Liz Phair - Exile In Guyville (Deluxe Edition) - Cover
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Liz Phair Exile In Guyville (Deluxe Edition)


  • Label: ATO Records/SOULFOOD
  • Laufzeit: 69 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Von ihrem letzten Studioalbum „Somebody’s Miracle“ (2005) hat man in Deutschland kaum noch etwas mitbekommen, wenn man sich nicht gerade zu den Fans von Elizabeth Clark „Liz” Phair zählt. Das ist schade, denn die 41-Jährige gehörte zu Beginn ihrer Karriere zu den vielversprechendsten Indie-Acts der amerikanischen Singer/Songwriter-Szene.

Ausschlaggebend für den rasanten Aufstieg war die bahnbrechende Art und Weise, wie sich Liz Phair als Frau im Rock-Zirkus präsentierte. Als freches Riot Girl mit obszönen Texten und herrlich rauen LoFi-Klängen platze sie Anfang der 90er Jahre in eine vom Grunge und Alternative Rock dominierte Szene und fand damit einen Platz zwischen den schroffen Sounds, die aus Seattle die Welt überströmten. Mit dieser revolutionären Definition von Singer/Songwriter-Musik traf Liz Phair den Zeitgeist, wurde zum Liebling der Kritiker und schuf die Voraussetzungen für viele Girlrockbands, die wie Pilze aus dem Boden schossen.

„Exile In Guyville“, Liz Phairs Debütalbum, wurde jetzt zum 15-jährigen Jubiläum von Dave Matthews Label ATO Records neu aufgelegt. Es hat drei bisher unveröffentlichte B-Seiten sowie eine DVD als Bonus an Bord. Das Original erschien damals auf dem legendären Label Matador Records (u.a. Sleater-Kinney, Cat Power, The Jon Spencer Blues Explosion, Mogwai, Yo La Tengo), für das Liz Phair bis Ende der 90er Jahre vier Alben herausbrachte, bevor sie nach langer Pause im Jahr 2003 auf dem Major Capitol/EMI landete, was ihre alten Fans als Ausverkauf ansahen. Ihr Sound wurde deutlich poppiger und tendierte in Richtung des ersten Avril-Lavigne-Albums, das 2002 erschien und zum Kassenschlager des Jahres avancierte.

Von solch kommerziellen Prägungen war das von Brad Wood (Veruca Salt, Red Red Meat, Tortoise, Whale) produzierte „Exile In Guyville“ weit entfernt. Das mit einem coolen LoFi-Sound versehene Album rumpelt charmant aus den Boxen, der Gesang ist nicht selten etwas schief und die Texte (die auch in der Neuauflage nicht im Booklet abgedruckt wurden) sind mitunter bitterböse und ganz schön anzüglich („... Every time I see your face I get all wet between my legs. Every time you pass me by I heave a sigh of pain. Everything you ever wanted. Everything you ever thought of is Everything I'll do to you. I'll fuck you 'til your dick is blue“ – aus dem Song „Flower”).

Die Frage, ob so ein Album auch heute noch möglich wäre, stellt sich nicht. Es passte perfekt in die damalige Zeit und versprüht auch heute noch seinen rauen Charme. Wer also nur die brave Girly-Rockmusik von heute kennt, sollte unbedingt mal reinhören.

Anspieltipps:

  • Divorce song
  • Mesmerizing
  • Fuck and run
  • Help me Mary
  • Johnny Sunshine
  • Stratford-On-Guy
  • Say you (Bonus Track)
  • Dance of the seven veils

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