Saboteur - A Place Where Painters Meet - Cover
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Saboteur A Place Where Painters Meet


  • Label: Defiance Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ganz Deutschland liegt unter der Herrschaft des Pop-Imperiums des großen Dieter B. Ganz Deutschland? Noch nicht, und das tut der Abwechslung der deutschen Musiklandschaft gut. Noch gibt es Bands wie Voltaire oder eben Saboteur, die im Strom schwimmen, sich aber nicht einfach nur treiben lassen. Neu erfinden wollen Peter (Gesang, Gitarre), Nils (Gitarre), Jan (Gitarre) und Matze (Schlagzeug) die deutsche Rockmusik bestimmt nicht. Deutscher Rock mit Ecken Kanten und einer gehörigen Portion des schrammeligen Achtziger-Rocks aus Britannien und Übersee und kein Zeichen von glatt gebügelter Produktion: Das sind Saboteur!

Eigentlich stand immer fest, dass die Band Saboteur zu Stande kommen sollte. Es war nach dem Indie-Beginn, einem Experiment gleich, eine Frage der Zeit, bis das Geschäft mit dem Silberling ernst werden sollte. Zwar vergehen vier Jahre von den ersten Auftritten bis zur ersten Platte „A Place Where Painters Meet“, aber die Übergangszeit war nur zum Erkennen seiner selbst. Frontmann Peter sammelt in Hamburg Erfahrung an Leben und Musik und merkt, wann es Zeit für die Reunion ist.

Der Kontrast der wavigen, trockenen Musik von Saboteur bildet Peters ruhiger und sanfter Gesang. Nie lässt er sich zum Schreien oder zu Kraftsteigerung verleiten. Dies verleiht an manchen Stellen zwar den Eindruck, dass die Band in diesem Punkt limitiert ist, aber die Melodien sind darauf aufgebaut, dass dies gut funktioniert. Gleich mit „A Cabbage White“ beweist die Band, dass sie ein Gespür für eben diese Melodien hat. Die Lieder wirken in ihrer Art, als würden sie schon seit Jahren durch Wohnzimmer, Konzerthallen und Hinterhöfe schmettern, aber das ist alles neu. Die drei Gitarren machen sich bemerkbar. Es ist stets ein kleines Feuerwerk und nicht selten darf eine der Gitarren sich frei ausleben, denn es ist mehr als genug Pensum für die Rhythmen übrig, die auch Schlagzeuger Matze gekonnt am Leben hält. All das ziegt sich gleich im ersten Song und hier ist auch die kleine Schwäche von Saboteur. Sie sind musikalisch eine der hoffnungsvollsten Bands für die deutsche Musikszene, aber sie bieten zu wenige Überraschungen.

Abgesehen von dem psychedelischen „Clinking Glasses On A Lush“ inklusive wellblechartig-afrikanischem Rhythmus und dem nicht minder verschrobenen Ausklang „Closing“ in, welches sich in einem Soundmeer verliert (beide Songs sind übrigens die Balladen, neben den Wave-Rockern) gliechen sich die Songs im Stil doch sehr. Wenn da von knapp 80 Tracks die Rede ist, welche aufgenommen und großteils verworfen wurden, muss man sich fragen wie gleich sich manche Lieder anhörten. „Apples & Stones“ kann sich – als eindeutige Hymne an den UK-Sound der letzten Jahre – im Instrumentalteil vielleicht noch klar abheben, aber der Rest steht „nur“ als eine kleine Sammlung von schönen Tracks im Raum.

Melodien zum Niederknien sind ganz bestimmt dabei, aber trotz der geringen Zahl von nur neun Stücken scheint das Album seine Längen zu haben, weil die Abwechslung fehlt. Wenn Peter und Freunde es schaffen, vielseitiger zu wirken, ohne sich großartigen von den jetzigen Wurzeln zu entfernen, dürften sie kein Problem haben, an einer Generation zu arbeiten, die sich das Talent für internationale Musik beinahe selbst abgesprochen hat. Lasst doch auch mal die anderen entscheiden!

Anspieltipps:

  • A Cabbage White
  • Clinking Glasses On A Lush
  • Apples & Stones
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