Katy Perry - One Of The Boys - Cover
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Katy Perry One Of The Boys


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine dermaßen hohe Singleauswertung gab es in letzter Zeit kaum auf einer Pop-Platte.

Vor kurzem wurde Madonna gefragt, welche Musik sie denn auf ihrem Mp3-Player hätte. Die kurze Antwort „Nur einen: „I kissed a girl“ von Katy Perry“ war allerdings nur eine Draufgabe für das einige Wochen zuvor abgegebene Statement ihr Lieblingssong wäre „Ur so gay“ von eben jener Sängerin. Doch wer ist Katy Perry, dass sie die Queen Of Pop mit ihren Songs derartig verzückt? Vor allem eins: Kein zufälliges Musikspektakel, das von heute auf morgen urplötzlich in den Charts für Topplatzierungen sorgt. Im Musikbusiness angefangen hat für Katheryn Elizabeth Hudson (so ihr bürgerlicher Name) alles mit ihrem Debütalbum „Katy Hudson“ (2001), welches allerdings mit dem darauf enthaltenen Pop/Rock keinen nennenswerten Erfolg erzielen konnte. Erst die Bekanntschaft mit dem Produzententeam The Matrix (Shakira, Britney Spears, Avril Lavigne) und Songwriter Glen Ballard (Alanis Morissette, No Doubt, The Corrs) verhalf ihr zu einer groß angelegten Promotionkampagne, die sie neben diversen Fernseh- und Musikvideoauftritten und Vorabbesprechungen in Musikzeitschriften im Gespräch hielt.

Mit der ersten Singleauskoppelung „Ur so gay“ lieferte sie dann den ersten großen Angriff auf die Geschmacksnerven der Amerikaner, in dem sie in offenherziger Lily Allen-Manier mit den Worten „Ur so gay and you don´t even like boys“ über ihren Ex-Boyfriend herzieht, was sofort eine Diskussion über eine mögliche homophobe Einstellung der 23jährigen mit sich zog. Die nachfolgende Single „I kissed a girl“ konterte anschließend mit einer äußerst direkten Antwort und offenbarte Katy als sexuell interessierte Frau, die den Mädels dieser Welt ihre Kussqualitäten hoch anrechnete, was nach Bands wie dem russischen Lesbendoppel T.A.T.U. in unseren Breitenkreisen für ein Schmunzeln sorgte und Übersee erneute Empörung auslöste. Nachdem der Elektropop-Hit schlussendlich in sieben Ländern (einschließlich Amerika und Großbritannien) die Gipfel der Charts stürmte und mit Platin veredelt wurde, war der mediale Rummel um „The next big thing“ mittlerweile schon größer als die bestürzten Äußerungen über den kontroversen Inhalt ihrer Singles und somit Schnee von gestern.

Mit dem Majordebüt „One of the boys“ will Miss Perry nun auch in den Albumcharts ordentlich mitmischen und lud einige der bekanntesten Popsong-Schreiber ein, die für Geld zu erwerben waren. Neben dem bereits angesprochenen Glen Ballard halfen ihr ebenfalls Dave Stewart (Eurythmics), Dr. Luke (Kelly Clarkson, Avril Lavigne), Butch Walker (Pink, The Donnas), Sam Hollander & Dave Katz (Gym Class Heroes) und Greg Walls (Mika, Natasha Bedingfield, Rufus Wainwright) den hungrigen Fans ein möglichst abwechslungsreiches Album zu kredenzen. „Ich glaube, die Leute sind dankbar, wenn ein Songwriter verschiedene Seiten zeigt“ soll Fräulein Perry gesagt haben und lässt „One of the boys“ von zwei Rockern der Marke Kelly Clarkson flankieren („One of the boys“, „Fingerprints“), welche durch eine gewisse Beliebigkeit wohl die restlichen Knaller im Zaum halten sollen. Eins muss man „One of the boys“ nämlich lassen: Eine dermaßen hohe Singleauswertung gab es in letzter Zeit kaum auf einer Pop-Platte.

Angefangen vom mitreißenden „I kissed a girl“, das mit „Hot n cold“ ein tanzbares Äquivalent spendiert bekommen hat, über „Waking up in Vegas“, „Mannequin“ und „If you can afford me“, die vor allem die stimmlichen Qualitäten von Miss Perry offen legen und verdammt „catchy“ geraten sind, wie die Amis sagen würden, bis hin zu den obligatorischen Halbballaden, von denen die eine mit etwas weniger („Thinking of you“), die anderen mit etwas mehr Schmalz und Pathos („Lost“, „I´m still breathing“) gesegnet sind, das erste wirklich nennenswerte musikalische Lebenszeichen der 23jährigen in Form eines Longplayers ist alles andere als eine langweilige oder schwachbrüstige Angelegenheit und das noch dazu mit sinnvoller stilistischer Bandbreite. Klar, den Innovationspreis gewinnt „One of the boys“ nicht, aber selten hat ein Popalbum dem Druck, der durch Vorabsingles aufgekommen war, so bravourös standgehalten. Dass Katy bei jedem der zwölf Songs ihre Finger im Spiel hatte und drei sogar komplett für sich allein beanspruchen darf („One of the boys“, „Thinking of you“, „Mannequin“), lässt zumindest hoffen, dass sie nicht zu einer weiteren Produzentenmarionette wie z.B. Ashlee Simpson & Co. wird. Hoffen wir das Beste.

Anspieltipps:

  • Mannequin
  • I Kissed A Girl
  • Waking Up In Vegas
  • If You Can Afford Me

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