U2 - Under A Blood Red Sky (Deluxe Edition) - Cover
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U2 Under A Blood Red Sky (Deluxe Edition)


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 158 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Intensität ist das größte Plus, das die CD ausmacht, denn musikalisch waren U2 damals noch auf dem Sprung zum späteren Niveau.

„This song is not a rebel song – this song is Sunday bloody Sunday” – bedarf es noch mehr Worte, um diese Veröffentlichung zu beschreiben? Die Live-Version von „Sunday Bloody Sunday“ ist nach ihrem Erscheinen 1983 ein Renner in den Discos gewesen und heute zum Klassiker gewachsen. Er gehört zu den wenigen Songs, die in der Live-Version nicht nur bekannter sind als die Studio-Aufnahme, viele dürften nur die Live-Aufnahme von der ersten und einzigen wirklichen Live-CD U2s kennen. Umrahmt wird er von Songs der ersten drei U2-Alben auch in einer remasterten Version und in der Deluxe-Version gleich mit DVD vom kompletten Red-Rocks-Konzert. Betonung auf „komplett“, denn auf dem ursprünglich erschienenen VHS Video fehlten noch einige Titel.

Vor der Analyse von CD und DVD heißt es erst einmal zurücklehnen und genießen, denn mit dieser Veröffentlichung kann der U2-Fan auf eine komplette Sammlung offizieller Releases der wichtigsten Live-Episoden der vier Iren blicken. „Under A Blood Red Sky“ deckt die erste Schaffensphase – U2s Punk-Zeit – mit den Alben „Boy“, „October“ und „War“ ab. Die Prediger-Phase ist im Video auf dem 1987 Paris-Konzert festgehalten, dass mit der Deluxe-Version des „The Joshua Tree“-Releases veröffentlicht wurde. Anschließend veröffentlichte die Band zu jeder Schaffensphase ein Video bzw. eine DVD. Als da wären „Rattle & Hum“, „ZooTV live from Sydney“, „Popmart Mexico“, „Elevation Boston“ und „Elevation live from Slane Castle“ und zuletzt „Vertigo Chicago”.

Doch zunächst zur CD, denn hier hat sich der Aufwand der digitalen Überarbeitung, die wie auch schon bei den Re-Releases von „Boy“, „October“ und „War“ Gitarrist The Edge beaufsichtigt hat, am wenigsten gelohnt. Die Ursprungsversion war zu ihrer Zeit ein hervorragender Live-Mitschnitt. Die Mischung zwischen Publikum und Musik ist vorbildlich. Dass allerdings Songs von mehreren Konzerten zusammen zu einem Konzert gemixt worden sind, fällt auch in der überarbeiteten Fassung allzu deutlich auf. Es wurde folglich nur eine Klangoptimierung vorgenommen, der ursprüngliche Schnitt aber beibehalten. Und es gilt besonders bei dieser remasterten Version: Wer nicht gerade eine klanglich abgestimmt HiFi-Anlage sein Eigen nennt, kann getrost auf die alte Version zurückgreifen. Ansonsten kommen die Bässe etwas kräftiger und weniger matschig rüber. Gleiches gilt für Mitten und Höhen – der Sound ist differenzierter ohne allerdings zu analytisch zu klingen, was für diesen Live-Mitschnitt fatal wäre. Die Intensität, die diesen Live-Zusammenschnitt seit jeher ausgemacht hat, bleibt erhalten.

Die Intensität ist somit das größte Plus, das die CD ausmacht, denn musikalisch waren U2 damals noch auf dem Sprung zum späteren Niveau. Die Songs, die es damals auf die Live-EP geschafft haben, sind auch 20/25 Jahre später – bis auf „Gloria“ – auf U2-Konzerten zu hören. Der Opener „Gloria“ ist dabei tatsächlich das schwächste Stück, alle anderen Songs, sogar das seit jeher unfertig klingende „Party Girl“, strotzen nur so vor Power, und bis zur Abschlussballade „40“ wird dem Hörer 30 Minuten lang keine Verschnaufpause gegönnt. Es geht von einem Gassenhauer zum Nächsten und so mancher U2-Fan würde sich noch heute eine solche Intensität der Band wünschen… oder man akzeptiert, dass die Bandmitglieder bald 50 werden.

In allen Belangen noch interessanter ist die DVD, die übrigens ebenso wie die CD auch einzeln zu erwerben ist. Hier hat sich die Überarbeitung wirklich gelohnt, auch wenn einige Bildfehler wie die Streifenbildung nicht mehr auszumerzen waren. Ansonsten hat sich das Drehen am Farb-, Kontrast- und Schärferegler so richtig gelohnt. Und auch hier gilt: Die ursprüngliche, besondere Atmosphäre mit dem naturnahem Ambiente, wenigen Effekten aber extremer Beleuchtung, die das Red Rocks-Konzert seit jeher ausgemacht hat, bleibt erhalten. Gleiches gilt für den Ton, der von der Überarbeitung enorm profitiert hat. Ein bisschen wurde sogar mit Hall-Effekten bei der Erstellung der 5.1-Abmischung gespielt. Nicht nötig, aber auch nicht übertrieben.

Gibt die CD nur einen kurzen Querschnitt in das damalige Auftreten der Band, so ist das komplette Konzert ein wunderbares Zeitzeugnis. Angefangen von den unglaublich peinlichen Frisuren, bis zur damals schon erstaunlichen musikalischen Vielfalt. Songs wie „Twilight“, „I Threw A Brick Through A Window“ oder „A Day Without Me“ sind kleine Perlen, die man wohl nie wieder live zu sehen bekommt, die man aber gesehen/gehört haben muss, um das Phänomen U2 zu verstehen. Zu verstehen, warum die viele Fans von damals der Band bis heute auf Konzerten treu geblieben sind. Es ist nicht die Qualität der Songs, die den Zauber ausmacht, sondern die überzeugende Art mit der sie von Beginn der Karriere an performt wurden. Diese Magie zwischen Publikum und Band in ihren Ursprüngen zu erfahren, dafür ist die DVD wie geschaffen.

Anspieltipps:

  • 11 O'Clock Tick Tock
  • Sunday Bloody Sunday
  • An Cat Dubh/Into The Heart
  • Two Hearts Beat As One
  • 11 O'Clock Tick Tock
  • „40”

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