Cris Cosmo - Sandkorn - Cover
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Cris Cosmo Sandkorn


  • Label: Triple-M/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 61 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

14 Songs, ergänzt durch acht Einschübe, geben den Sommerton an, der hauptsächlich eine Ode an die südeuropäische und amerikanische Kultur ist.

„Junge, du kriegst den Mund nicht voll genug!“, dieser Großmuttersatz trifft auf zwei Arten von Leuten zu, jenen die raffgierig sind und denen die zu viel auf einmal wollen. Cris Cosmo gehört zu letzterer Sorte. Der Weltenbummler im Dienste der Musik legt viel Wert auf die Straßenmusik, mit welcher er begann und man kann sich von den ersten Tönen von „Reisender“ gut vorstellen diesem Mann durchaus gerne lauschen zu können. Doch im Gegensatz zu Vorzeige-Songwritern wie Damien Rice schließt Cosmo sich Musikern wie Marquess an und das heißt nicht in sich gekehrte, manchmal traurige Töne, sondern Sonne, Palmen, Sonnenschein! Das muss nicht unbedingt schlecht sein, aber wie viel Marquess mit Straßenmusik zu tun hat, dürfte ebenfalls bekannt sein.

14 Songs, ergänzt durch acht Einschübe, geben den Sommerton an, der hauptsächlich eine Ode an die südeuropäische und amerikanische Kultur ist. Dies wird in den Einschüben, die allesamt portugiesisch und den vereinzelten portugiesischen Tracks deutlich. Die Rhythmen passen sich selbstverständlich an und besonders die nicht seltenen Bläser geben eine gute Prise Ska zum Geschehen hinzu. Das ganze ist perfekt durchstrukturiert und so sehr die Straßenmusik hier auch geschätzt wird, die versprochene Prise dieser Art Musik ist nicht vorhanden. Es ist eine leichte, sommerliche Studioproduktion, aber ganz offensichtlich eine. Da hätte man sich vielleicht doch etwas bei Incubus abschauen müssen und nicht zu glauben, dass ein Album ohne Synthesizer automatisch „live“ klingt.

Die Texte des deutschen Songwriters haben ein gutes Niveau, wenngleich die Wortwahl öfters unglücklich ist. Natürlich fällt so was bei den fremdsprachigen Liedern nicht so in das Gewicht, doch wenn dauernd platte Anglizismen auftauchen („Ich Liebe Dich Dafür“) und das Klischee und Wortspiele doch ein wenig zu stark benutzt werden (sagen wir es in der Sprache des Künstlers: Various Tracks). Die musikalische Untermalung ist in unserer Gesellschaft, das weiß man seit Shakira, mit dem südländischen Flair eine Garantie für Ohrwürmer. Die wirkliche Ohrweide sind aber, wenn denn überhaupt, die „Skit“-Einschübe. Ihnen wohnt dieses südländische Flair meist in gutem Maß inne, während Cris Cosmo oft nur die ersten Akkorde seines Liedes diesem Original entsprechen lässt, um spätestens im Refrain in radiotaugliche Melodien zu verfließen.

Der größte Minuspunkt ist am Ende einfach das Zusammenspiel an sich. Cris Cosmo vs. Die südländische Musik! Von was der gute Cosmo in seinen Songs singt, passt im Ganzen nicht wirklich zur Musik. Seine Stimme ist schlicht auf das Pop-Business getrimmt und das merkt man in den Refrains ja oft genug. Und den deutschen Gesang in allen Ehren, hört man lieber scheinbar sinnlose Phrasen von Bands wie „Wir Sind Helden“ oder „Turbostaat“, anstatt sich Zeilen wie „Willst du dich mit mir verbinden?“ (als Aufforderung zum Geschlechtsverkehr) oder „Ich hab’ noch nie so laut gestöhnt!“. Also intelligenter Einsatz von Sprache sieht anders aus. Manchen mag es ja gefallen, aber Reim-Dich-Oder-Ich-Fress-Dich ist hier ein wenig zu sehr am Tagesprogramm. Am besten singt Cosmo in Brasilien seine deutschen Songs und hier seine portugiesischen. Wenn man die Texte nicht versteht hat man wenigstens eingängige ganz „okaye“ Melodien zum in der Sonne braten.

Anspieltipps:

  • Körperkontakt
  • Minha Menina
  • Sandlorn

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