Pete Philly And Perquisite - Mystery Repeats - Cover
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Pete Philly And Perquisite Mystery Repeats


  • Label: Anti Records/SPV
  • Laufzeit: 59 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Musiker, die sich trauen, einer Musikrichtung ihre ganz eigene Handschrift zu verleihen oder sogar mehrere Genres zu vermischen, sterben gottseidank nicht aus. Davon lebt Musik, nur leider riskieren die meisten Plattenfirmen nicht, ihr Geld in solche Projekte zu investieren. So gründete Architekturstudent Pieter Perquin alias Perquisite sein eigenes HipHop-Label namens Unexpected Records. Er lebt und arbeitet in Amsterdam, nicht gerade die Hochburg des HipHop, doch zusammen mit seinem Kumpel Pieter Philip Monzon alias Pete Philly versucht er seit 2002, dem Hip Hop neue Facetten zu geben. Das Album Nummer zwei hört auf den Namen „Mystery repeats“ und beinhaltet Genres wie Jazz, HipHop, Weltmusik, Flamenco und Soul. Dabei scheuen sich die zwei nicht, diese alle zu vermischen und ihren eigenen unverwechselbaren Stil zu kreieren.

Ihr Debüt „Mindstate“ verblüffte die Fachwelt mit bisher unbekannter HipHop-Chillout-Musik, die noch viel mehr als das ist. Sicher stehen auch auf dieser CD die eher sanften, entspannenden Töne im Vordergrund, aber so geschickt wie Tüftler Perquisite seine Beats und Samples beherrscht, die er sich auf den Trödelmärkten Amsterdams aus guten alten Vinylschätzchen jedweder Musikrichtung zusammenbastelt, muss man das erst einmal schaffen. Es braucht einige Hördurchgänge bis alle Klänge vernommen worden sind, ob Babygeschrei oder Klavier- und Trompeteneinsatz, bei den beiden Niederländern würde es den Rahmen sprengen, alle Beats und ihre Bestandteile aufzuzählen.

Der Opener „Clap Kick Flow“ fasziniert mit der Tatsache, dass wirklich alle Töne aus Pete Phillys Mund stammen, ein a cappella Track, der gar nicht wie einer klingt. Pete Philly rappt nicht nur mit guter Geschwindigkeit und entspannter Grundhaltung daher, er kann auch richtig soulig singen, ein eher selten zu findendes Talent bei Rappern. Außerdem schreibt er alle oft sogar witzigen Texte, die aus dem üblichen Gangster-Klischee des HipHop ausscheren. Einziger Gast ist Rapper GMB aus Rotterdam, der im Duett mit Philly, „Balance“ genannt, gut mit diesem harmoniert. Es werden eher selten traditionelle HipHop-Songs wie „Freestyle“, „Empire“ oder eben „Balance“ gereicht, die aber durch Perquisites Beatkünste innovativ aufgepeppt werden.

Eine musikalischen Ausfall gibt es nicht zu vermelden. Wenn man ein Haar in der Suppe finden möchte, käme nur infrage, dass ab und zu eine Melodie oder ein Beat zu gleichförmig klingt oder diese zu stark innerhalb eines Tracks ausgewalzt werden. Aber das ist eine marginale Kritik, die den wirklich frischen musikalischen Ideen des niederländischen Duos nicht schaden kann. Die Höhepunkte der abwechslungsreichen und hochwertigen sechzehn Songs stellen der eingängige „Last Love Song“, welcher absolute Ohrwurmqualitäten besitzt und die flamencogetränkte Nummer „Traveller“, die spanische Töne dermaßen gekonnt verarbeitet, dass es Spaß macht, zuzuhören. Die Eigenkompositionen von Pete Philly & Perquisite sollten unbedingt angetestet werden, egal ob Rapfan oder einfach neugieriger Musikfan, es lohnt sich definitiv!

Anspieltipps:

  • Awake
  • Traveller
  • Last Love Song
  • Empire
  • Time Flies

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