Motörhead - Motörizer - Cover
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Motörhead Motörizer


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 39 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Motörizer“ ist handwerklich solide Kost, die sämtliche Band-Trademarks vereint.

Mit deutscher Gründlichkeit, Disziplin und Pünktlichkeit legen die britischen Hardrocker Motörhead in schöner Regelmäßigkeit neue Studioalben vor. Ende August ist es wieder mal so weit. Mit „Motörizer“ reiht sich ein neues Rundeisen (das 24.!) in die Discographie ein und es klingt genau so, wie eine Motörhead-Platte zu klingen hat. Wie auch sonst? Überraschungen ausgeschlossen!

Wie die beiden Vorgänger „Inferno“ (06/2004) und „Kiss Of Death“ (08/2006) wurde auch „Motörizer“ von Cameron Webb (Papa Roach, Zebrahead, Social Distortion) produziert. Er hat nachweisbar ein gutes Händchen dafür, den räudig-rauen Sound von Frontwarze Lemmy (Gesang, Bass), Phil Campbell (Gitarre, seit 1984 an Bord) und Mikkey Dee (Schlagzeug, seit 1992 dabei) einzufangen. Aufgenommen wurde diesmal über weite Strecken in den 606 Studios von Dave Grohl (Foo Fighters). Entstanden sind elf Songs, die mit der knackigen Spielzeit von gut 39 Minuten auskommen.

Aufgrund der starken Live-Präsenz in Deutschland – dem Hauptmarkt von Motörhead – besteht natürlich die Gefahr der Übersättigung. Denn kaum hat man „Kiss Of Death“ einigermaßen verdaut, stehen schon die nächsten Songs in der Auffahrt. Diese reihen sich unauffällig in das Gesamtwerk ein, womit auch schon das Problem von „Motörizer“ ausgemacht ist. Es ist unbestritten, dass der Sound von Motörhead zu einem Markenzeichen geworden ist, das nicht verändert werden muss. Dennoch darf der Hörer auch von Lemmy und Co. ein paar Highlights pro Album erwarten. Songs, die das Potenzial haben, zu Klassikern zu werden, wie „Overkill“, „Ace of spades“ oder „Killed by death“. Dass das auf den letzten Studioalben (ausgenommen „Inferno“) immer seltener gelungen ist, stellt kein Geheimnis dar. Dennoch: Unterm Strich gab es auf Motörhead-Platten grundsätzlich überdurchschnittliche Hardrock-Kunst auf die Ohren.

Dazu reicht es diesmal nicht. „Motörizer“ ist handwerklich solide Kost, die sämtliche Band-Trademarks vereint. Lemmys Texte sind gewohnt kritisch, sein Gesang ein räudiges Krächzen. Den simplen Gitarrenriffs werden hier und da ein paar geniale Soli entgegengesetzt und der Drumsound kommt druckvoll aus der Hüfte geschossen. Meistens wird gefährlich aufs Tempo gedrückt („Rock out“, „Buried alive“) und nur selten im Midtempobereich agiert, wo dem kernigen Hardrock eine Prise Blues beigemischt wird („One short life“, „English rose“, „Heroes“). Das sind dann (überraschenderweise?) auch die besten Songs des Albums.

Sicher, so oder so ähnlich ließe sich jede Besprechung einer Motörhead-CD formulieren. Aber diesmal fehlt irgendwo das Feuer – und zwar bei der Band, die zu oft mit dürftigen Melodien und Riffs daherkommt, wie auch beim Verfasser dieser Zeilen, der nicht gewillt ist, ein Durchschnittswerk wie „Motörizer“ abzufeiern, nur weil Motörhead Kult sind. Daran wird sich eh nie etwas ändern. Und böse können wir Lemmy und Co. auch nicht sein. Aber einen Funken mehr Ideenreichtum dürfen wir schon erwarten!

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