Beck - Modern Guilt - Cover
Große Ansicht

Beck Modern Guilt


  • Label: XL Recordings/Beggars
  • Laufzeit: 34 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Modern Guilt“ wird wohl nicht die ganz große Euphorie unter den Fans entfachen.

Nach dem durchweg soliden, aber irgendwie zu konturlosen „Guero“, dem unnötigen Remix-Nachschlag „Guerolito“ und dem ebenso überbordenden wie überambitionierten „The Information“, dachten manche Fans des guten Beck Hansen wohl schon dessen musikalische Genialität habe sich auf Ewig verabschiedet. Aber da man den Mann seit seinem Scientology-Outing, womit dieses leidige Thema auch erwähnt wäre, ohnehin nicht mehr ganz ernst nehmen sollte, durfte der geneigte Hörer auch die Ernsthaftigkeit und Konsequenz seines Genialitätsverlusts mit allem Nachdruck anzweifeln. Nicht ganz zu Unrecht wie „Modern Guilt“ beweist, denn sie ist wieder da, die Beck'sche Genialität, zumindest in Ansätzen.

Voller Detailverliebtheit mit elektronischen Spielereien, die ob des Mitwirkens von Danger Mouse als Produzenten zu erwarten waren, Drumloops, manischen Keyboardlines, funkig minimalistischen Gitarren, hallenden Chören, Backingvocals unter anderem von Cat Power und eben dem unverwechselbaren Gesang Becks präsentiert „Modern Guilt“ wieder das, was Herrn Hansen ausmacht, nämlich all das in ein passendes Ganzes zu pressen. Schon „The Information“ war ein Schritt in Richtung „Midnite Vultures“ und „Odelay“, doch wo das 2006er Album zerfasert und stellenweise ausufernd geriet, klingt „Modern Guilt“ wieder erdiger und vor allem stimmiger, was nicht zuletzt auch Danger Mouse zu verdanken ist.

So sind auf „Modern Guilt“ wieder klarere Songstrukturen auszumachen, denn trotz der vielen kleinen Details liegt der Fokus stets auf den funkigen Gitarren und dem abgehackten Drumming, dadurch wirken die Kompositionen stringenter als die oftmals ausufernden des Vorgängeralbums. Die Songs spielen sich dabei alle auf einem konstant hohem Niveau ab, positiv ausgedrückt, oder negativ gesehen, absolute Highlights wie auf „Odelay“, „Midnite Vultures“ oder „Mellow Gold“ sind nicht auszumachen. Dass sich an der ein oder anderen Stelle dann auch mal etwas zu viel Routine eingeschlichen hat und dass dem Album ein musikalisches Konzept zugrunde liegt, das gegen Ende nicht mehr wirklich überraschen kann übersieht man angesichts des mit Sicherheit besten Beck-Albums seit „Sea Change“ nur allzu gerne. Genau, wie die von dem Scientologen geäußerte Gesellschaftskritik. Oder aber man macht's wie eingangs empfohlen: Man nimmt den guten Mann nicht vollends ernst und interpretiert die Gesellschaftskritik einfach als Selbstironie.

Abschließend betrachtet wird „Modern Guilt“ wohl nicht die ganz große Euphorie unter den Fans entfachen, vor allem aber nicht die große Enttäuschung hervorrufen, denn „Modern Guilt“ ist vor allem eins, eine Platte, die wohl jeden Fan irgendwie glücklich macht, eine Konsensplatte.

Anspieltipps:

  • Chemtrails
  • Modern Guilt
  • Soul Of A Man

Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
Diskutiere über „Beck“
comments powered by Disqus