Pete And The Pirates - Little Death - Cover
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Pete And The Pirates Little Death


  • Label: Stolen Records
  • Laufzeit: 36 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Land der großen Hypes könnte schon bald einen neuen Liebling haben! Die sich selbst nach Kindergeschichten benannte Band „Pete And The Pirates“ aus dem englischen Reading bringen mit ihrem eigentlichen Debüt frischen Wind ins Indie-Rock-Gewerbe. Wann konnte man das letzte Mal behaupten, dass man von den ersten Tönen eines Albums bezaubert war, ohne das Gefühl einer Megaproduktion vor sich zu haben? Tommy Sanders (Gesang), Peter Cattermoul (Bass), Johnny Sanders (Schlagzeug) und Peter Hefferan (Gitarre) erschaffen dieses kleine Glücksgefühl, das seit Neutral Milk Hotel verloren schien und erst durch die Shins wieder entdeckt wurde. Bleibt eine Band wie The Shins den seichten Tönen großteils treu, schwören Pete And The Pirates auf die Tugenden des britischen Rock.

Tatsächlich vereinen Tommy Sanders und seine Gefolgschaft die Elemente vieler Bands, die aus dem Königreich nur allzu großen Einfluss auf die Musikwelt ausüben. Dies fällt besonders dadurch auf, dass sie weniger versuchen, einen neuen Klang zu erschaffen, sondern es den vielen skandinavischen Bands gleichtun, die diesen „typisch britischen“ Sound einfangen wollen. Die verspielten Gitarren im Opener „Ill Love“, die Oh-Ohs und das feurige, aber klar strukturierte Gitarrensolo weisen allesamt auf alte Tugenden hin. Wenn das schon nicht beim Fußball klappt, dann bei der Musik, wie die Jungs aus Reading spätestens mit der ersten Single „Come On Feet“ beweisen. Ein Song, der sofort in die Beine geht und den Hörer aufs Parkett verlockt. Und da darf auch der Großteil der Zeit verbracht werden, denn die Engländer wollen keine schwere Kost bieten, sondern ein leichtes (recht kurzes) Intermezzo, welches einen feinen Zauber über den Hörer legen soll, anstatt ihn in einen prächtigen (Sound)Umhang einzukleiden. Dabei teilen sich die 13 Lieder in zwei klare Lager: Die tanzbaren Rocksongs und die tanzbaren Popsongs. Bei einem Track wie „Eyes Like Tar“ wird auch gerne mal typübergreifend gearbeitet und da die Songs im Durchschnitt keine drei Minuten lang sind, kommt nur schwerlich Langeweile auf.

Es scheint bei mehrmaligem Hören ein Wunder, dass die Band ohne eine große Tonpalette alles andere als einlullend oder stumpf wirkt. Es scheint als wäre die Einfachheit der Musik so weit fortgeschritten, dass es sich von selbst erkläre, wie gut die Musik sei. Es ist so einfach, dass es genial ist und die Musik erscheint so lebhaft, wie sonst nur bei wenigen bekannteren Bands. Eine Gabe, die meist den Unbekannten vorbehalten scheint. Ungebremst und ohne Promotion-Erwartungshaltung durch die Medien ist es halt immer ein ganzes Stück angenehmer. Es muss ja nicht immer über den heiligen Geist, Politik und tiefe Philosophie gesungen werden. Außerdem verstehen viel mehr Leute das Problem, dass man einfach nicht aufstehen will, der Größte ist oder versucht die Liebe für die Nacht zu finden. Das ist doch mal Tacheles gesprochen!

Ob frivol-frech („Come On Feet“, „Bright Light“) oder rock-poppig sanft („She Doesn’t Belong To Me”, „Bears”); traditionsgebunden sind Pete And The Pirates im Stile ihrer Musik. Die Wurzeln der britischen Musik werden an keiner einzigen Stelle deklariert oder verleumdet, sondern viel mehr knappe 36 Minuten gefeiert und auch wenn das zu keinem Meisterwerk reicht, bringt „Little Death“ eine gute Schippe Spaß in das Musikjahr 2008.

Anspieltipps:

  • Ill Love
  • Bright Light
  • She Doesn’t Belong To Me
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