Mañana - Interruptions - Cover
Große Ansicht

Mañana Interruptions


  • Label: Rodeostar/SPV
  • Laufzeit: 33 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Mañana, da klingelt doch etwas bei dem einen oder anderen. Eine Band, die 2005 mit dem Song „Miss Evening“ auf sich aufmerksam machte und dann für die meisten wieder verschwand. Ohne sofort nach den Sternen greifen zu wollen, nahmen sie dankbar die Rolle des Supports in Kauf und nutzten die Zeit scheinbar, um sich bei Bands wie Mew, Keane und A-ha den ein oder anderen Kniff abzugucken und aus den Erfahrungen mit diesen Bands zu lernen. Der Londoner Ken Thomas (u.a. Sigur Rós und Björk) ist als Produzent der folgerichtige Schritt, um sich der britischen Musik hinzugeben, aber einen Grad an Eigenheit zu behalten.

Das Debüt der fünf Schweizer Manuel Bürkli (Gesang, Gitarre), Jan Krattiger (Gitarre), Lorenz Hunziker (Schlagzeug), Samuel Burri (Bass) und Jennifer Jans (Keyboard) kommt mit guten 33 Minuten etwas kurz daher, aber Masse macht ja nicht allein die Klasse. Die Band hat darauf verzichtet, alte Songs wiederzuverwerten und wollte sich neu erfinden. Tatsächlich merkt man schnell, dass der instrumental raue, aber doch zärtliche Hit „Miss Evening“ völlig aus dem Programm von „Interruptions“ gefallen wäre und den meisten anderen alten Liedern wäre es wohl ähnlich ergangen. So ist die Bahn frei für einen Klang, der fern von räumlichen Gefühlen ist, da mindestens eine der Gitarren, sowie das, mal verspielte, mal verträumte, mal akzentuierte Keyboard in Symbiose mit den mechanischen und treibenden Rhythmen des Schlagzeugs eine beinahe unwirkliche Atmosphäre erschaffen, die einen auf eine Reise schicken, wie Markus Kavka zum Beispiel, bekannt durch MTV, selbst über die Band sagt.

Die Eröffnung durch „Loyalty“ gestaltet sich gemäß dem Gesetz eines instrumentalen Intros von laut zu leise. Das Crescendo ist der Chef und bevor das eingängige Muster zu aufdringlich wird, klingt es ab, um dem ersten richtigen Track „Unbalance“ Platz zu machen. Der Song bedient sich der Melodie des Openers und weist sogleich auf die Hauptattribute von Mañana hin. Manuel Bürklis Gesang ist nie gehetzt, sondern die Worte sind meist klar und lang gezogen. Es werden weniger Geschichten erzählt, als Stimmungen ausgedrückt. „Unbalance“ ist zum Titel hin ironisch gesehen ein außerordentlich ausbalancierter Track. Der Song ist nicht ein typischer Song für die Hitparaden der Welt, sondern vielmehr ein großes Klangbild, dass den Gesang nicht als Zentrum sieht, sondern als weiteres einzusetzendes Stilmittel. Wenn Jennifer Jans Stimme gegen Ende des Stücks einen Elfen gleichen Eindruck macht, scheint das einfach so sein zu müssen und die Spuren des Sigur-Rós-Produzenten werden sichtbar. Auch wenn Mañana nicht auf lange Hymnen wie die Skandinavier abzielen und auch nicht Björks Komplexität nachahmen wollen. Sie machen ihr eigenes Ding, ohne sich wirklich einen Stempel aufzusetzen.

