Jeff Loomis - Zero Order Phase - Cover
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Jeff Loomis Zero Order Phase


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer von dem Nevermore-Gitarristen ein Album im klassischen Sinne vor allem mit Gesang erwartet hat, ist hier völlig fehl am Platz.

Wer von dem Soloalbum des Nevermore-Gitarristen ein Album im klassischen Sinne vor allem mit Gesang erwartet hat, ist hier völlig fehl am Platz. Denn dem was man zu hören bekommt, lauscht man nicht alle Tage und das ist nicht im Geringsten negativ zu verstehen. Jeff Loomis hatte sich schon vor Jahren vorgenommen, ein lediglich instrumentales Soloalbum aufzunehmen. Jedoch ließ es die Arbeit mit Nevermore einfach zeitlich nicht zu, diesen lange gehegten Traum zu verwirklichen. Anfang dieses Jahres bot die Pause seines Hauptarbeitgebers und die Arbeit seines Freundes und Bandkollegens Warrel Dane an seinem eigenen Soloalbum endlich die notwendige Freizeit, um selbst solo in die Saiten hauen zu können. Kurzerhand arbeitete er tagtäglich mehrere Stunden in seinem im Haus integrierten Tonstudio an vielen Riffideen, programmierte mit den Drumcomputer Beats und schaffte somit die Grundlagen zum Album (mehr dazu auch in unserem Interview mit Jeff Loomis). Als zweiten Schritt suchte er sich eine Schaar ausgewählter Musiker, die er für sein Album in Anspruch nahm und begab sich mit den ausgearbeiteten Ideen in ein professionelles Studio, um die Titel unter der Mithilfe von Produzent Neil Kernon fertig aufzunehmen. Herausgekommen ist ein progressives Meisterwerk feinster Gitarren-und ganz nebenbei bemerkt auch Schlagzeugkunst. Denn Mitstreiter und Ex-Nevermore Mark Arrington beweist an den Drums ein unglaublich brillantes Feingefühl.

Geradezu beängstigend tief sind die Gitarren im Opener „Shouting fire at a funeral“ gestimmt und die Doublebase hämmert gnadenlos durch. Im Refrain öffnet sich das Stück dann mit schönen, eingängigen Melodien. Loomis schafft es ein ums andere Mal, verschiedene Stile zu verbinden und jedem der 10 Stücke einen eigenen Charakter zu verpassen. Seien es treibende Rhythmen und dazu klassische Thrash-Metal-Passagen wie in „Jato Unit“, das mit Keyboards versehene, orientalisch anmutende „Cashmere shiv“, bei welchem im Übrigen Michael Manring ein beeindruckendes Bass Solo vom Stapel lässt. Etwas schade ist es jedoch, dass die ansonsten von Loomis selbst gespielten Bässe im Mix kaum noch zu hören sind, wodurch das Album hier und da etwas dünn wirkt, vor allem, wenn nur höhere Gitarrenriffs zum Einsatz kommen. Jedoch macht Loomis das mit solch genialen Balladen wie „Sacristy“ glücklicherweise mehr als wett.

Viel ankreiden kann man diesem Werk eigentlich nicht. Es bietet viel Abwechslung trotz der fehlenden Gesänge und ist niveaumäßig sowieso jenseits von gut und böse angesiedelt. Es wird eben nicht jedermanns Sache sein, wirklich nur die „Sprache“ der Gitarre als Stimme zu vernehmen und hier liegt sicherlich auch die „Schwäche“, wenn man das überhaupt so nennen kann, vor. Denn wer von uns hört nicht tagtäglich englische Lieder im Radio und versteht kein Wort vom Sinn des Textes (insofern es den bei Radiomusik überhaut gibt). So gesehen muss man sich nur auf diese etwas andere Erfahrung einlassen. Und für alle, die mit diesem Album noch nicht genug bekommen haben, Jeff hat für weitere 3 Soloalben unterschrieben und wird also noch weitere ähnliche Werke veröffentlichen.

Anspieltipps:

  • Shouting fire at a funeral
  • Jato Unit
  • Cashmere shiv
  • Sacristy

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