Spock´s Beard - Spock´s Beard Live - Cover
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Spock´s Beard Spock´s Beard Live


  • Label: Inside Out/SPV
  • Laufzeit: 122 Minuten
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7/10 Unsere Wertung
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Bärte aus Kalifornien haben es nicht leicht - schwimmen sie doch seit dem Weggang von Bandleader, Songschreiber und Sänger Neal Morse in einem Meer der Orientierungslosigkeit. Immer wenn ein neues Stil-Ufer in erreichbar nähe kommt, driften sie wieder ab. Was bei anderen Bands als gelungener Mix aus Rock, Hard-Pop, Klassik und klassischem Prog-Rock bezeichnet würde, ist bei Spock's Beard die hilflose Suche nach dem unverwechselbaren Stil. Doch andere Bands haben Verluste ihres Masterminds ebenfalls verkraftet - Genesis (Peter Gabriel) mit kommerziellen Erfolg; Marillion (Fish) haben nach einigen Jahren immerhin zu sich gefunden, wenn auch mit Radikalkur: Die Band spielt alte Fish-Stücke nur noch in Ausnahmefällen und auf ihren traditionellen Fan-Weekends.

Vielleicht wäre diese Radikalkur auch ein Rezept für Spock's Beard, aber statt dessen vertrauen sie auf ihrer neuesten Veröffentlichung einem Mix aus alten Morse-Stücken und neuen eigenen Werken. "Spock's Beard Live" ist als DVD und Doppel-CD erschienen - beide Veröffentlichungen mit identischer Setlist. Die DVD beinhaltet sowohl eine 5.1-, als auch eine 2.0-Tonspur. Beide Tonspuren sind hervorragend abgemischt, die Instrumente sind gut aufeinander abgestimmt, lediglich die Live-Atmosphäre kommt etwas zu kurz. Das Publikum ist nur zwischen den Songs zu hören, ist aber auch nicht übertrieben euphorisch (eher interessiert), wie bei den wenigen Einblendungen - etwa bei "They Know We Know" - zu sehen. Etwas zu klinisch rein klingt die 5.1-Spur, bei der häufig Instrumente und Gesang - zum Beispiel beim Gitarrensolo bei "On A Perfect Day" - komplett auf die hinteren Lautsprecher gelegt werden. Das widerspricht jeder Logik und hat dort bei einem Live-Mitschnitt nicht zu suchen. Aber es soll ja immer noch Hörer geben, die das mögen.

Mangelnde Professionalität und fehlende Spielfreude kann man der Band ganz bestimmt noch vorwerfen. Wer Ryo Okumotos eigenwillige Spielweise an den Keyboards noch nicht live gesehen hat, sollte sich seine Show auf dieser DVD nicht entgehen lassen. An Nick D'Virgilio am Mikro werden sich die eingefleischten Fans wohl noch weiterhin gewöhnen müssen. Seine Stimme und der Stimmumfang sind allenfalls mittelprächtig, dafür leistet er sich aber fast keine gesangstechnischen Ausrutscher. Nur bei Klassikern wie der Zugabe "The Water/Go The Way You Go" kommt er dann doch an seine Grenzen.

Die Konzertaufnahme 2007er-Konzert im holländischen Zoertermeer startet mit dem Opener der letzten Spock's Beard Veröffentlichung. Das schöne "On A Perfect Day" vom 2006-Album „Spock’s Beard“ ist melodischer Prog-Rock alter Güte und hätte sich durchaus auf dem Konzeptalbum "Snow" wiederfinden können. Es bleibt allerdings eines der wenigen sehr melodischen Stücke auf diesem Live-Album. Alte Erinnerungen bleiben dann gleich wach, denn es folgen zwei Stücke aus Morse-Feder.

Schwerfällig und abschweifend ist die neue Ballade "The Low Crash Landing Man", doch das ist nur ein kurzes Intermezzo, denn mit "Return To Whatever" - einem Solostück von Alan Morse - nimmt die Band gleich wieder Fahrt auf. Die Prog-Rock-Schiene verlassen die Bärte mit "Surfing Down The Avalanche" - einer Mischung aus Alice Cooper und Led Zeppelin - und für Nick D'Virgilio am Mikro schon etwas viel verlangt. Besser steht ihm da das alte "Thoughts (Part 2)".

Langsam geht es in Richtung Höhepunkt der DVD. Eingerahmt vom "Drum Duel" und "Hereafter", überzeugt zunächst das neue "Skeletons At the Feast". Wenn auch "nur" instrumental weist das progressive Stück in eine Richtung, die der Band richtig gut steht - besser als das Stage Diving von Drummer Jimmy Keagan. Die Skeletons können im Ansatz überzeugen, es fehlt aber die einprägsame Melodie. Gleiches gilt für den Höhepunkt der Show, dass Langstück "As Far As the Mind Can See". Einem Retro-Prog-Stück, dem es an dem gewissen Etwas allerdings mangelt. Selbst nach mehrmaligem Hören ist es schwer einen Zugang zu dem Stück zu bekommen, der es zu einem Klassiker erheben könnte.

Die DVD oder CD ist ein schönes Zeitdokument über die schwierige Phase einer Band, bei der noch nicht ersichtlich ist, in welche Richtung es gehen soll. Die Versuche das Prog aus Prog-Rock zu streichen, passen der Band nicht so richtig. Mit ihren neuen Prog-Stücken sind sie aber auf einem guten Weg und dieses Ufer sollten sie auf jeden Fall versuchen zu erreichen.

Anspieltipps:

  • On A Perfect Day
  • Skeletons At The Feast
  • As Far As The Mind Can See
Dieser Artikel ging am um 08:28 Uhr online.
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