Jan Delay - Pop Portrait - Cover
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Jan Delay Pop Portrait


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 78 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Rockabteilung unterstreicht die Vorliebe dieser Platte für Independent-Songs.

Hat man Letztens noch für Jan Delays Neuinterpretationen in die Tasche gegriffen, tut man es nun, um seine Musikempfehlungen der deutschen Szene hören zu können, davon kosten zu dürfen. Unter dem Namen „Pop Portrait“ läuft diese Compilation an und der erste Interpret, der eine Auswahl trifft, ist nun also Jan Delay. Wer jetzt einschlägig Hip-Hop erwartet, dem wird sogleich mit dem Cover vors Knie getreten. Denn spätestens beim zweiten Hingucken ist das nicht einfach eine coole Pose, die Delay auf dem Cover einnimmt, sondern das ist ein echter Lindenberg (nur die Schmollschnute fehlt). Genannter Musiker macht mit den Songs „Commander Superfinger“ und „Radio Song“ Anfang und Ende des Albums aus. Regt „Commander Superfinger“ ein wenig zum Nachdenken an, ist „Radio Song“ nur noch kitschig lustig. Da werden doch gleich Pluspunkte gesammelt, was der liebe Jan uns da vorschlägt.

Arbeiten wir zu allererst aber das Heimmilieu Jan Delays ab: den HipHop. Der erste Vertreter ist Torch, der mit seinem „Kapitel 1“ sich selbst vorstellt. Solide, aber so interessant wie ein Lindenberg lange nicht. Besser als der Rapper machen es dann Dynamite Deluxe und Seeed. Diese Musik ist dann wohl das, was man „tight“ nennt. Der Tobi & Das Bo sowie auch die Stieber Twins spielen genau wie Seeed die Wortakrobaten. Lustig, aber der sonst so gelobte hohe Text bleibt bei den Vorschlägen Delays aus. Es ist einfach Musik, die sich super im Hintergrund abspielen lässt. Ist Freundeskreis in Kooperation mit Cassandra Stehen dann endgültig die Höhe des Ausspannens. Das erste Genre wurde also gut bearbeitet, aber wirklich umhauen will es einen noch nicht. Mal sehen, wie es beim Pop steht.

Neben den grandiosen Lindenbergstücken ist Mias „Kreisel“ herauszuheben. Wie sinnvoll oder kryptisch Songtexte sein müssen/sollen, lässt sich sowieso nicht sagen, aber man muss Mia lassen, dass sie seit Ina Deter (Neue Männer Brauch das Land!) eine der markantesten Stimmen im Deutschen Popbusiness besitzt. Gerade im Pop setzt Jan Delay aber auf noch einen deutschsprachigen Pop-Giganten: Falco. Zu „The Sound Of Musik“ muss man ja wohl nichts mehr sagen. Wenn je ein deutschsprachiger Musiker so ein Kultpotential wie eine Band wie Queen hatte, dann war es dieser Mann und es wurde hier kein schlechtes Lied ausgewählt, sondern eines seiner bombastigsten. „Selig“ ist wahrscheinlich der einzige grobe Ausrutscher in dieser Zusammenstellung. Dann wäre da noch Knarf Rellöm, der eine Verbindung zwischen allen vertretenen Genres auf dieser Platte vereint. Allerdings profitiert Rellöm sehr von seinem Namen und der bekannten „Video Kills The Radio Star“-Melodie, denn der Rest ist uninteressant.

Die Rockabteilung unterstreicht die Vorliebe dieser Platte für Independent-Songs. Auch Punks sind gerne gesehen. Die Sterne und Rocko Schamoni machen eine Verbeugung vor Low-Fi-Aufnahmen und Tocotronic vor „The Final Countdown“. Bei den Goldenen Zitronen muss man sich fragen, ob das Trash- oder Prg-Punk, aber wenn man den richtigen Humor hat, dann ist das eines der besten Punk-Lieder seit langem. Ein Meisterwerk, welches keines sein will? Naja, nicht zu viel des Guten. Die zweite Punknummer entspringt den Beatsteaks und Turbostaat und auch wenn es wohl nie jemanden geben wird, der die Turbostaattexte dechiffrieren kann, hat „Frieda Und Die Bomben“ einen derart treibenden Sound, dass das Lied unwiderstehlich erscheint. Die Große Überraschung ist aber „Junimond“ von niemand anderem als Echt (!). Man vergisst ja immer wieder, dass die Jungs noch am Leben sind.

Alles in Allem hat man es hier nicht nur mit großartigen Stücken zu tun, aber der Gedanke zählt. Das soll jetzt keine leere Phrase sein, sondern der ehrliche Dank an die Idee des Labels und die gute Auswahl Jan Delays. Man lernt schließlich nie aus und da wir sowieso die Wirtschaft ankurbeln wollen, können wir bei der Musik ja auch wieder stärker einsteigen. Die Goldenen Zitronen und Turbostaat (also auch die Beatsteaks) sind als krasses Gegenprogramm zu dem R’n’B-Einheitsbrei aus den Staaten ein sehr willkommenes Programm.

Anspieltipps:

  • Mia - Kreisel
  • Beatsteaks feat. Turbostaat – Frieda Und Die Bomben
  • Freundeskreis / Cassandra Steen – Telefonterror

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