Conor Oberst - Conor Oberst - Cover
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Conor Oberst Conor Oberst


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

The King of Indie. Mit gerade mal 28 Jahren ist Conor Oberst bereits das Sprachrohr einer zum Teil desillusionierten und frustrierten, aber auf der anderen Seite auch hoffnungsvollen und aufstrebenden Generation Jugendlicher. Als Bright Eyes wurde das Saddle-Creek-Aushängeschild Kontinent übergreifend bekannt und mit der „Mystic Valley Band“ im Rücken produzierte er jetzt Anfang dieses Jahres sein erstes Soloalbum seit nunmehr dreizehn Jahren.

Da er sich diesmal ohne seinen Spezi Mike Mogis an die Arbeit machte, erschien die Selbstbetitelung seiner mittlerweile achten Platte, als der für ihn logischste Schritt. Und war auf „Cassadaga“, dem Vorgängeralbum seiner Stammformation Bright Eyes, noch der ehemals typisch karge Sound auf ein musikalisches Breitbildformat erweitert worden, so besinnt sich Conor auf seinem Soloritt nun wieder auf eine mit unter klanglichen Reduktion des Ganzen. Auch das die Platte nicht wie gewohnt auf dem Hauseigenen Label erscheint, und das bei dieser Produktion auch kein einziger Song durch den Computer gewandert ist, spricht für Oberst Experimentierfreude und die Motivation auch mal andere künstlerische Wege zu beschreiten. Im mexikanischen Terpoztlán, bekannt für uralten Aztekenzauber und angebliche UFO-Sichtungen wurde Anfang diesen Jahres in einem Bergdorf namens Valle Mistico, ein kleines Studio eingerichtet und zusammen mit Oberst langjährigem musikalischen Weggefährten Andy LeMaster und der „Mystic Valley Band“ als instrumentale Unterstützung, in nur zwei Monaten das neue Liedmaterial eingespielt. Herausgekommen sind dreizehn Songs, die sich irgendwo zwischen den rockigeren Folk- und Americana-Nummern der Bright Eyes und dem ruhigen, sensiblen Singer / Songwriter Ego des 28 jährigen aus Omaha, Nebraska bewegen.

„Cape Carneval“ eröffnet den etwas mehr als 40 Minuten andauernden Liederreigen in akustisch-dezentester Manier und erinnert mit seinem etwas verschlafenen, jedoch äußerst optimistischen Flair an die Höhepunkte des grandiosen „Wide Awake, It’s Morning“. Ohnehin begegnet man auf diesem Album immer wieder intimen und in ihrer grazilen Einfachheit gerade auch deshalb so groß anmutenden Melodien. Wie auf dem minimal bezupften und unter die Haut kriechenden „Leaders In The Temple“ oder dem vom Piano sanft touchierten und mit bandlastigen Passagen versehenen „Eagle On A Pole“. „Sausalito“ hätte ohne Weiteres einen Platz in der „Cassadaga-Playlist“ sicher gehabt, „Danny Callahan“ wirkt geradezu fröhlich und besticht durch seine flotte Melodie und „I Don’t Want To Die (In The Hospital)“ lebt von seinem zwei bis drei Stufen nach oben gedrehten Americana-Pegel und prescht wild durch seine drei Komma fünf Minuten Spielzeit.

Wer die Vergleiche von Conor Oberst mit den großen Liedermacher der Musikhistorie bisher gescheut hat, wird auf „Get-Well-Cards“ eines Besseren belehrt. Nicht nur, dass er hier auch fast so klingt wie der junge Bob Dylan, sondern der gesamte Song versprüht die Energie und Hingabe eines „Hurricane“, so dass gewisse Analogien hier einfach nicht vom Ohr zu weisen sind. Am Ende legt Oberst seinem Auditorium mit „Milk Thistle“ dann noch einen lebendigen Klassiker ans Trommelfell. „I’ll keep death on my mind like a heavy crown“, lautet eine Textzeile des Songs und wie so oft kokettiert er auch hier mit dem unvermeintlichen Szenario des Lebensende in bestechend authentischer Art und Weise.

Junge talentierte Songwriter und der Tod. Das kommt einem bekannt vor. Doch im Gegensatz zu den seligen Elliott Smiths und Kurt Cobains ist dieser Mann noch am Leben. Und dabei wird es trotz seiner in mancher Hinsicht lyrischen Affinität zur dunklen Seite auch noch lange bleiben. Mit „Conor Oberst“ ist ihm ein wirklich hervorragendes Album gelungen. Bestimmt nicht sein größter Wurf bisher. Aber dieser wird mit Sicherheit noch kommen. Versprochen!

Anspieltipps:

  • Get-Well-Cards
  • Leaders In The Temple
  • I Don’t Want To Die (In The Hospital)
  • Eagle On A Pole
  • Milk Thistle

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