Oasis - Dig Out Your Soul - Cover
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Oasis Dig Out Your Soul


  • Label: Big Brother/INDIGO
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Welchen Status besitzt eine Band wie Oasis heutzutage noch? Ist die Veröffentlichung eines neuen Albums noch immer dasselbe Großereignis wie Mitte der 90er Jahre und wie schaut es um die Fanbase aus, die zumindest früher wie eine Wand hinter ihren Lieblingen stand? Alles eitel Sonnenschein – oder bröckelt das Denkmal der Gallaghers langsam aber sicher? Schließlich kratzten sämtliche Alben nach „Be Here Now“ (1997) nur noch an der Genialität ihrer Vorgänger, auch wenn Bandchef Noel Gallagher jedes Mal „das beste Oasis-Album aller Zeiten“ anpreist.

Ganz klar, die Zeiten haben sich geändert und die Realität ist leider, dass die Musik der BritPop-Könige zunehmend beliebiger wurde. Spätestens seit auch Liam Gallagher zum Songwriting beitragen darf, schien bei Noel der Biss weg und die Luft raus. Die Folge: Maue Kritiken, sinkende Verkaufszahlen und der Verlust des Majorvertrages. Genau hier steckt natürlich die Chance für einen Neuanfang, die sich die Gallaghers nicht haben entgehen lassen. Sie gründeten mit Big Brother ihr eigenes Label und konnten dadurch ohne Druck von Seiten einer Plattenfirma („Wir brauchen eine Hitsingle!“) an ihrem siebten Studioalbum „Dig Out Your Soul“ arbeiten. Und siehe da, die gewonnene Freiheit kann man einigen Songs tatsächlich anhören. Die Band geht eindeutig kerniger zur Sache und tauscht die großen BritPop-Hymnen der Neunziger gegen im Teamwork entstandene Rockmusik aus.

Von Beginn an („Bag it up“) zeigen Oasis Präsenz und poltern mit lärmenden Gitarren und einem gewohnt nöligen Liam am Mikro los. Auch das nachfolgende „The turning“ taugt als Wachmacher, doch wird bereits hier ein Umstand deutlich, der sich wie ein Roter Faden durch das ganze Album zieht: Richtig eingängige Melodien im Sinne der großen Oasis-Hits aus den 90er Jahren gibt es trotz Beatles-Reminiszenzen („The shock of the lightning“) und klassischen Balladen („I’m outta time“) heuer so gut wie gar nicht zu hören. Dafür überraschen die Engländer mit einem Sound, der an die White Stripes gemahnt (das großartige „Waiting for the rapture“ sowie „The nature of reality“) oder auf die gern verwendeten psychedelischen Elemente setzt („To be where there’s life“ aus der Feder von Gitarrist Gem Archer).

Mit „(Get off your) high horse lady“ (ein stampfender Blues) und „Ain’t got nothing“ (ein räudig bollernder Rocker) wurden sogar zwei Songs herausgekramt, die bei Sessions vor sechs Jahren liegengeblieben waren. Und: Es hat sich gelohnt! Denn diese Stücke sind zu gut, um irgendwann auf einer Raritätensammlung verbraten zu werden. Doch was bedeutet das unterm Strich? „Dig Out Your Soul” ist natürlich nicht das beste Oasis-Album aller Zeiten. Das weiß auch Noel Gallagher. Denn dazu fehlen einfach die Über-Songs, die gerade von ihm als Songwriter immer noch erwartet werden. Dafür strahlen die Songs erstmals in der Karriere von Oasis richtigen Band-Charakter aus, was der Homogenität des Album sehr gut tut. Für sich genommen ist „Dig Out Your Soul” deshalb ein gutes Album mit passablen Songs ohne Ausfälle, im Vergleich mit den Oasis-Frühwerken dagegen eine kleine Enttäuschung. Aber solche Konflikte soll es ja auch bei anderen Gruppen geben. Deshalb sparen wir uns solche Vergleiche lieber.

Anspieltipps:

  • Bag it up
  • The nature of reality
  • Waiting for the rapture
  • The shock of the lightning

Dieser Artikel ging am um 11:00 Uhr online.
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