Stereolab - Chemical Chords - Cover
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Stereolab Chemical Chords


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 57 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Vier Jahre sind bereits seit dem letzten richtigen Album von Stereolab vergangen, einer Band, die stets Pop auf einem hohen, futuristischen Level spielte und der man nie so richtig ein Genre zuordnen konnte. Ob es nun rhythmisch tanzbar oder lieblich verträumt im Hause der Band um Bandleader Tim Gane (mittlerweile in Berlin lebend) und Sängerin Laetitia Sadier zuging: Der Sound von Stereolab war einzigartig und doch schwer zu greifen. Zehn Alben nach „Peng!“ (1992) kehren sie nun zur Beggars Group zurück und beleben erneut höchst entzückend die Welt des (Indie-) Pops. Dass während der Aufnahmen im Frühjahr 2007 sage und schreibe 32 Songs entstanden und es die Hälfte auf die limitierte Erstausgabe von „Chemical Chords“ geschafft hat, spricht für den hohen Output an Kreativität und die verlässliche Spielfreude, die einen zwischen Soundtrack-Collagen, Swing und rhythmisch herausforderndem Pop der etwas anderen Sorte gefangen nimmt.

Gleich der Opener „Neon Beanbag“ entfacht ein sonniges Lächeln und geht so unbeschwert vor, dass man doch glatt den eher mäßigen Sommer vergisst und sich einer gewissen Südsee-Romantik nicht entziehen kann. Ein tänzelnder Beat, Bläser, psychedelische Glocken und Percussions sowie der entrückte Gesang von Madame Sadier geben dem Song alles, was ein mitreißender Opener braucht. Danach wird es weniger dringlich und man auch sagen, etwas langatmig. Die variantenreiche Instrumentierung ist zwar auch in diesen ruhigeren Momenten überaus geschmackvoll und intensiv, aber der Funke will nicht so richtig überspringen. Erst beim Titelsong „Chemical Chords“ verdrängt der Tango aus schillernden Streicher-Beigaben und Soundtrack-Atmosphäre die mäßigeren Passagen.

Obwohl man von durchgehendem Überschwang auf dem neuen Longplayer leider nicht reden kann, sind große Momente dennoch auch quantitativ vorhanden. Nicht zuletzt bei „Pop Molecule“, welches als instrumentales Zwischenspiel die druckvolle Eleganz mit Hang zu ausufernden Takten unterstreicht, um beim folgenden „Self Portrait With Electric Brain” wieder die Leichtigkeit an den Tag zu legen, die den Opener schon so wunderbar gemacht hat. Den Abschluss verziert das träumerische, von brüchigen Beats und einem mächtig groovenden Bass sowie überschwänglichen Gesangsharmonien bestückte “Magne-Music”, das so einiges an Spezialitäten aus der Synthesizer-Kiste holt und leider auch schon wieder viel zu schnell vorbei ist. Da hilft nur die Play-Taste, auch wenn man gelegentlich über weniger zwingende Tracks hinwegsehen muss.

Anspieltipps:

  • Neon Beanbag
  • Pop Molecule
  • Daisy Click Clack
  • Magne-Music

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