KYPCK - Cherno - Cover
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KYPCK Cherno


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ausgefallene Bandkonzepte findet man im musikalischen Einheitsbrei eher selten. Diese Band jedoch sorgt mit einem bis dato ungekannten Konzept für Überraschung. KYPCK ist nämlich in Wirklichkeit kyrillisch und steht für Kursk, benannt nach der gleichnamigen russischen Stadt. Gegründet wurde das finnische Projekt 2007 von Sentenced-Gründungsmitglied und Gitarrist Sami S. Lopakka und dem ebenso nicht unbekannten Produzenten und hier Schlagzeuger Kai Hiili (Him, Lordi, Moonspell, Apocalyptica). Hinzu kamen noch Sänger E. Seppänen und Bassist Ylä-Rautio. Einleuchtend, dass Hiili die Produktion des Debüts übernahm und ebenso klar, dass es an ebenjener nicht das Geringste auszusetzen gibt. So strotzen die enorm tief gestimmten Gitarren gepaart mit den Drums von einem fetten Klang, der seinesgleichen sucht. Die eigentlich geniale Idee jedoch kam von Sami und Kai. Denn die beiden hatten den Einfall für den Namen und auch für die komplett russischen Texte. Die Wahl von Sänger Seppänen erwies sich als absoluter Glücksgriff, hatte dieser doch jahrelang in der finnschen Botschaft in Russland gearbeitet und sprach aus diesem Grund natürlich fließend Russisch. Nachdem das Album zunächst im März 2008 unter dem Label UHO in Finnland veröffentlich wurde und große Erfolge feierte, bringt Century Media dieses nun endlich auch für die restlichen Europäer auf den Markt.

Cherno beginnt mit dem Intro „Depth finder“, welches nahtlos in das erste Stück „Christmas in Murmansk“ überleitet. Am Ehesten lässt sich dieses wohl mit Doom Metal vergleichen. Dabei kommt einem sofort Ville Valos Zweitband Type O Negative in den Sinn, wobei Seppänen jedoch nicht mit Villes Stimme mithalten kann. Der langsame, schwere Metal dieses Stücks und die hervorragende Produktion jedoch sorgen für wahrlich viel Spaß beim Hören. Mit „Traitor“ folgt im Anschluss ein wirkliches Glanzstück des Albums, denn sowohl stimmlich abwechslungsreich, als auch mit einer eingängigen Melodie versehen, kann dieses bis auf das eigenwillige an einen leer werdenden Walkman erinnernde Ende durchweg überzeugen.

Das darauf folgende „1917“ ist Doom Metal in seiner schönsten Form, wobei die fetten Gitarrenwände dem ganzen die Krone aufsetzen. Füllmaterial wie „Black Hole“ und „Do not forgive“ jedoch ist auf der anderen Seite etwas zu einseitig geworden und schmälert den Langzeithörgenuß leider. Hier wäre weniger, vor allem in der Länge der Songs (fast neun Minuten bei „Black Hole“) definitiv mehr gewesen. „Stalingrad“ macht dazwischen das kleine Tief mit tiefen Riffs und eingängigem Schlagzeug glücklicherweise wieder wett. Und auch das geniale „One day in the life of Yegor Kuznetsov“ sorgt für einen erhöhten Endorphinausstoß beim geneigten Doom-Metal-Fan.

Cherno ist für alle Fans von Bands wie Type O Negative definitiv ein Reinhören wert. Und für alle, die Probleme mit den russischen Texten haben, findet sich auf der Website der vier Jungs die englische Übersetzung. Es gibt sie noch, die Überraschungen in der Musik. Schade, dass sich nicht mehr Musiker für solch ungewöhnliche Projekte begeistern können.

Anspieltipps:

  • Traitor
  • 1917
  • Stalingrad

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