Amorphis - Far From The Sun (Re-Release) - Cover
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Amorphis Far From The Sun (Re-Release)


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 65 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Dies ist die vielleicht stillste Phase der Finnen.

Wer den Namen Amorphis nur in Verbindung mit Alben wie „The karelian Isthmus“ oder auch „Tales from the thousand lakes“, sprich von Alben der frühen 90er kennt, der wird sich wundern was mit der einstigen finnischen Death Metal Fraktion passiert ist. Denn seitdem hat sich viel verändert. Nicht nur, das es zahlreiche Besetzungswechsel gab und viele Gastmusiker mitwirkten, nein auch die Musik an und für sich hat sich bei der Truppe total gewandelt. Umso erstaunlicher, dass sich dies alles im Beisein von Gründungsmitglied und mittlerweile nicht mehr Sänger Tomi Koivusaari entwickelte. Denn er war es, der sich 1999 gänzlich vom Singen verabschiedete und die klangliche Veränderung maßgeblich beeinflusste. Nachdem sie schon auf „Tuonela“ (1999) dem Death Metal abgeschworen hatten, wichen die letzten Growls auf dem darauffolgenden „Am Universum“ (2001) vollständig. Der Stil der Band hatte sich hin zu durchaus ansehnlichem Progressive-Rock entwickelt. Ein Jahr später ging es schon wieder ins Studio um am Nachfolger zu basteln. Diesmal im Gegensatz zum Vorgänger wieder ohne externen Produzent und ganz ohne Druck von außen, denn der Vertrag mit ihrem Label war gerade ausgelaufen und somit existierte keine zeitliche Vorgabe und auch keine Richtung, die bestritten werden musste. Herausgekommen ist ein wesentlich gradlinigeres, metallastiges Album.

So bietet es im Vergleich zum Vorgänger wenig Neues, im Gegenteil, man hat den Eindruck, die Band bewege sich weg von ihren wütenden Anfangstagen über ihre psychedelisch-progressiven Phase immer weiter hin zum Rock-Mainstream. Das auf dem letzten Album eingesetzte Saxofon ist gewichen, dafür findet man, wie in „Morning soul“ viele Keyboard-Klänge vor. Mit „Day of your beliefs“ wird die Platte eröffnet und gibt die Richtung für die insgesamt 15 Songs vor: Mid-Tempo-Rocksongs, die sich nicht verstecken brauchen, aber auch wenig Überraschendes bieten. „Planetary misfortune“ schlägt im Anschluss, ähnlich wie „Higher ground“, eine orientalische Gangart ein. Eine wirklich gute Rocknummer, ohne dabei jedoch als besonders herausragend bezeichnet werden zu können.

Ein kleines Highlight des Albums ist der Titeltrack. Wenngleich ein ebenfalls Midtempo-Rocksong, ist dieses Lied doch durchaus mit einer eingängigen Melodie versehen worden und verführt so direkt zum Mitsingen. Nach einem relativen schwachen ersten Drittel legt die CD nun wirklich etwas an Originalität zu. Auch das folgende „Ethereal solitude“, eine balladeske Nummer mit einem dezenten Reggae-Touch sticht ebenso positiv auf der Platte hervor. „Killing godness“ zieht das Tempo wieder an und legt mit seinen Keyboardeinsätzen einen dezenten Progressive-Einschlag hin. Endlich kommen mit „Darkrooms“ auch die 60s-Psychadelic Fans auf ihre Kosten. Scheinbar wurde das letzte Werk ja doch nicht ganz aus den Köpfen der Band gestrichen. Den Abschluss der Platte bildet eine gelungene Akustikversion des Titelsongs.

Dieses Album hat sicher seine Daseinsberechtigung im Amorphis-Kosmos, stellt es doch die stillste Phase der Band dar. Der Re-Release des 2003er Albums bietet jedoch bis auf einen Multimediatrack nichts Neues und brauch deshalb für Besitzer einer älteren Version keine Rolle zu spielen. Alle, die sich für die ruhige Phase der Band mit guten Rocksongs interessieren, sollten ein Ohr riskieren. Mittlerweile hat die Band ja schon längst wieder den Einschlag zurück zur neuen alten Härte gefunden und fährt bekanntlich auf einer Schiene zwischen cleanen und Shout-Vocals. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt, bei Amorphis kann man sich nie ganz sicher sein.

Anspieltipps:

  • Far from the sun
  • Killing Godness
  • Ethereal solitude

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