U2 - October (Deluxe Edition) - Cover
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U2 October (Deluxe Edition)


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 102 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Über die Qualität der einzelnen Songs lässt sich streiten. Aber nur auf hohem Niveau!

Ein typisches zweites Album wie es viele Bands erleben. Mit der ersten Veröffentlichung bereits einen gewissen Erfolg eingefahren, steht die Band beim Nachfolgewerk unter Druck. So ging es auch U2. Die Plattenfirma drängt auf das zweite Album und die Band hatte zu Beginn der Aufnahmesessions so gut wie nichts vorzuweisen; besonders Bono hing mit den Texten hinterher. Aus so einer Notsituation entstehen manchmal die ganz besonderen Meilensteine der Musikgeschichte – nicht bei U2. Wie 15 Jahre später bei „Pop“, als der Veröffentlichungstermin und die Daten der Tour bereits feststanden, hatte die Band auch bei „October“ ihre Probleme mit dem Druck der Plattenfirma.

Doch die Band hat sich in der kurzen Zeit zwischen „Boy“ und „October“ stark weiterentwickelt. Die Ehrfurcht vor den Produktionsabläufen ist erheblich kleiner geworden, die gesamte Aufnahme klingt um einiges reifer. Stand bei „Boy“ im Vordergrund, endlich die ersten elf Songs auf LP zu bannen, so spürt man, dass nun an den einzelnen Songs gefeilt wurde. Zwar geht der gesamten Aufnahme dadurch die Naivität verloren, dafür lassen sie den Demo-Charakter, den „Boy“ noch hatte, ebenfalls hinter sich. Für den Hörer der Remastered-Auflage ein zusätzlicher Vorteil, denn die Ursprungsaufnahmen sind diesmal so gut, dass Edge, unter dessen Fittichen die Aufnahmen überarbeitet wurden, ein erstklassig klingendes Album abliefern konnte.

Über die Qualität der einzelnen Songs lässt sich streiten, aber nur auf hohem Niveau, denn dieses haben U2 bereits bei ihrer zweiten Veröffentlichung erreicht und nie wieder verlassen. Als Indiz der mangelnden Songqualität wird gerne angefügt, dass es keiner der elf Songs auf eines der best-of-Compilations geschafft hat (vom Titeltrack mal abgesehen) und sämtliche Songs von der Band auf Livekonzerten seit fast 20 Jahren gemieden werden. Von der Protestband ist U2 noch genau ein Album („War“) entfernt, stattdessen kommen erste Einflüsse einiger sehr gläubiger Bandmitglieder zum Tragen („Gloria“, „With A Shout“), das „Boy“-Thema des Erwachsenwerdens wird wieder aufgegriffen („I Threw A Brick Through A Window“), auch in Kombination mit dem Thema Verlust („Tomorrow“). Und Bonos Zeitprobleme beim Texten spiegeln sich nicht zuletzt in „Scarlett“, „Is That All“ und „Gloria“ wider. Die großen Gassenhauer wie sie es noch auf dem ersten Album gab, fehlen zwar, dafür aber auch die Lückenfüller.

Das viele der Songs großartige Livequalitäten haben, wird bei einem Blick auf die Bonus-CD deutlich, die es wirklich in sich hat. Gleich 13 Livesongs in hervorragender Qualität werden nicht nur dem Sammler geboten, sondern auch die breite Masse wird gefallen an dieser Zusammenstellung finden. Hinzu kommen die B-Seiten „J. Swallo“ und „Trash, Trampoline And The Party Girl“, dass später als „Party Girl“ eine beachtliche Live-Karriere machte. Die späte Version von „Tomorrow“ fällt etwas aus dem Rahmen – allerdings nicht negativ, denn es ist auf beiden CD’s einer der besten Songs. Eigentlich ist „October“ minimal schlechter als „Boy“ – in diesem Fall hebt die grandiose Bonus-CD beide Veröffentlichungen auf einen Level.

Anspieltipps:

  • I Fall Down
  • I Threw A Brick Through A Window
  • Tomorrow

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