The Stills - Oceans Will Rise - Cover
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The Stills Oceans Will Rise


  • Label: Arts & Craft/ALIVE
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwischen Ebbe und Flut! Hier könnte man das neue Werk der kanadischen Rockkapelle The Stills orthografisch-musikalisch vorzüglich verorten. Denn während gut die Hälfte ihrer neuen Songs auf „Oceans Will Rise“ gewisslich das Zeug dazu haben, mit ihren Akustikwellen den Unterhaltungspegel des Hörers Ozean ansteigen zu lassen, muss man sich leider bei den übrigen Stücken auf eine unkreativ-audiale Wattwanderung einstellen.

Ebbe: Bereits der enorm unspektakuläre Opener „Don’t Talk Down“ zeigt das Manko der qualitativen Niedrigwassernummern dieser Platte hörbar auf. Die Band verfährt einfach zu oft nach dem immergleichen Schema. Vor sich her stampfende Instrumente, wie zäher Kaugummi in die Länge gestreckte Vokal-Passagen und die hörbar immer gleiche 4/4 Schlagzahl in Rhythmus und Melodie- fast ohne innovative Überraschungen und Wendungen in der Liedstruktur. Dies wird geradezu in ein Ohr hinein und aus dem anderen wieder herausgespült. „Eastern Europe“ besitzt ebenso kein Potential um sich länger im Gedächtnis halten zu können, wie auch das lahme „I’m With You“, auf dem sich The Stills erneut einer langatmigen Spielart hingeben. Schade eigentlich. Denn mit etwas mehr Mut zu neuen musikalischen Ufern hätte man Stücken, wie dem mit seinem melancholischen Anstrich an Höhepunkte ihres 2003er Debüts „Logic Will Break Your Heart“ erinnernde „Snow In California“ oder auch dem akustisch gehaltenen „Statue Of Sirens“ deutlich mehr kreatives Hochwasser verleihen können.

Flut: Die melodische Rocknummer „Being Here“ peitscht ganz im eingängigen Ohrwurmstile von Bombasthymnen-Bands wie Snow Patrol oder Coldplay gegen das Trommelfell und lässt ebenso wie das einfache wie traurige „Everything I Build“, bei dem die nachdrücklichen Verszeilen von Frontmann Fletcher auf gedämpfte Gitarrenwände im Hintergrund treffen, zumindest vorübergehend die musikalisch-kreative Wasserknappheit des ersten Album-Viertels rasch vergessen machen. Auch das äußerst frische und melodische „Hands On Fire“, sowie das beim ersten Hören zwar noch relativ unauffällige, bei wiederholten Durchgängen dann aber auch immer schöner erklingende „Dinosaurs“ sorgen dann wenigstens dafür, dass „Oceans Will Rise“ nicht komplett trockengelegt wird und sich das musikalische Meer der Kanadier wenigstens auf einem doch etwas erhöhtem Unterhaltungsstand Einpegeln kann.

The Stills paddeln durchweg im leicht gehobenen Mittelmaß. Die Höhen und Tiefen dieser Platte liegen auf dem Ohr. Einerseits können die Mannen um Tim Fletcher zwar einige ihrer Ambitionen in machen Songs wohltuend anklingen lassen. Denn hier wird das Schema F der übrigen Nummern gekonnt umschifft. Aber so richtig warm wird man mit dem Gesamtwerk dann doch nicht. Es ist zu hoffen, dass sie in Zukunft etwas mehr Wagemut an den Tag legen, damit der Unterhaltungswert ihrer Lieder nicht weiterhin zwischen den akustischen Tiden ihres künstlerischen Schaffens stagnieren muss.

Anspieltipps:

  • Being Here
  • Everything I Build
  • Hands On Fire
  • Dinosaurs

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