sowie vielem Belanglosem Zeug, das man so auch von Komponisten von Werbemusik, TV-Soap-Soundtracks und mauen Chart Pop-Bands nicht anders erwarten konnte. Niemand hätte es ihnen übel genommen, wenn sie sich lediglich auf ihre eingängigen Sommersingles konzentriert und diese fast 50 Minuten andauernde Attacke auf Trommelfell und Nerven unterlassen hätten. Aber so weit wird es leider auch in Zukunft nicht kommen. Denn diese smarten Jungs wissen schon längst: „La vida es commercio!

Anspieltipps:

  • La Vida Es Limonada
  • Piensar En Positivo

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