U2 - Boy (Deluxe Edition) - Cover
Große Ansicht

U2 Boy (Deluxe Edition)


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 95 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Bono, Edge, Larry Mullen und Adam Clayton sind alle keine musikalischen Genies, aber den Willen unbedingt in einer Band spielen zu wollen, spürt man in jedem einzelnen Song.

Mit U2 ist das ganz einfach – nämlich dass es nicht einfach ist. Ohne Zweifel ist U2 eine der größten Bands der letzten Jahrzehnte, aber genauso unzweifelhaft scheiden sich an Band und deren Musik die Geister. So wird es auch Diskussionen über die Notwendigkeit der Re-Releases alter Alben geben. Um die Diskussion im Keim zu ersticken: Wer sich daran stört, behält seine Aufnahme von 1980 – am besten die auf LP, die der CD-Pressung noch um einiges voraus ist. Man mag Management, Plattenfirma und nicht zuletzt der Band vorwerfen, den Hals nicht voll genug zu bekommen, doch wer die durchweg guten ersten Alben in zeitgemäßer Soundqualität genießen möchte, kommt nicht daran vorbei, jetzt bei den remasterten Alben zuzuschlagen. Dem normalen Fan sollte, die normale Remastered-Version völlig genügen, denn die Deluxe Version mit der Bonus-CD ist wahrlich nur etwas für den eingefleischten Fan – und davon gibt es bekanntlich genug.

Ende der 70er kämpfte die Band um einen Plattenvertrag, den sie bei Island-Records bekam. Wie viele Bands vor und nach ihr war alles, was mit der Plattenaufnahme zusammenhing Neuland, doch das Problem von U2 war, dass sie ohne großes musikalisches Talent in die Aufnahmen ging. Die Rhythmussektion hatte Schwierigkeiten überhaupt im Takt zu spielen und Bono war alles andere als ein begnadeter Sänger. Zusammen mit Produzent brachten die vier Iren dennoch elf Songs zusammen, die zum Teil in die Musikgeschichte eingingen. Die großen Klassiker produzierten sie zwar erst später, aber noch immer schaffen es Songs wie „I Will Follow“, „Out Of Control“ und „The Electric Co.“ auf die Setlist der Konzerte. Zuletzt auf der Vertigo-Tour sogar die damals überraschend ausgereiften Stücke „An Cat Dubh/Into The Heart“. Während sich Adam Clayton (Bass) und Larry Mullen (Schlagzeug) schon bis zur Aufnahme des kommenden Albums „October“ verbesserten, ist bemerkenswert, dass Gitarrist The Edge bereits sein für U2 typisches Gitarrespiel entwickelte. Sänger und Texter Bono hingegen ist gesangstechnisch noch weit entfernt von seiner Bestform, doch seine – damals noch klaren und fast schnörkellosen – Texte spiegeln das Lebensgefühl eines rastlosen Jugendlichen auf dem Weg zum Erwachsenen wider. Für einen damals knapp 20-jährigen eine beachtliche Leistung. Die Naivität hat Bono beim Texten anschließend schnell verloren, die Energie, die sein Gesang und auch die Texte versprühen, zum Glück noch lange nicht.

Das „Problem“ der Bonus-CD ist, dass sie nicht wirklich musikalische Highlights enthält. Die Band hatte damals nur das Zeug für elf gute Songs und so fallen die wenigen Überbleibsel aus der Boy-Session („Speed Of Life“, „Saturday Night“ – letzteres findet sich als „Fire“ übrigens auf „October“ wieder) deutlich ab. Die Alternativversionen sind wahrlich nur für Fans interessant und stehen nicht grundlos nur in der zweiten Reihe. Sammler, die U2s erste Veröffentlichung „U2 3“ nicht ihr eigen nennen können, bekommen die drei Songs hier nachgeliefert – bei „Out Of Control“ und „Stories For Boys“ handelt es sich allerdings wiederum um Alternativversionen. Die große Perle lässt sich hier nicht entdecken, doch für Fans und zur Komplettierung der Sammlung in erstklassiger Qualität lohnt sich die Anschaffung allemal.

Bono, Edge, Larry Mullen und Adam Clayton sind alle keine musikalischen Genies, aber den Willen unbedingt in einer Band spielen zu wollen, spürt man nicht nur in jedem einzelnen Song, sondern macht das Album zu einem gelungenen Erstlingswerk. Wohin die Reise geht, ist noch nicht klar, die Einflüsse der damals angesagten Musikstile New Wave und Punk sind herauszuhören. Doch einen Stempel ließ sich die Band damals nicht verpassen, sondern war besonders dank The Edges Qualitäten und Bonos unbändiger Energie ihren eigenen Weg zu finden.

Anspieltipps:

  • Twilight
  • An Cat Dubh/Into The Heart
  • Out Of Control

Neue Kritiken im Genre „Rock/Pop“
Diskutiere über „U2“
comments powered by Disqus