Pendulum - In Silico - Cover
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Pendulum In Silico


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 58 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Pendulum sind anders. Zumindest wenn man sich ihre Fans aus den verschiedensten musikalischen Lagern ansieht. Da bekennen sich hartgesottene Rocker und Drum and Bass-Verächter gleichermaßen das Debüt „Hold your color“ (07/2005) im Schrank stehen zu haben, obwohl der aus brachialen Beats und tonnenschweren Basslines bestehende Longplayer noch keine großen Anstalten machte, seinem Hauptgenre, abgesehen von einigen äußerst genialen stilistischen Überschneidungen (Jazz, Rock, Hip Hop, Trance), den Rücken zu kehren. Wie dem auch sei, diese Verknüpfung in sinnvolle, schweißtreibende D&B-Gebilde machte die Australier Rob Swire (Gesang, Sythesizer), Peredur Ap Gwynedd (Gitarre), Gareth McGrillen (Bass, DJ), Paul Kodish (Schlagzeug), Ben Verse (MC) und El Hornet (DJ) zu einer genreübergreifenden Institution, die letztes Jahr sogar in einen Re-Release des 2005er Werkes gipfelte.

Mit „In silico“ liefert der Sechser jetzt nicht nur seinen längst überfälligen Nachfolger ab, sondern vollführt ebenso eine 180 Grad-Wendung, die so ziemlich jeden Hardcore-Fan gleich einem Vorschlaghammer ins Gesicht treffen dürfte. Der Grund ist klar: Pendulum haben erkannt, dass vor allem mit einer songorientierteren Herangehensweise die Charts gebrochen werden können und bestätigen mit Album Nummer 2 nicht nur diese Erwartungen, sondern führen ihren bisherigen Erfolg mit einer kommerziellen Produktion noch dazu ad absurdum. Der Clou: In fast jedem Track treten die Vocals in den Vordergrund, dienen im Gegensatz zu früher als Anhaltspunkt und sollen so den Wiedererkennungseffekt und die Aufmerksamkeit des einzelnen Hörers schüren. Dass diese Idee allerdings deutlich nach hinten losgehen kann, hat schon die erste Singleauskoppelung „Propane nightmares“ gezeigt, wo die Australier einen popig angehauchten Rocksong zwar spielend in eine bebende Dancefloor-Hymne umfunktionierten, diese überdeutliche Anbiederung an den Mainstream aber nicht nur hartgesottene Anhänger schwer schlucken ließ.

Schließlich lebte ein „Through the loop“ oder „Out there“ (beide von „Hold your color“) nicht von den eingestreuten Textfetzen, sondern von dem überzeugenden Klangbild, das der D&B-Act mit unterschiedlichsten Mitteln zusammenschusterte. Auf „In silico“ sucht man derartige Songs jedenfalls vergeblich und auch kein anderer reicht an die Klasse des Vorgängers heran, was unter anderem daran liegt, dass dieses Mal sämtliche Gastfeatures gestrichen wurden und lediglich Rob Swire ins Mikrophon krächzen darf, der (seien wir mal ehrlich) nur über äußerst bescheidene Gesangstalente verfügt. Dieses Manko wird zwar durch die Verwendung von Vocoder und exzessivem Synthesizer-Einsatz kaschiert, trotzdem raubt diese Entscheidung der Platte in vielen Fällen den nötigen Kick.

Anfänglich wissen Pendulum mit dem Opener allerdings doch zu beeindrucken. Typische Trademarks der Band wie knallharter Bass-Einsatz und eine rockig-elektronische Unterlage eröffnen das sukzessive Werk zum Megaseller „Hold your color“ und liefern kurz vor Ende noch einen unerwarteten Rhythmuswechsel mit Offbeat-Charakter. Leider ist bereits „Different“ ein müder The Prodigy-Abklatsch und sowohl „Visions“ als auch „Midnight runner“ wollen trotz einiger guter Ansätze nicht auf den Punkt kommen. Dafür schürt das nachfolgende „The other side“ in den ersten 1 ½ Minuten eine riesige Erwartungshaltung, die sich durch einen wunderbar angelegten, düsteren Aufbau bemerkbar macht, allerdings mit einem unangebrachten Umschwung in die bereits angesprochene songorientierte Struktur den Track regelrecht zugrunde richten lässt. Schade!

Mit „Mutiny“ beweisen die Australier zwar dass sie noch nicht komplett abgeschrieben werden sollten und bündeln einen mächtig groovenden Bass mit energiegeladenen Synthies, die im Vergleich zu vorangegangenen Stücken nicht auf die Nerven fallen. Das anschließende „9000 miles“ erledigt dann den Posten als durchschnittlicher Chillout-Track, während „Granite“ noch ein letztes Mal aus dem Vollen schöpft und in guter alter Pendulum-Manier aus den Boxen preschen darf, bis „The tempest“ wieder stärker dem Rock anheim fällt, aber am eigenen Anspruch scheitert, eine geglückte Mischung aus elektronischer Musik und fetzigen Gitarren darzustellen, da der Song selbst nicht so recht weiß, wo er mit diesem Konzept hin will und dementsprechend auf der Stelle tritt. Spätestens zwei Minuten vor Schluss, wenn Pendulum Kirmesbeats a la Scooter auspacken, ist die Sache dann gegessen und man darf auf eine Rückbesinnung auf die alten Tage hoffen, denn früher war im Falle der australischen D&B-Truppe so einiges besser.

Anspieltipps:

  • Granite
  • Mutiny
  • Showdown

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