Radiopilot - Leben Passiert - Cover
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Radiopilot Leben Passiert


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Radiopilot ist eine Newcomerband aus Berlin, die gleich mit ihrem Debütalbum „Leben passiert“ einen Majorvertrag bei Columbia Records erhalten hat. Warum, wird dem geübten Hörer sofort klar: Diese Band verdient im Fach Harmonielehre eine glatte eins und bringt damit bereits die halbe Miete für ein gelungenes Popalbum mit. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Radiopilot – namentlich Lukas Pizon (Gesang, Gitarre), Rafael Triebel (Gitarre, Gesang), Florian Büttner (Klavier), Benjamin Steinke (Bass) und Christoph Hengelhaupt (Drums) – haben nämlich ein ganz besonderes „Merkmal“, an das sich der Hörer erst mal gewöhnen muss. Und das geht so:

Schon mit dem Opener „Du + ich in Stereo“ stellen Radiopilot den Hörer auf die Probe. Denn diese Band gibt es sozusagen nur im Paket. Willst du ihre tollen Melodien hören, musst du auch den „Rest“ in Kauf nehmen. Eben jener kommt uns irgendwie bekannt vor und geht ausschließlich zulasten der Gesangsabteilung. So werden die recht ungewöhnlichen Texte (positiv!) mit grenzwertigen „uuuhs“ und „aaahs“ garniert, werden Worte mit Vorliebe unangenehm gedehnt („Miaar“, „Diaar“, „Seeekt“, „Fraaagen“) oder eigenartig betont („Bäärlin“), wie man es z.B. von Judith Holofernes (Wir Sind Helden) kennt – aber auf Dauer nicht wirklich schätzt. Dazu turnt die Stimme von Lukas Pizon, die mit einem unterschwelligen Dauer-Quengeln ausgestattet ist, gerne in schwindelerregenden Höhen herum, wo neben Prince und den Bee Gees eigentlich niemand etwas zu suchen hat. Klingt schlimm, ist aber durchaus erträglich.

14 Songs inkl. eines Hidden Tracks werden auf „Leben passiert“ gereicht. Nicht jeder ist ein Knaller, aber böse Ausfälle gibt es keine. Darauf achtete allein schon Produzent Olaf Opal (Liquido, Juli, Sportfreunde Stiller, The Notwist). Doch der beste Produzent nützt nichts, wenn die Auswahl an guten Songs zu wünschen übrig lässt. Doch dass dem bei Radiopilot nicht so ist, zeigt nicht nur die Vertragsunterschrift bei einem Major – schließlich greifen auch die A&R-Leute von den Big Playern häufig daneben. Beweise für das große Songwriting-Talent der Berliner sind Stücke wie „Sing doch“, „Immer wenn wir träumen“, „Tokyo:Berlin“ oder „Sterne heut Nacht“. Das ist deutschsprachige Popmusik, die sich einen gewissen Indie-Charakter bewahrt hat, wie man sie aber auch gerne in den Charts hören würde. Bauen Radiopilot diese Hitdichte auf ihrem zweiten Album aus, steht einer großen Karriere nichts im Weg!

Anspieltipps:

  • Sing doch
  • Schmetterling
  • Sterne heut Nacht
  • Du + ich in Stereo
  • Immer wenn wir träumen
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