„Make A Tiger“ blufft mit seinem eingängigen Einstieg, eine Single sein zu können. Aber viel zu schnell erfasst wieder einen das große Ganze. Man will die Texte nicht mitsingen, sondern unter Umständen die Augen schließen und sich in den Emotionen, die der Song verströmt verlieren, ohne verloren zu sein. Das Lied könnte endlos weitergehen, doch gegen Ende verpufft einfach alles bis auf Bürklis Stimme und dann ist auch für einen Moment diese undurchdringliche Stille da. Man bekommt beinahe das Gefühl, dass das durch die E-Gitarre temporär rau erklingende „Broken Solid Side (To Be)“ die Fortsetzung des eben so plötzlich beendetem Stück sein müsse. Gerade in diesem Song wird die Stimme als (beinahe) bloßes Instrument wieder deutlich, da sich alles so überlagert, dass die gesungenen Worte ihre Bedeutung verlieren und der Klang König wird. Mit „Monster“ kommt der erste Track, der vielleicht für die Massen gedacht ist. Das liegt aber vielleicht auch nur an den Reminiszenzen an A-ha. Manuel Bürklis Gesang ähnelt dem von Morten Harket gerade in den Refrains doch sehr. Das folgende „Red“ ist mehr eine Interlude, die wieder die bekannten Merkmale der Band hervorhebt. Es gesellt sich Falsettgesang und sanfte Akustikgitarren-Töne dazu und fertig ist das stimmige Intermezzo. Das zweite Lied, das vorsichtig die Aufschrift „Single-Auskopplung“ trägt ist „Elephant“. Hier wird auf das totale Klangbild wieder verzichtet, damit Stimme und die eingängige Melodie der Lead-Gitarre zur Geltung kommen. Der Song zieht das eher mäßige Tempo des Albums ein wenig an und macht den Hörer noch einmal für das letzte Drittel warm.

„Stimmungen einzufangen ist für uns alles“ wird Mañana-Sänger Bürkli zitiert und das gelingt den Eidgenossen auch großteils gut bis sehr gut. „Little Lights“ war dann aber wohl doch ein Kompromiss zwischen der Idee der Musik fürs Radio und der Stimmung. Auch „Little Lights“ beweist erst Qualitäten in Sachen Vermarktung, aber der Song verliert sich in einem Crescendo, dass im Intro in Ordnung war, nun aber übertrieben erscheint. „Berliner Blau“ und „Roadside Museum“ machen diesen Ausrutscher aber wieder gut. Ersteres klingt schon wie der Abschluss des Albums. Das Stück kommt größtenteils ohne Worte aus und auch hier wird mit Crescendo und großem Finale aufgewartet, und das nicht zu knapp! Die Synthesizer klingen mal kurz wie ein Streicherersatz, der die famose Gitarre begleitet und wenn dann alle Instrumente (inklusive Stimme) nur noch alles geben, kann man sich in diesem Song einfach nicht entziehen. Vielleicht fällt es auch hier zu lange aus, aber der Song wurde für dieses Crescendo und gibt gegen Ende leichte Einschübe auf das ganze Album preis. „Roadside Museum“ ist eine astreine Ballade. Die so gut wie ohne Steigerung auskommt und trotzdem die vollen fünf Minuten Spielzeit fesselt. Der Marschrhythmus des Schlagzeugs und die Orgelklänge des Keyboards entlassen gemeinsam mit Bürklis sanfter Stimme den Hörer in den weiteren Tag, die Nacht oder wann man das Album auch gehört hat.

So kurz das Album ist, so eindrucksvoll bleibt es bei den einen in den Ohren. An anderen Hörern rauscht dieses mal so gar nicht auf Ohrwurm „getunte“ Album einfach vorbei, aber wer mit stimmungsschwangerer Musik, die teilweise ins Ambiente abdriftet gut leben kann, der kann nur hoffen, dass Mañana noch lange Musik machen werden. Die leichten Schwächen des Albums können durch weitere Erfahrung können überarbeitet werden und wenn sich die fünf Schweizer nicht glatt bügeln lassen, könnte noch viel entspannte, gefühlvolle Musik aus Basel zu erwarten sein.

Anspieltipps:

  • Make A Tiger
  • Elephant
  • Berliner Blau

Neue Kritiken im Genre „Rock“
9.5/10

Our Love To Admire (10th Anniversary Edition)
  • 2017    
6.5/10

Mental Jewelry (25th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „Mañana“
comments powered by Disqus