The Verve - Forth - Cover
Große Ansicht

The Verve Forth


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 74 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch wenn nicht alle Tracks überzeugen, legen The Verve ein mehr als solides Werk vor, das viele junge Bands alt aussehen lässt.

The Verve waren eine der erfolgreichsten und anerkanntesten Bands des 90er-Jahre-BritPop. Der Trennung im Jahre 1999 folgte 2007 eine Reunion in der Originalbesetzung. Ob den Jungs einfach das Geld ausgegangen ist, ihnen der Ruhm fehlte oder ob Richard Ashcroft (Gesang, Keyboards, akustische Gitarre), Nick McCabe (Gitarre, Keyboards), Simon Jones (Bass), und Pete Salisbury (Schlagzeug und Perkussion) einfach noch mal beweisen wollten, wie gute Songs klingen sollten, sei dahingestellt. Mit „Forth“ liegt ihr neues Album vor – und daran werden sie gemessen.

Auf einen Produzenten haben The Verve diesmal gänzlich verzichtet, wohl, weil nur sie am besten wissen, wie sie klingen wollen. Mastermind Ashcroft, der auch solo mehr oder weniger erfolgreich war, komponierte den Hauptteil der zehn Tracks, wobei die restlichen Bandmitglieder auch zur Feder griffen. Auffällig ist vor allem die Länge der Songs: Keines der Stücke unterschreitet die Fünf-Minuten-Marke und drei enden locker über sieben Minuten.

Mit psychedelischen Klängen lassen Ashcroft und Co. ihre Anfänge und ihre große Stärken aufleben („Judas“, „Numbness“). Dadurch braucht der Hörer einige Durchgänge, bis er sich durch die Klanglandschaften gehört hat. Aber eins bleibt so wie es immer war: Der Sänger besitzt soviel stimmliche Präsenz und Charisma, dass er auch aus Songs etwas herausholt, die nicht das Prädikat „überragend“ besitzen.

Die erste Single „Love is noise“ wurde wohl aufgrund ihrer Radiotauglichkeit ausgewählt. Der Song unterscheidet sich total von den übrigen auf „Forth“, doch die am Anfang nervenden „Uuhs“ fräsen sich dermaßen ins Gedächtnis ein, dass er zu den Höhepunkten des Albums zählt. Und davon gibt es durchaus einige, auch wenn The Verve hier keine Klassiker und Hits in Serie schaffen. Sie überragen die Durchschnittskost anderen Bands locker. Die Länge der Tracks verlangt viel Geduld von den Hörern, denn The Verve loten ihre ganzen musikalischen Möglichkeiten aus. Dass sie es dabei hin und wieder übertreiben, wie etwa bei dem Achtminüter „Noise Epic“, ist zu verschmerzen. So besitzt z.B. auch „Rather be“ den typischen „The Verve“-Sound. Mit eindrucksvoller Stimme wird ein entspannter BritPop-Song inklusive starken Keyboardeinsätzen und den bekannt gemäßigten Tönen zelebriert.

Den absoluten Höhepunkt stellt aber der Schlusssong „Appalachian Spring“ dar: Mit sehr viel Gefühl trägt Richard Ashcroft dieses feine epische Kunstwerk vor, das einmal mehr zeigt, wie gut The Verve auch heutzutage noch klingen können. Hier wird alles geboten: Schneidende Gitarrenriffs, wabernde Keyboardklänge und eine Laut-Leise-Struktur der Extraklasse verlangen fast schon danach, dass diese Band nicht nur eine Comeback-CD veröffentlicht und sich dann wieder trennt, sondern mit ihrer guten Musik weitermacht.

Auch wenn nicht alle Tracks überzeugen, legen The Verve ein mehr als solides Werk vor, das viele junge Bands alt aussehen lässt.

Anspieltipps:

  • Love is noise
  • Rather be
  • Appalachian Spring

Neue Kritiken im Genre „BritPop“
5/10

Can´t Touch Us Now
  • 2016    
Diskutiere über „The Verve“
comments powered by Disqus