Mogwai - The Hawk Is Howling - Cover
Große Ansicht

Mogwai The Hawk Is Howling


  • Label: Wall Of Sound/Rough Trade
  • Laufzeit: 64 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mogwai hören ist wie einem Maler dabei zuzuschauen wie er sein Bild entwirft, umgestaltet, ausschraffiert und schliesslich perfektioniert. Nicht im Sinne einer Lehrstunde des „Malen-Nach-Zahlen-Königs“ Bob Ross. Vielmehr eines ambitionierten Positiv-Wahnsinnigen, der trotz seiner unzähligen Gedankenstränge und ausgefallenen Ideen die Pinselstriche letztlich genau so setzt, um das Endergebnis zu dem zu machen was es ist. Große Kunst- mit massenhaften Möglichkeiten der persönlichen Interpretation.

Die Band aus Glasgow kombiniert ihren rein instrumental erzeugten Sound zu einem immens beeindruckenden Gesamtkunstwerk aus harten Gitarrenriffs, traumwandlerischen Melodien, weiten Klanglandschaften, melancholisch-watteweichen Harmonien und Windungen/Wendungen, die dem Hörer einen schier unermessenen Raum lassen jeden einzelnen Arbeitschritt mitzuerleben. Ein einstündig andauernder, epischer, cineastischer und innovativer Rocksog gänzlich ohne begleitende Vocals. „The Hawk Is Howling“ ist das sechste Album der Post-Rock Urgesteine, dem die Band auch ohne jegliche Gesangseinlage ein erquickendes Eigenleben einzuhauchen vermag.

Die Instrumente als Sprachrohr! Die Fünf Schotten haben seit ihrer Gründung im Jahre 1995 etwas wirklich außerordentliches geschafft. Sie haben ihre eigene Rocksparte geschaffen, in der sie sich mit ihrer einnehmenden Dynamik, einem packenden Raumschall und ineinander verwobenen Gitarrenpassagen eine uneingeschränkte und alleinige Herrschaft erarbeitet haben. Es gibt durchaus einige gute Instrumental-Rocker, aber die graziöse und bezaubernde Aura Mogwais hat bis dato noch niemand erreichen können. Kein offensichtlicher Kurswechsel! Vielmehr ist das Mogwai’sche Paralleluniversum soundtechnisch weiterentwickelt worden, was ihnen einen ungemein dynamischen Fortschritt im Ausbau ihrer Songkonstrukte eröffnet. Ob im Opener „I’m Jim Morrison, I’m Dead“, der mit sanften Pianoklängen die Gitarren zunächst im Hintergrund verharren lässt oder das auf diese Nummer aufbauende und deutlich härter zu Werke gehende „Batcat“. Die neuen Stücke haben im Vergleich zum 2006er Vorgängeralbum „Mr.Beast“ hörbar an dichten und ruppigen Elementen, wie auch einer elektronischer erscheinenden Atmosphäre zugelegt. Der schwer im Ohr liegende Elektronik-Sound ist auf „The Sun Smells Too Loud“ am intensivsten zu vernehmen. Gleichzeitig wohl auch der eingängigste Song auf „The Hawk Is Howling“.

Es ist schwer die Melodien von Mogwai in Worte zu fassen. Denn auf ihrer Soundleinwand mischen sich alle möglichen akustischen Farbpaletten ineinander. Und wie bei einem faszinierenden Bild, liegt es stets am Betrachter (in diesem Fall dem Zuhörer) in wie weit sich die eigene Fantasie anhand des Dargebotenen bereit ist zu entfalten. „The Hawk Is Howling“ bietet brillante Rockmusik, die manchmal latent anschwillt, hier und da ein wenig erlischt aber wenn sie möchte auch spektakulär explodieren kann. Erneut ein mächtiger Brocken der Schotten, der auf majestätische Art und Weise des Hörers Imagination in Fahrt bringt. Ein ganz großes Album der mit Instrumenten malenden Post-Rock-Veteranen.

Anspieltipps:

  • I’m Jim Morrison, I’m Dead,
  • The Sun Smells Too Loud
  • I Love You, I’m Going To Blow Up Your School

Neue Kritiken im Genre „Post-Rock“
Diskutiere über „Mogwai“
comments powered by Disqus