Christian Venus - 3 Uhr Morgens - Cover
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Christian Venus 3 Uhr Morgens


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

So richtig viel hat das Infoblatt der Plattenfirma nicht zu erzählen. Und auch Google verrät nicht wirklich mehr über den Newcomer mit dem ungewöhnlichen Namen Christian Venus. Was wir lernen ist: Der junge Mann ist 27 Jahre alt, heißt tatsächlich Venus mit Nachnamen und ist Wahl-Hamburger. Er hat mit Unterbrechungen neun Monate an seinem Debütalbum gearbeitet, bei dem ihn so erfahrene Leute wie Michel van Dyke, David Jost, Christian Fleps, Ian O´Brien-Docker und Lars Hentschel, die u.a. schon mit Jasmin Wagner, Patrick Nuo, Brian Molko, Faith Hill, Virgina Jetzt! zusammenarbeiteten, unterstützt haben. Venus macht deutschsprachige Singer/Songwriter-Musik mit leicht rockigem Einschlag, die ab und zu an der Grenze zum schlagerartigen Pop vorbeistreift.

Dass Michel van Dyke an einigen Songs mitgearbeitet hat, ist in der Tat sofort heraus zu hören, wenn man z.B. das Album „Die Versuchung“ von Jasmin „Blümchen“ Wagner kennt. Bestimmte Formulierungen und Harmonien sind nun mal typisch für den Liedermacher. Aber auch die übrigen Produzenten und Songschreiber haben dem gebürtigen Kieler unüberhörbar unter die Arme gegriffen. So ist klar zu spüren, dass „3 Uhr morgens“ gewiss keinen Schnellschuss geworden ist. Eitel Sonnenschein kann dennoch nicht so einfach vermeldet werden. Denn manchmal ist es wirklich unfassbar, wie schlecht Musiker beraten werden.

Auch im Fall Christian Venus muss man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Da hat der Gute doch rein zufällig einen Song namens „Fußballstadion“ im Repertoire, der passend zur Fußball EM in diesem Jahr als Single veröffentlicht wird. Das Problem ist nur, dass das Lied rein gar nichts mit Mitgrölhymnen á la Revolverheld und Oliver Pocher zu tun hat und dadurch in ein völlig falsches Licht gerät und fragende Gesichter hinterlässt. So machen sich Venus und sein Label das Leben selber schwer. Denn hört man in das Album „3 Uhr morgens“ rein, entdeckt man reihenweise starke Songs, die allesamt besser als Single geeignet wären, als dieser klassische Fehlpass ins Nichts.

Beispielsweise zeigt Venus mit „Was auch immer“ und dem Opener und Titeltrack, wie man kurzweilige Lieder mit nachvollziehbaren Texten schreiben kann, die den Hörer auf Anhieb mitreißen. Darüber hinaus ist die Ballade „Fragezeichen“, die sich ein paar Harmonien vom Selig-Song „Ohne dich“ klaut, was aber nicht weiter schlimm ist, sowie der hitverdächtige Midtempo-Song „Regenwelt“ sehr gelungen. Ebenfalls top ist das atmosphärische „Nach oben“ und das cool-rockige „Unglaublich“, bei dem die Gitarren amtlich steil gehen. Einzige Negativ-Ausbrecher sind das schlagerartige „Brandstifter“ und das besagte „Fußballstadion“ (bemüht und wenig authentisch). Das langt für ein äußerst achtbares Deutsch-Rock/Pop-Album, mit dem Christian Venus durchaus Chancen auf den Durchbruch hat – die „richtige“ Promotion vorausgesetzt. Und deshalb vergessen wir den Quatsch mit dem „Fußballstadion“ auch ganz schnell wieder.

Anspieltipps:

  • Regenwelt
  • Unglaublich
  • Auf’m Sprung
  • 3 Uhr morgens
  • Was auch immer

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