Vanessa da Mata - Sim - Cover
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Vanessa da Mata Sim


  • Label: Discograph/SonyBMG
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie würde es aussehen, wenn eine Lounge am Strand wäre? Jeder dritte Berliner kann sich das bei den ganzen Stadthappenings wahrscheinlich gut vorstellen. Es werden modische 500-Euro-Stühle und mobile, ebenfalls sehr stilbewusste Theken und Bars aufgestellt und dann noch gut gekleidete Menschen. Natürlich sollte man auf Anzug oder Abendkleid bei den Sommertemperaturen eines Strandes (normalerweise). Aber man kann auch anders grazil an einem Sandstrand wirken, wie Vanessa De Mata es vor traumhaft blauem Meer/Himmel auf dem Cover ihres neuen Albums „SIM“ tut. Hierbei sei erwähnt, dass das Cover der Europaveröffentlichung gemeint ist und nicht jenes der Importversion, welches doch etwas mehr im Shakira-Stil die sich räkelnde Sängerin als Fixpunkt innehatte.

Mit eben genannter Lateinamerikanerin hat Vanessa da Mata aber genauso wenig zu tun wie mit Jennifer Lopez. Die Melodien zielen nicht in erster Linie auf den Pop-Effekt ab, sondern konzentrieren sich mehr auf den Bossa-Nova und das im klassischsten Lateinamerika-Radiojingle-Stil. Miho Hatori hatte mit ihrer Platte (als Japanerin!) das Thema dieser Musik für Pop-Experimente benutzt, doch mit Musik von Vanessa da Mata kommt der europäische Hörer mal wieder in den Genuss von reinerem Bossa-Nova zu kommen. Der Pop-Anteil spiegelt sich darin wieder, dass eine Strandlounge garantiert mit da Matas Musik untermalt werden würde. Gleichmäßige Beats, die immer ein Mindestgrad an Ruhe ausstrahlen und die nicht minder beruhigende Stimme der Sängerin lassen einen kühle Cocktails gleich doppelt gut genießen.

Die Songs auf „SIM“ lassen sich in zwei Lager einteilen: Die südlich orientierten und die leicht nördlich, also jamaikanisch klingenden Stücke, die eine Portion Reggae mit ins Repertoire streuen. Kommen Lieder wie „Baú“, „Fugiu Com A Novela” oder „Pirraça“ mit brasilianisch selbstverständlicher Leichtigkeit daher, sind Songs wie „Vermelho“, „Absurdo“ und insbesondere „Ilegais“ mit Ska-Bläsern im Gepäck eine Ode an die Kultinsel Vor Amerikas Ostküste. Der Bossa-Nova liegt wie ein Schutzpatron über der gesamten CD und darf sich besonders gegen Ende des Albums ausleben. Herauszuheben ist dabei das unglaublich entspannende „Meu Deus“. Der typisch gleich bleibende Rhythmus ein Nachtclub-Piano und wenn dann noch ein Fagott erklingt und dem Stück eine ganz eigene Exotik verleiht, muss man von einem kleinen Meisterwerk sprechen.

Zu guter Letzt muss aber auf das so hoch gelobte Duett mit Ben Harper „Boa Sorte – Good Luck“ eingegangen werden. Hier ist die Musik der Regler. Die beiden Sänger machen einen tollen Job, aber man hat mehr das Gefühl, dass Harper nicht mehr tut, als den Text zu übersetzen. Gerade im Refrain stört sein Gesang und kommt eher einer Übersetzung eines Statements eines Staatsmannes im Rahmen der Tagesschau herüber. Gegen Ende lichtet sich das Problem, aber hier wurde in Sachen Produktion geschlampt. Es muss clevere Wege geben Vanessa da Mata zum Goldesel zu machen. Abgesehen von diesem Ausrutscher hat der Hörer aber ein durchweg starkes Album zu erwarten, dass sogar mit dem einen oder anderen Meisterstück aufwarten kann. Ob das Album auch finanziell ein Erfolg ist, ist zu bezweifeln, wenn nicht gerade eine große PR-Aktion gestartet wird. Schade, aber Lounge-Musik bleibt immer in gewissen Kreisen, beabsichtigt oder nicht.

Anspieltipps:

  • Ilegais
  • Meu Deus
  • Baú
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