Kings Of Leon - Only By The Night - Cover
Große Ansicht

Kings Of Leon Only By The Night


  • Label: RCA/SonyBMG
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer das letzte Album mochte, wird auch dieses lieben.

Vor knapp anderthalb kam eines der wohl vielschichtigsten Rockalben der letzten Jahre heraus. Die „Kings Of Leon“ - bekannt und gehypt durch ihrer trockenes und rockiges Spiel auf ihrem Erstling „Youth & Young Manhood“ – brachten einen Longplayer heraus, den so keiner erwarten konnte. Singleauskopplungen wie „On Call“ und „Fans“ täuschten über die verschiedenen Einflüsse und Ideen hinweg, die die Band weit von Ansprüchen der aktuellen Musikszene eingespielt hatten. Abgedrehte und kantige Rocker wie „McFearless“, „Black Thumbnail“ und natürlich „Charmer“ (mit einem sich die Lungen rauskreischenden Caleb Followill). Dann waren da groovende Elemente, die - mal psydelisch („Trunk“), mal progressiv („Knocked Up“), mal voll positiver Energie („Ragoo“, „True Love Way“) und manchmal hochnäsig („My Party“, „Camaro“) – nach Belieben eingesetzt wurden und beinahe immer perfekt passten. Da blieben so einige Münder offen, als man hörte, was Caleb, Nathan, Jared, sowie ihr Cousin Matthew Followill auf eine kleine CD bannten.

Diese grandiose Rückkehr nach dem eher verhalten aufgenommenen „Aha Shake Heartbreak“ hat natürlich Druck gemacht und bevor die Medien und die Fans sich vom Album einigermaßen satt gehört hatten, ließ Caleb verlauten, dass man fleißig an neuen Songs schreiben wolle. Ob sie den Hype um sie schnell ausnutzen wollten, wie es damals nach „Youth & Young Manhood“ dummerweise gemacht wurde, muss natürlich im Hinterkopf eines jeden Kings-Hörer herumschwirren. Die erste Aussage damals war, dass das Album rockiger und „straighter“ sein sollte, als das abwechslungsreiche „Because Of The Times“. „Wieso das denn?“ ist der erste Gedanke des Hörers, der den letzten Output der Band doch gerade dafür lieben konnte, dass es immer etwas Neues zu entdecken gab und nur selten Langeweile über die 52 Minuten Tennesse-Rock auch nur im kleinen Format auftaucht. Der zweite Punkt war, dass Caleb sich diesmal noch mehr Mühe mit dem Gesang geben wollte. “I just hid my singing for so long because I was nervous that people would listen to my lyrics, assume I wasn’t intelligent because I’m from Tennessee, and pick me apart, so that’s why I sang the way I did. But going into this, I knew these melodies that we were playing were too beautiful for me to fuck it up. I had to go for it.”, beschreibt der Sänger seine früheren Ängste.

Genug geredet und kommen wir endlich zur Musik. Wer dachte, dass auf Grund des kurzen Zeitraumes zwischen „Only By The Night“ und seinem Vorgänger der Gesamteindruck ähnlich sei, hat völlig Recht. Der „straighte“ Teil dieses Silberlings ist dafür auf jeden Fall zum Vorschein getreten, nur das mit dem rockiger. Aber dazu kommen wir noch. „Closer“ eröffnet das Album in einer Manier, wie es schon „Knocked Up“ auf dem Vorgänger tat. Getragen von einem bis zum geht nicht mehr veränderten Bass, der jetzt wie ein mysteriöses Alarmzeichen über dem Song schwebt, der zu keinem Zeitpunkt versucht Tempo zu erzeugen, sondern stattdessen nur Atmosphäre. Gitarren spielen verzerrt ganz nach ihrem Belieben und doch ganz im Sinne des Gesamteindrucks. Am Ende wird es dann noch mal ordentlich laut: Die Kings Of Leon sind zurück.

Wer das letzte Album mochte, wird auch diesen Einstieg lieben. Der Anschluss will auch nicht enttäuschen. Nach der Verstellung in Closer wird der Bass jetzt wieder auf konventionellem Wege verzerrt, wie man es sonst nur aus „Hysteria“ von Muse kannte. „Crawl“ ist der erste Beweis, was den Brüdern teilweise für geniale Melodien gelungen sind. Der Anfang von „Crawl“ ist einer der lässigsten, die man seit langem gehört hat und auch wenn der Song nicht großartig mit Höhen und Tiefen arbeitet (das tun aber auch wenige Tracks auf diesem Album, „straight“ halt), macht das Lied einfach tierisch Spaß. Die Vorab-Auskopplung „Sex On Fire“ ist mit der schwächste Track auf dem neuen Longplayer. Die Songs der Kings waren noch nie die komplexesten, doch dieses Lied ist schlichtweg eine Spur zu eintönig und es ist jetzt nicht eine Melodie, die ewig im Ohr haften bleibt oder einfach „nur“ zum Niederknien ist.

Ganz anders präsentiert sich da „Use Somebody“. Eine richtige Stadionhymne im Kings-Of-Leon-Format! „Oohs“ und „Aahs“ im Hintergrund und keine Spur von rauem Rock. Die Jungs aus dem Mittleren Osten Amerikas sind ruhiger geworden. Das ist aber auch legitim, wenn solche bezaubernden und einprägsamen Klänge zu Stande kommen. „Manhattan“ verzichtet auf das Stadionfeeling und setzt auf den privaten Rocker mit Rhythmus. Der Riff ist auch hier wunderschön (man muss es einfach so ausdrücken) und lässt den Zuhörer gute drei Minuten entspannen. Jetzt wäre der passende Zeitpunkt zu erwähnen, dass Caleb das große Versprechen „rock harder“ in keinem Belang eingehalten hat. „Only By The Night“ verzichtet auf die meisten Kanten und Härte und setzt auf bezaubernde Melodien, wie sie im minimalistischen „Revelry“ und im Weihnachtsstil angehauchten „17“- „Notion“ gehört schon zu den harten Stücken, wobei auch hier nur das Gitarrensoli in diese Richtung geht. Über die drei Minuten wirkt der allerdings ein wenig uninspiriert und „I Want You“ zieht sich doch ein wenig in die Länge. Diese beiden Songs sind aber auch die Einzigen, die neben „Sex On Fire“ das Prädikat „stark“ nicht erreichen.

Der Endspurt wird vom durch walzende Drums vorwärts preschenden „Be Somebody“ eingeleitet. Dieses reiht sich dann wieder in die „Lieder-Für-Die-Tournee“ ein, wenn der kurze, aber prägnante Refrain mitsamt musikalischer Untermalung ertönt. „Cold Desert“ schließt den Kreis von „Because Of The Times“ und Only By The Night“. Der Abschluss dieses Albums einer Band mit viel Zukunft ist eine Symbiose aus “Arizona” und „Knocked Up”. Ein feiner, ruhiger Ausklang, der sehr atmosphärisch ist und das Album würdig abschließt. Einfach schön, bezaubernd und beinahe nichts mehr von dem staubtrockenen Rock à la „Red Morning Light“. Schade irgendwo, aber halt auch schön. Den nächsten Level haben sie noch nicht erreicht, aber dafür muss auch erst wieder eine eigenständige Musiketappe im Leben der Followills gemeistert werden. So stagnieren sie auf einem Level, dass andere Bands nie und nimmer so konstant werden halten können.

Anspieltipps:

  • 17
  • Use Somebody
  • Crawl
  • Manhattan

Neue Kritiken im Genre „Rock“
6.5/10

Mental Jewelry (25th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „Kings Of Leon“
comments powered by Disqus