KISS - Alive 35: Velodrom Berlin, Germany, 09.06.2008 - Cover
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KISS Alive 35: Velodrom Berlin, Germany, 09.06.2008


  • Label: Concert Live Records
  • Laufzeit: 128 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Stellvertretend für die Konzerte in Deutschland liegt der Mitschnitt vom 9. Juni 2008 im Berliner Velodrom vor.

Sie finden einfach kein Ende, obwohl sie schon seit vielen Jahren kein neues Songmaterial vorgestellt haben. Egal, die Fans wollen sie trotzdem sehen und hören: Kiss, vier grell geschminkte Herren im besten Alter, die in komischen Transen-Kostümen auf Plateausohlen über die Bühne staksen, mit Kunstblut spritzen, Feuer spucken und damit ohne Ende Kasse machen. Das Leben als Never-Ending-Tour.

1999 waren Kiss mit diesem albernen Zirkus zum letzten Mal in Deutschland auf Tournee. Zu ihrem 35-jährigen Dienstjubiläum sind sie in der Besetzung Gene Simmons (Bass, Gesang), Paul Stanley (Gesang, Gitarre), Neuzugang Tommy Thayer (Gitarre) und Rückkehrer Eric Singer (Schlagzeug) wieder da. Und sie kommen nicht allein. Kiss werden begleitet von 15 monströsen Sattelschleppern, tonnenschwerem Bühnenmaterial, massenhaft Böllern und Feuerwerk sowie 70 Frauen und Männern als ständige Tour-Helfer. Dieser Spaß kostet den Fan zwischen 55 und 75 Euro pro Ticket (bzw. bis zu 1.000 Euro, wenn man seine Helden hinter der Bühne zum „Meet & Greet“ treffen möchte). Bei einem Multi-Millionen-Dollar-Unternehmen wie Kiss wird eben nicht gekleckert, sondern mächtig geklotzt!

Durch die englische Firma Concert Live werden von fast allen Kiss-Auftritten in Europa limitierte Soundboard-Mitschnitte angeboten, die der Fan zu relativ moderaten Preisen von 15 Pfund pro Doppel-Live-CD im Digipack mit dem in Deutschland verbotenen Original Artwork erstehen kann. Eine inzwischen gängige Praxis, mit der sich Mega-Acts wie zum Beispiel Pearl Jam, Genesis und Kiss ein hübsches Zubrot verdienen und den zahlungskräftigen Fans ein tolles Souvenir bieten können.

Stellvertretend für die Konzerte in Deutschland liegt der Mitschnitt vom 9. Juni 2008 im Berliner Velodrom vor. Da die Setlist von Gig zu Gig kaum differiert, lässt sich auf diese Weise sicher ein guter Eindruck von der Form der Amerikaner machen. Interessant: Beim Europa-Tour-Auftaktkonzert in Oberhausen, genau vier Wochen vorher, wurden mit „Firehouse“, „Watchin‘ you“, „Rock bottom“ und „Calling Dr. Love“ noch vier Songs mehr gespielt. Geht den Herren etwa die Luft aus? Wir wollen es nicht hoffen. Denn der zahlende Besucher ist gnadenlos und richtet sich nach der selbst auferlegten Band-Maxime: „You wanted the Best, you got the Best: The hottest Band in the World: Kiss!”.

Für viele ist es auch nach 35 Jahren absolut rätselhaft, was die Faszination dieser Band ausmacht. Die herausragenden Songs lassen sich locker an zwei Händen abzählen, was für eine so lange Karriere ungewöhnlich ist, die Bühnenshow gleicht einer Kreuzung aus Kindergeburtstag und Horror-Show und die Musiker sind unnahbar wie Politiker. Dem ungeachtet lassen sich die Fans mit den verrücktesten Merchandise Artikeln das Geld aus der Tasche ziehen und mit Konzerten befriedigen, die man auf maximal eine Stunde Spielzeit beschränken könnte, würden Kiss lediglich ihre großen Klassiker spielen. Doch der Hase läuft bekanntermaßen anders. So werden die Songs gerne auf sechs bis acht Minuten Spielzeit gedehnt, ohne das wirklich etwas essentielles passiert. Für „She” und „100.000 years” lassen sich Kiss sogar eine knappe halbe Stunde (!) Zeit. 70er-Jahre-Stadionrock bedeutet eben, auch ellenlange Soli und interaktives Geplänkel mit dem Publikum („Berlin, can you hear me?“) ertragen zu können. So dauert es dann halt 90 Minuten, bis die Post mit Songs wie „Lick it up“, „Shout it out loud“, „Love gun“, „Rock’n’Roll all nite“ und dem unvermeidlichen „I was made for lovin‘ you“ richtig abgeht.

Die Qualität der Live-Mitschnitte ist absolut akzeptabel, bedenkt man, dass diese bereits wenige Tage nach den Konzerten in den Versand gehen. Es gibt nur leichtes Rauschen und es ist mitunter etwas leise. Aber der Käufer muss für sein Geld kein minderwertiges Bootleg-Niveau befürchten, darf aber auch keine nachbearbeiten Studio/Live-Alben erwarten. Der Authentizität tut es auf jeden Fall gut. Schade nur, dass man sich die Tracklisten aus dem Internet holen und irgendwie in die Digipacks integrieren muss. Das haben Pearl Jam schon vor Jahren besser gelöst, indem sie ihren offiziellen Live-Bootlegs Aufkleber mit den Songlisten beifügten.

Anspieltipps:

  • Strutter
  • Parasite
  • Cold gin
  • Lick it up
  • Shout it out loud
  • Detroit Rock City
  • Rock’n’Roll all nite
  • I was made for lovin‘ you

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