Southside Johnny - Grapefruit Moon: The Songs Of Tom Waits - Cover
Große Ansicht

Southside Johnny Grapefruit Moon: The Songs Of Tom Waits


  • Label: Evangeline Records
  • Laufzeit: 61 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Diese Weisheit muss auch John Lyon (60) alias Southside Johnny erleiden. Aber nicht, weil der von vielen Kollegen hochangesehene Sänger und Songwriter seit Mitte der 70er Jahre in der Musikszene von New Jersey, USA herumkrebst, ohne besonderen kommerziellen Erfolg zu haben, und auch nicht, weil er mit ansehen musste, wie benachbarte Kollegen wie Jon Bon Jovi und Bruce Springsteen aus dem Stand an ihm vorbeizogen. Nein, der Grund ist ein anderer: Endlich hat John Lyon mal eine mitreißende Idee, um die Aufmerksamkeit der Musikwelt auf sich zu ziehen, kommt von irgendwo eine rehäugige Schönheit daher, die im Hauptberuf Schauspielerin ist, und schnappt sie dem Rock’n’Roll-Urvieh vor der Nase weg. Dumm gelaufen! Doch was war passiert?

Der gute Southside Johnny hatte schon vor langer Zeit die Idee, ein Tribut-Album mit Coverversionen von Tom-Waits-Songs zu machen. Doch kaum hatte er es fertig gestellt, kam die junge Hollywood-Schauspielerin Scarlett Johansson ihm zuvor und lieferte mit „Anywhere I Lay My Head” (05/2008) ein von der Kritik gut angenommenes Werk ab, das ebenfalls nur aus Coverversionen des Altmeisters bestand. Jetzt ist das Musik machen sicher kein sportlicher Wettkampf, in dem es zählt, wer zuerst im Ziel ist, aber die Originalität bleibt dabei ein ganz kleines bisschen auf der Strecke. Aber sei’s drum. Was haben sich John Lyon und sein Partner in Crime, Richie „LaBamba“ Rosenberg, aus dem umfangreichen Werk Tom Waits’ herausgesucht und neu interpretiert?

Im Stil einer Jazz-Bigband hat sich das Duo zusammen mit zahlreichen Musikern in vier Sessions zwischen Juni 2005 und Dezember 2006 12 Songs aus sieben Waits-Alben herausgesucht („Franks Wild Years“, „Swordfishtrombones“, „Orphans“, „Heart Of Saturday Night“, „Real Gone“, „Rain Dogs“, „Closing Time“) und wirklich konsequent in neue Klanggewänder gesteckt. Somit steht Swing der alten Schule im Vordergrund und keine waitschen Ausflüge in die Werkzeugkiste, um herauszufinden, aus welchem zweckentfremdeten Werkzeug musikähnliche Geräusche herausgeholt werden können. Entsprechend gediegen geht es auf „Grapefruit Moon: The Songs Of Tom Waits“ zu. Die Waits-Reibeisenstimme wird von Southside Johnny als klassischer Crooner ersetzt und die annähernd 40 Studiomusiker spielen unaufgeregt, als würde es sich bei Songs wie „Temptation“ oder „New coat of paint“ um Standards aus den 50er Jahren handeln. Und siehe da: Das Ganze funktioniert wirklich sehr gut und vermittelt einen ganz neuen Eindruck von der Songschreiberkunst des als kauzig verschrienen Tom Waits.

Anspieltipps:

  • Walk away
  • Temptation
  • Shiver me timbers
  • New coat of paint
  • Down, down, down
  • Tango til they´re sore

Neue Kritiken im Genre „Swing“
6.5/10

Cicero Sings Sinatra: Live In Hamburg
  • 2015    
Diskutiere über „Southside Johnny“
comments powered by Disqus