Klimt 1918 - Just In Case We´ll Never Meet Again - Cover
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Klimt 1918 Just In Case We´ll Never Meet Again


  • Label: Prophecy/SOULFOOD
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

2008 steht Italien einmal mehr im Fokus der Weltöffentlichkeit. Eine Stadt verdreckt, ein alter Bekannter steht an der Spitze des Landes, eine weltmeisterliche Mannschaft erreicht immerhin die Endrunde eines populären Turniers und ein musikalisches Quartett versucht an die Qualität ihres letzten Albums anzuknüpfen. Jenes „Dopoguerra“ sorgte 2005 durch seinen stimmungsvollen Alternative Rock mit „Dark Wave“ - Einschlag für Furore. Klimt 1918 verstanden es, ihre Intentionen mittels dicht gewebter Songnetze zu transportieren, deren Intensität bis dato nur von Anathema, Katatonia und Konsorten erreicht wurde. Bilder einer Landschaft, deren diffuses Licht einer untergehenden Sonne den zarten Bodennebel durchdrang. Bilder eines gedankenverlorenen Wanderers auf der Suche nach Antworten, deren Fragen er nicht kennt. Bilder eben, die so gar nicht zum flüchtigen Stil des Namenpatrons passen wollten, und doch sofort wieder vor dem geistigen Auge erscheinen, wenn man die ersten Töne von „Just in case we'll never meet again“ vernimmt.

Der „Soundtrack for the cassette generation“, wie es im Untertitel heißt, weist bereits mit dem Opener „The breathtaking days“ den Weg, von dem in der Folge keinen Millimeter abgewichen wird. Wo Coldplay mit ihrem neuen Album Experimente wagen und auf Abwechslung setzen, begradigen Klimt 1918 auch die kleinsten Ausfranzungen ihrer Linie. Überraschungen, Tempowechsel und sonstige Abweichungen bleiben aus. Indie-Puristen werden sich mangels Ecken und Kanten angewidert wegdrehen. Doch was man anderen Alben zum Vorwurf machen würde, ist für „Just in case we'll never meet again“ ein integraler Bestandteil des klimtschen Universums. In diesem Album soll man versinken und alles Üble und Schlechte für gute 50 Minuten ausblenden. „Just in case we'll never meet again“ ist die tröstende Hand, die über den Hinterkopf des Hörers streichelt; die umsorgende Mutter, in deren Schoß man liegt; die melancholische Glückseligkeit, die einen umhüllt und für einen Augenblick alle Sehnsüchte und Hoffnungen vergessen oder wenigstens in einem positiveren Licht sehen lässt.

Dass sich Klimt 1918 der unwiderstehlichen Wirkung ihrer Musik voll und ganz bewusst sind, lässt sich daran erkennen, dass die beiden besten Songs vorab ins Internet gestellt wurden.„Skygazer“ und „The graduate“ vermögen es, jeden Interessenten zu ködern und beseitigen die letzten Zweifel daran, dass das Album an das Niveau des Vorgängers anknüpfen kann. Dies gelingt mühelos, selbst wenn es eine Spur geradliniger ausfällt und Übersongs wie „Snow of 85“ fehlen. Dafür ist die Intensität ungleich größer, wobei die einzelnen Songs zuweilen Gefahr laufen, vom dichten Gewebe aus Breitwand-Gitarren und Keyboard-Teppichen verschluckt zu werden.

Vielleicht ist auch die Produktion schuld daran, dass man vom Wohlklang irgendwann ganz benommen wird und keine Einzelheiten mehr hört. Andererseits löst das Album damit ein, was es versprochen hat: eine Zeitreise in die Vergangenheit, in der mangels technischen Fortschritts die feinen Nuancen keine Rolle spielten und immer die Schlichtheit der Musik an sich bzw. ihr unmittelbarer, schnörgelloser Wirkunggrad zählte. Dem damals herrschenden Lebensgefühl trägt das Album außerdem insofern Rechnung, als dass es im Vergleich zum deutlich düstereren Vorgänger eine farbenfrohere Stimmung verbreitet, dabei jedoch nie den melancholischen Rahmen aus den Augen zu verliert. Gleich, ob man zur normalen Version, der Limited Edition im Digipack oder der Deluxe Edition mit Kassette (sic!) greift: Klimt 1918 sind derzeit die einzigen Italiener, die den Erwartungen gerecht werden.

Anspieltipps:

  • Skygazer
  • The graduate
  • Suspense music
  • True love is the oldest fear
  • Just an interlude in your life
  • Just in case we'll never meet again

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