Staind - The Illusion Of Progress - Cover
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Staind The Illusion Of Progress


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 52 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Es war einmal eine Zeit, in der die Band Staind richtig wichtig und verkaufstechnisch ganz groß war. Diese Erfolgsepoche fand statt, als sich aus der Post-Grunge-Phase der sogenannte Nu-Rock entwickelte und Bands wie 3 Doors Down, Nickelback, Creed, Godsmack, Papa Roach und wie sie alle heißen in den weltweiten Charts ganz noch oben schossen. Staind aus Springfield, Massachusetts landeten mit ihren Studioalben „Break The Cycle” (2001), „14 Shades Of Grey” (2003) und „Chapter V” (2005) gleich drei amerikanische Nummer-1-Hits in Folge und zahlreiche Singlehits oben drauf.

Dieser Erfolg blieb dem Quartett mit seinem sechsten Studiooutput „The Illusion Of Progress“ überraschend verwehrt. Bisher hat es nur zu einem dritten Platz mit mageren Abverkäufen von rund 130.000 Einheiten (Stand: dritte Woche nach VÖ) gereicht. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Was fehlt, ist eine Hitsingle, dann klappt es auch mit den Albumverkäufen, siehe Kid Rock, der sein „Rock N Roll Jesus“-Album mit dem Hit „All summer long“ sehr spät und mühsam in Richtung Doppelplatin zieht. Auch bei Staind ist so eine Entwicklung nicht ausgeschlossen, denn die Musik des Vierers ist äußerst plastisch und für A&R-Manager ein wahrer Segen, weil schon nach den ersten Takten herausgehört werden kann, ob ein Song als Radiohit taugt oder als Füllmaterial verwurstet werden muss. Dumm nur, wenn die Quote so mies ausfällt wie hier.

Selbstverständlich haben Staind auch auf „The Illusion Of Progress“ eine Handvoll potenzieller Singles in petto, die sich mit druckvollem Breitwandsound und hymnischen Melodien in das Ohr des geneigten Mainstreamrockhörers schlängeln. Das funktioniert nämlich gestern wie heute, egal ob die Bands Hinder, Daughtry, Theory Of A Deadman oder eben Staind heißen. Leider bleiben satte Gitarrenriffs, wie man sie auf „Break The Cycle“ (2001) gefunden hat, zulasten eines bombastischen Soundmatsches und einem vorangeschrittenen Hookline-Wahn fast vollkommen auf der Strecke. Heute zählt nur noch eine Dicke-Hose-Produktion – in vorliegenden Fall von Johnny K. (Disturbed, 3 Doors Down, Finger Eleven, Simple Plan) – und ein maximaler Gleichklang. Doch das ist inzwischen dermaßen ausgelutscht, dass während des gesamten Albums keine echte Freue aufkommen mag.

„The Illusion Of Progress“ ist Dienst nach Vorschrift, der sich wie ein fehlgeschlagenes Selbstplagiat anhört. Von Weiterentwicklung keine Spur. Okay, das muss ja auch nicht zwingend sein, wie es uns genügend Bands vormachen, die seit Dekaden gleich klingen. Aber Staind schaffen es noch nicht mal, sich bei den Hörnern zu packen und die eigenen Stärken zu recyceln. So platt klang diese Band noch nie. Welch eine Schande!

Anspieltipps:

  • All I want
  • Pardon me
  • The way I am
  • Rainy day parade
  • Lost along the way

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