Kelly De Martino - Honest - Cover
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Kelly De Martino Honest


  • Label: Village/ALIVE
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Vor drei Jahren erschien die francophile Kalifornierin Kelly De Martino das erste Mal auf dem „Radar“ vieler szenekundiger Indie/Folk- und Popliebhaber. Mit ihrem gleichnamigen 2005er Debüt konnte sie sogar ein kleines Lob im eigentlich sehr kritischen Rolling Stone Magazine einheimsen. Mit „Honest“ legt die Kalifornierin nun nach. Und wenn man honest ist- durchgängig überzeugen kann sie hiermit leider nicht.

Die in New York lebende De Martino präsentiert auf ihrem neusten Werk zehn kleine, aufs erste Ohr unscheinbare, melancholische und zerbrechliche Lieder. Vom Piano geleitet und ihrer bittersüßen, manchmal auch sehr zurücknehmenden Stimme, wuseln hier zwar einige sehr charmante, aber auch äußerst laue Popsongs in und aus den Boxen. Da gibt es den Titeltrack „Honest“, der mit geisterhafter Geräuschkulisse im Rücken und einer minimalistischen Instrumentierung, sowie schrägen und düsteren Soundsamples zwar sehr interessant hätte werden können, aber bei dem man doch das gewisse Etwas schmerzlich vermisst und er dadurch mehr im Mittelmaß versinkt, als er eigentliche verdient hätte.

Während die darauf folgenden „All This Breaking Down“ und „Long Long Long“ eine Atmosphäre zu schaffen in der Lage sind, die sich irgendwo zwischen The Velvet Underground und melodiösem Songwritertum einpendelt und des Hörers Laune katapultartigartig auf Betriebstemperatur steigen lässt. Jedoch schafft De Martino es nicht dieses Niveau über die gesamte Spielzeit zu halten. Immer wieder schleichen sich enorm monoton tätige und sich einfach zu sehr nach experimentellen Elementen bemühende Songs, wie „The Last Time“ oder auch das ambitioniert-überladene „Delialah“ zwischen die stärkeren Passagen der Platte. Aber: Bewegende Nummern wie das herrlich leicht ins Ohr schwebende „Just Like You“ oder das auf „King Of December“ (hier diesmal auch) hervorragend funktionierende Experiment, 60er Jahre Pop, Folk und Rock miteinander zu vereinen, entschädigen letzen Endes für den ein oder anderen Durchhänger.

Wenn der Regen mal wieder schier endlos herunterprasselt, die Stimmung gedrückt ist und man persönlich auch nicht das Verlangen danach hat, diese Lage mit musikalischer Hilfe zu bekämpfen. Dann kann man sich mit „Honest“ durchaus in dieser melancholischen Gefühlslage verankern und darin einige Zeit verweilen. Freunde von ruhigem Songwriter-Folk Richtung Beth Orton, Aimee Mann oder Au Revoir Simone könnten auf diesem Album garantiert das ein oder andere seelische Kleinod für sich entdecken.

Anspieltipps:

  • All This Breaking Down
  • Long Long Long
  • Just Like You
  • King Of December

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