Asian Kung-Fu Generation - World World World - Cover
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Asian Kung-Fu Generation World World World


  • Label: Gan Shin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist schon merkwürdig, wie sehr sich der Hörer gegen fremdsprachige Musik wehrt. Bitte? Richtig gehört! Komischerweise sind englische Songs, aus welchen die Leute gerade mal ein „I Love You“ oder „You’re Beautiful“ heraushören und verstehen können, und auch Songs von Franzosen, bei welchen das Sprachverständnis nun völlig aussetzt, die dann mit mäßigem Englisch die Mainstreamkurve kratzen, NICHT wirklich fremdsprachig. Es gibt so viele fremdsprachige Rockbands, die allein mit ihren Melodien begeistern und wo es nicht schlimm ist, dass der Text nicht mitgegrölt werden kann, aber weitestgehend unbekannt bleiben sie im Ausland. Oft hilft da nur exzessive PR von Seiten der Fans und selbst dann ist der Erfolg nicht garantiert.

Nach dem überragenden und besonders vielschichtigen „Fan Club“ sind Masafumi Gotou (Gitarre und Vocals), Ijichi Kiyoshi (Schlagzeug), Takahiro Yamada (Bass und Backvocals) und Kensuke Kita (Gitarre und Backvocals) im Land der aufgehenden Sonne weiterhin Halbgötter, aber hierzulande immer noch ein unbeschriebenes Blatt. Das wird sich wahrscheinlich auch nicht mit ihrem neuen Album „World World World“ ändern, aber für die wenigen, die die Musik von „Ajikan“ schätzen, freuen sich natürlich über die neueste LP der Kultband mit dem so platt wirkenden Namen. Nach Veröffentlichung des ohne Frage erfolgreichen „Fan Club“ („World Apart“ war schließlich die erste Nummer 1 Single der Truppe), hieß es von Seiten Gotous, dass die Band durch die teilweise zu verkopften Arrangements einen Teil ihres Charmes verloren hätten. In Ansätzen ist diese Selbstkritik zu verstehen, gab es doch ein oder zwei Tracks auf dem Vorgänger, die etwas schwerfällig wirkten, aber ein kluger Schachzug, um einfachere Strukturen auf „World World World“ zu legitimieren ist diese Aussage natürlich auch.

Dabei fängt das neue Output der Band so an, wie viele ambitionierte Bands anfangen: mit einem Instrumentalstück. Eine eingängige, warme Melodie, die sich immer weiter steigert, bis die Band zwei Mal den Titel zum Besten singt und dann ein kleines Gitarreninferno über den Hörer hereinbricht und noch bevor man die Kraft dieses Intros verkraftet hat, setzt einer der frischesten Drumbeats des Jahres ein und „After Dark“ beginnt. Ein Rocksong, wie er im Buche steht. Uptempo, ein toller Rhythmus, ein Mitsummrefrain, welcher in einem lieblichen Falsetto mündet, ein abgehobener Zwischenteil und ein prägnanter Schluss. Bis auf kleinste Details ist dieser Anfang mehr als nur gelungen und nahezu perfekt. Das Album scheint zum Bersten mit schnellen, vor Lebenskraft strotzender Energie geladen zu sein, denn auch der Übergang zu „Tabidatsu Kimi He – To You, The Departed“ ist so eindringlich, dass man sofort in den neuen Melodien der Asian Kung-Fu Generation gefangen ist. Diesem Song ist fast nur vorzuwerfen, dass er keine drei Minuten lang ist, aber gerade durch die Kürze kann die Dichte gehalten werden. Schlussendlich geht der Song sehr elegant in das erste ruhigere Stück „Neoteny“ über. Aber damit keine falschen Vorstellungen aufkommen: „Neoteny“ ist ein weiterer sympathischer Rocker aus der Feder dieser Band. Strahlen die Strophen eine fast stoische Ruhe aus, ohne auf verspielte Arrangements zu verzichten, Darf der Krachfaktor im Refrain, sowie in der Bridge nicht fehlen.

Bevor man schlussendlich Angst vor der Omnipräsenz der sich ins Ohr fräsenden Töne bekommen muss kommt mit „Travelogue“ ein Lied, dass nicht sofort versucht den Hörer für sich in Anspruch zu nehmen. Das lässt das Stück fast ein wenig schwach erscheinen und ist das absolute Gegenteil zum Folgetrack „No. 9“. Dieser ist der wahrscheinlich am einfachsten gestrickte Song, aber der Charme, von welochem die Rede war, ist hier unverkennbar. Der Vorteil einer Rockgruppe, die dem (japanischen) Mainstream gelegen ist, muss sich nicht für einen ganzen Haufen von „Woo-Hoo“s schämen und so fällt es schwer die Melodie aus dem Kopf zu bekommen. Was folgt ist das Herz von „World World World“. Die Songs „Night Diving“ und „Laika“ sind ohne Frage Melodiemonster vor denen es sich wieder zu fürchten gilt. Ersteres hat nebst der wunderschönen Melodie ein Duett mit dem zweiten Gitarrist Kita zum Höhepunkt und „Laika“ versteht einen Refrain zu erzeugen, der ohne Umwege Brandzeichen im Gehörgang zurücklässt. Was Die Jungs hier schaffen ist einfach fantastisch. Das Einzige was dem geneigten Hörer bei kritischer Beobachtung auffällt, ist dass das Album die Vielschichtigkeit eines „Fan Club“ für einen Haufen guter Laune und durchweg positiver Energie eingebüßt hat. Ein fairer Tausch!

Gibt „Wakusei – Planet“ den Abschluss des Herzstücks souverän und voller Power, aber nicht ganz so umwerfend wie die eben genannten Perlen, leitet „Korogaru Iwa Kimi ni Asa ga Furu – Rock’n’Roll, Morning Light Falls On You“ den Schlussspurt ein. Dieses Lied ist das wohl ruhigste auf dem gesamten Longplayer, abgesehen von der folgenden Interlude „World World“, das sich nur Gitarre und Metronom bedient. Zwar ist der Song, mit dem ewig langen Namen ein wenig sehr konventionell geraten, aber eine emotionale Dichte und klangliche Schönheit heben diesen Track von der breiten Masse ab und wie ein Japaner versucht das Wort „Rolling“ auszusprechen („Lorrin“) ist ein köstlich niedlicher Beigeschmack. „Aru Machi No Gunjou – A Town In Blue” war der erste Song, der nach „Fan Club” veröffentlicht wurde und das hört man auch heraus. Der Song hebt sich vom Stil von den anderen Liedern ab. Obwohl es zweifelsohne ein guter Song ist, wirkt er unter diesen Umständen irgendwie befremdend. Nicht so „Atarashii Sekai – A New World“, welches mit dieser unbändigen Kraft, mit der das Album begann, auftrumpft. Unaufhaltsam und von vielen tollen Einlagen unterstützt steuert „Atarashii Sekai – A New World“ dem letzten großen Crescendo des Albums entgegen. Hier stimmt wieder alles und eine weitere hervorragende Bewertung wird gerechtfertigt. Es muss nicht immer alles verschroben sein, um auch wirklich gut sein zu können. Was wäre man dankbar, wenn ein paar mehr Rocksongs voller Seele den Einheitsbrei im Radio ablösen würden, aber wer empfängt hier schon einen japanischen Radiosender?

Anspieltipps:

  • No. 9
  • Neoteny
  • Atarashii Sekai – A New World
  • Night Diving

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