Slipknot - All Hope Is Gone - Cover
Große Ansicht

Slipknot All Hope Is Gone


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 60 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Lange Zeit mussten die Fans bangen und hoffen, ob es einen Fortbestand der psychopathischen Rasselbande aus dem amerikanischen Iowa geben würde. Denn glaubte man den Aussagen einiger Bandmitglieder, steht die Band schon länger auf der Kippe. Aber siehe da: mehr als vier Jahre nach der letzten Slipknot-CD erscheint schlussendlich doch ein neues Werk der durchnummerierten Weirdo-Kapelle, bei dem sich drei zentralen Fragen aufdrängen:

1.) Kann die neunköpfige Band an den genialen Wahnsinn der vorangegangenen Alben, insbesondere „Vol. 3: The Subliminal Verses“ (05/2004), anknüpfen oder ist das Feuer raus? 2.) Geht die Entwicklung, weg von den Nu-Metal-Klängen der Anfangszeit, hin zum fast schon klassischen Thrash, Death und Speed Metal, weiter? Und 3.) Wie lange wird das maskierte Kollektiv überhaupt noch zusammen musizieren? Hier kommen die Antworten...

Um mit der dritten Frage anzufangen: Das können Slipknot zurzeit vermutlich nicht einmal selbst beantworten. Auffällig ist jedenfalls, dass sich die Machtverhältnisse und die Prioritäten innerhalb der Band verschoben haben, womit wir direkt bei Frage Nr. zwei wären: Viele Songs auf „All Hope Is Gone“ weisen deutliche Einflüsse von Stone Sour (Zweitband von Corey Taylor und Jim Root) auf. Das manische Highspeed-Geboller frühere Alben rückt immer mehr zugunsten von melodischen Parts, klaren Vocals und klassischen Songstrukturen in den Hintergrund. Besonders augenscheinlich ist dies bei den Bonus Tracks der limitieren Auflage, auch wenn diese nicht maßgeblich sind. Aber hier zeigt sich, dass hinter den fiesen Masken versierte Musiker stecken, die sich nicht limitieren lassen wollen.

Noch scheint das Feuer bei Slipknot nicht raus zu sein, aber nach über zehn Jahren und fünf Alben steht fest, dass die Band nicht mehr in demselben Stil weitermachen will. Die von Produzent Dave Fortman (u.a. Soilent Green, Evanescence, Boy Sets Fire, Otep) betreuten Songs sprechen da eine eindeutige Sprache. Mit Death/Thrash-Dampframmen der alte Schule wie „Gematria (The killing name)“, „Sulfur“, „Psychosocial“ (die erste Singleauskopplung) und „Vendetta“ transportieren Slipknot politische/sozialkritische Texte, wobei der absolute Hass von „Iowa“ (2001) genauso wenig spürbar ist, wie die kranken Samples und die wilde Perkussion. Das könnte dem einen oder anderen Fan sicher bitter aufstoßen. Doch dafür kombinieren Slipknot in Titeln wie „Gehenna“ und „Butcher’s Hook“ ihre typische Härte mit melodischen Parts, die in der halbakustischen Ballade „Snuff“ ihren Höhepunkt finden.

Mit „All Hope Is Gone“ legen Slipknot einen eindrucksvollen Beweis für ihren musikalischen Wandel vor, der mit „Vol. 3: The Subliminal Verses“ begonnen hat und nun ein gutes Stück weiter voran getrieben wird. Die Band hat sich stilistisch geöffnet, ist reifer und vielseitiger geworden. Das mag sich nicht allen Fans der extremen Werke aus den 90er Jahren gefallen, doch Slipknot sind auch heuer weit davon entfernt, als Weicheier wahrgenommen zu werden. Mit der Zeit setzt beim Hörer einfach eine gewisse Gewöhnung ein, die Slipknot mit stilistischen Hakenschlägen zu bekämpfen versuchen. Auf „All Hope Is Gone“ gelingt dies sehr anständig!

Anspieltipps:

  • Snuff
  • Gematria
  • Vendetta
  • Psychosocial
  • This cold black
  • ’Til we die (Bonus Track)

Neue Kritiken im Genre „Thrash Metal“
7/10

Seasons Of The Black
  • 2017    
6/10

The Devil Strikes Again
  • 2016    
Diskutiere über „Slipknot“
comments powered by Disqus