Sylvan - Leaving Backstage - Cover
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Sylvan Leaving Backstage


  • Label: Progrock Records/SPV
  • Laufzeit: 149 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn eine Band ein Jubiläum begeht, kann man sich sicher sein, dass es ausgiebig gefeiert wird. Sylvan holen zu ihrem 10. Geburtstag seit der Neugründung unter neuem Namen zu einem Doppelschlag aus und servieren neben dem Live-Album „Leaving backstage“ auch gleich noch die entsprechende DVD, deren Anschaffung sich schon wegen den fantastischen Visualisierungen lohnt. Wessen Geldbeutel jedoch nicht ganz so prall gefüllt ist oder wem die akustische Darbietung reicht, ist mit „Leaving backstage“ ebenso gut bedient.

Das hier zu hörende Songmaterial, aufgenommen am 1. September 2007 in Hamburg, setzt sich aus dem Konzeptwerk „Posthumous silence“ (2006) auf CD1 sowie einem Best Of auf CD 2 zusammen. „Posthumous silence“ genießt in Prog-Kreisen Meisterwerkstatus – zu Recht. Die tragische Story um einen Vater auf der Suche nach Gründen für den Freitod seiner Tochter ist sowohl inhaltlich als auch musikalisch absolut mitreißend. Und genau hierin liegt meiner Meinung nach der Knackpunkt im Bezug auf dieses Live-Album. „Posthumous silence“ erzählt eine sensible Geschichte und ist bei aller musikalischen Opulenz introvertiert, woran nicht zuletzt Sänger Marco Glühmann mit seiner einfühlsamen Stimme einen beträchtlichen Anteil hat.

Dieses Konzept halte ich für ungeeignet für die Umsetzung auf einer großen Bühne vor Tausenden von Fans. Das Thema ist zu persönlich, zu nahegehend, zu schwer verdaulich und nachdenklich stimmend, als dass es in die Welt hinaus posaunt werden sollte. Dadurch verliert es einen Teil seines Zaubers, seiner ganz privaten und irgendwie auch geheimnisvollen individuellen Verbindung zwischen Album und Hörer. Aus demselben Grund möchte man auch nicht, dass sein Lieblingsbuch vor einem großen Auditorium vorgetragen wird. Vielleicht wird es nachvollziehbarer, wenn man sich vorstellt, dass soeben ein Lied endete, welches von schmerzhaften Erinnerungen handelt, und kurz darauf frenetischer Jubel ausbricht (natürlich möchte das Publikum damit die Leistung der Musiker würdigen, aber das macht den Jubel in diesem Moment nicht unpassender). Zur Bewahrung des Konzeptcharakters verzichtete Glühmann bewusst auf Ansagen zwischen den einzelnen Stücken, aber das rettet die Ungebührlichkeit der Live-Darbietung auch nicht.

Abseits solcher Überlegungen ist die rein technische Umsetzung von „Posthumous silence“ vollkommen gelungen. Marco Glühmann Gesangsleistung ist ebenso tadellos wie auf dem Album. Die Songs selbst blieben größtenteils unverändert. Abgesehen von Background-Sängerinnen und marginalen Variationen handelt es sich um eine 1:1-Umsetzung, wobei manche Songs so gar eine Spur besser klingen als auf dem Studioalbum. Großartiges Beispiel hierfür ist „The colors changed“. Negativ fällt lediglich auf, dass zwischen Gesang und Musik mehr Distanz liegt, was die oben angeführte Kritik nur noch unterstreicht.

CD 2 bietet einen Querschnitt durch das Schaffen der Band. Außer vom Erstling „Deliverance“ (1998) findet jedes Album Beachtung. Hier kommt der Livecharakter voll zum Tragen. Ansagen des Sängers (der einen ziemlich abgehetzten Eindruck macht) und die rege Beteiligung des Publikums lockern das Geschehen merklich auf und jagen mehrmals Gänsehaut über den Körper. Überragendes Highlights ist hier zweifellos das 19minütige „Artificial paradise“. Fazit: Bei Interesse an „Posthumous silence“ wenden Sie sich vorzugsweise an das Studioalbum, ansonsten fragen Sie den Musikhändler ihres Vertrauens nach diesem vorbildlichen Live-Album.

Anspieltipps:

  • Artificial paradise
  • The colors changed
  • This world is not for me

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