Hotel Persona - In The Clouds - Cover
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Hotel Persona In The Clouds


  • Label: Material Music/EDEL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist fast unmöglich diese Kritik zu beginnen ohne den Namen Placebo einzuwerfen. Nicht nur, weil das äußerst tanzbare Soloprojekt von Bassist Stefan Olsdal, der hier auch zum Mikrophon greift, das perfekte Gegengift zu den melancholischen, Düsternis-verstreuenden Klanggebilden des Trios ist, sondern auch um darauf aufmerksam zu machen, dass Hotel Persona nach dem Weggang von Schlagzeuger Steve Hewitt im Oktober 2007 aufgrund „persönlicher und musikalischer Differenzen“ jetzt keinesfalls das endgültige Ende der Scheinmedikamente bedeutet, sondern nur eine Zwischenstation für den stillen Saitenzupfer ist, da diese ohnehin schon seit mehreren Jahren neben seiner Hauptband mit David Amen und Javier Solo im Untergrund besteht. Neben gelegentlichen DJ-Auftritten und sporadischen Remixes gab es allerdings bislang noch kein größeres Lebenszeichen dieser Truppe, weswegen sich ihr Bekanntheitsgrad recht überschaubar gestaltete.

Mit „In the clouds“ ist das Schweigen aber nun endgültig vorbei und Olsdal & Co. knallen dem Hörer mit ihrer eigenen „Apocalypse“ gleich zu Beginn ein wahrhaft elektronisches Statement an den Latz, der von der fröhlichen Grundstimmung des Tracks erst einmal komplett erschlagen wird, hat man doch wesentlich pessimistischeres Songmaterial erwartet. „Fight for love“ nähert sich weiter dem musikalischem Kosmos der Pet Shop Boys, während „To the light“ unheilvoll und mit wabernden Klängen ausgestattet schon eher dem entspricht, was von einem Mitglied einer Band wie Placebo erwartet wird. Doch Hotel Persona will erst gar nicht in die Fußstapfen des übermächtigen Rock Acts treten und verzückt stattdessen lieber mit einer heißen Flamenco-Darbietung in „The sea“ samt lautstark in spanisch vorgetragenem Text. Dafür darf Brian Molko als Gast bei „Modern kids“ ans Mikro und reißt mit seiner unnachahmlichen Stimme den Track sofort an sich, der allerdings auch durch einen mitreißenden Spannungsbogen zu einem Glanzstück auf „In the clouds“ wird.

Fast wie in Trance schwebt dann „Addicted“ an einem vorbei, das durch seine Behutsamkeit trotz etwas kitschigem Text einen wunderbaren Ruhepol für die ansonsten recht flotten Elektro Pop-Beats bildet. Zu oberflächlich und stumpf bleibt hingegen „The fantastic one“, obwohl die kurzen an „Cambodia“ (Kim Wilde) erinnernden Sound-Schnipsel eine gelungene Überleitung zu „Touch me“ herstellen, da schließlich beide Songs in ihrer Urfassung in der ersten Hälfte der 80er die Charts unsicher machten. Was die Neufassung als zurückhaltendes Atmosphärenmonster jedoch besonders auszeichnet, ist der Auftritt von Sängerin Samantha Fox selbst, die der beseelten Neueinspielung einen einzigartige Stimmung mit auf den Weg gibt. Bevor „Lullaby for Evan“ mit seinem dahingenölten Text und dem Kinderlied-Charme (Billig-Beats, Babygebrabbel) für Kopfschütteln sorgt, darf Javier Solo seine spanischen Gesangskünste unter Beweis stellen, jedoch fehlt der Nummer alles in allem ein richtiger Höhepunkt.

Die positiven Aspekte überwiegen auf dem Debüt des Hotel Persona aber letztendlich, was vor allem an der gelungenen Mischung aus Elektro-Pop, spanischem Temperament und gelegentlich hereinbrechender Düsternis liegt. Zwar sorgen einige geschmacksverwirrte Einlagen („Lullaby for Evan“, „The fantastic one“) und stellenweise lyrische Belanglosigkeit („Addicted“, „Fight for love“) für Minuspunkte, sieht man aber einmal davon ab, bleibt dennoch ein recht starkes und intensives Album über.

Anspieltipps:

  • The Sea
  • Addicted
  • Touch Me
  • Modern Kids

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