Eveline - Waking Up Before Dawn - Cover
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Eveline Waking Up Before Dawn


  • Label: Sopot Records/ALIVE
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Verkehrte Welt. Liegt Skandinavien neuerdings am Mittelmeer? Normalerweise sind doch die Bewohner jenseits der Nord- und Ostsee für ausufernde Soundcollagen und experimentelle Gehversuche zuständig. Sigur Ros, Overhead, Paatos und Co. kommen nicht aus Italien. Aus der europäischen Bananenrepublik waren bisher vorwiegend Klänge für echte Kerle zu hören, die sich nach dem Aufstehen erst mal im Lendenschurz auf die Jagd begeben. Nun kommen da ein paar Italiener um die Ecke und wollen das Genre aufmischen. Kann das gut gehen? Na, immerhin hat man sich für den Fall des Scheiterns clevererweise der Anonymität verschrieben. Mehr als die Initialen der Bandmitglieder erfährt man über das Quartett nicht. Dabei ist so viel Zurückhaltung gar nicht nötig, denn was Eveline auf „Waking up before dawn“ zusammenmusizieren kann sich mehr als hören lassen.

Man könnte „Waking up before dawn“ als Gegenentwurf zum modernen Prog-Rock verstehen, welcher in letzter Zeit, getragen von größerer Popularität, immer professioneller und selbstbewusster wurde. In der Folge hauten etablierte Genregrößen mächtig auf die Kacke und lieferten hochglanzpolierte Alben ab, die vor technischer Perfektion strotzten und nichts dem Zufall überließen. Nun wirkt „Waking up before dawn“ keineswegs unprofessionell oder nicht durchdacht. Ebenso mangelt es ihm nicht an Selbstbewusst sein, was schon an dem aberwitzigen (jedoch geglückten) Versuch, Pop, Folk, Jazz, Indie-Rock und elektronische Musik (die Frage ist: was eigentlich nicht?) auf sinnvolle Art und Weise zu verbinden, zu erkennen ist; aber es fällt deutlich bodenständiger und erdiger aus, als die allermeisten Prog-Veröffentlichungen der letzten Jahre. So gesehen ist „Waking up before dawn“ ein eindeutiges Statement für mehr Gelassenheit und Vertrauen auf die elementaren Pfeiler progressiver Musik.

In diesem Zusammenhang ist es eines der Kunststücke, die Evelin mit diesem Album vollbracht haben, die verschiedenen Bestandteile zu einem homogenen Ganzen zu verbinden ohne dabei auch nur eine Sekunde über die Stränge zu schlagen. Genre-Mixe hatten in der Vergangenheit oft das Problem, zu viel zu wollen und dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren. Kurz gesagt: man verlief sich in einem Wald, der aus so vielen Bäumen und Gestrüpp bestand, dass man keine Orientierungspunkte mehr hatte. Es war wie bei einem Puzzle, das wegen seines monotonen Motives zu viele gleich aussehende Teile hatte. „Waking up before dawn“ ist dagegen hoch fragmentiert, beinhaltet unzählbar viele Puzzleteile und mehr als genug Elemente für eine vergnügliche Entdeckungsreise, ist aber trotzdem für Einsteiger geeignet. Wer sich jetzt angesprochen fühlt, sollte sich diesen Geheimtipp nicht entgehen lassen.

Anspieltipps:

  • Dreams of winter
  • The cowboy winter prayer
  • The big m. is tryin' to take us down

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