Calexico - Carried To Dust - Cover
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Calexico Carried To Dust


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Calexicos Sechste ist trotz seiner gelegentlichen Ausbrüche und einiger fragmentarischer Ideen ein entspannendes Album.

Nach einem Jahrzehnt, in dem vier Alben und unzählige EP´s vollgestopft mit Mariachi-Bläsern und den unterschiedlichsten folkloristischen Elementen rund um die Grenze zwischen Kalifornien und Mexiko den musikalischen Input von Calexico bestimmt haben, war es Zeit eine andere Richtung einzuschlagen und bewusst den altbekannten Sound hinter sich zu lassen. „Garden ruin“ (03/2006) hieß die gut gemeinte Revolution im Klang des Sechsers rund um Joey Burns (Gesang, Gitarre), John Convertino (Schlagzeug, Piano), Paul Niehaus (Gitarre), Jacob Valenzuela (Trompete), Martin Wenk (Trompete, Gitarre) und Volker Zander (Bass), der allerdings auf verhaltene Resonanz stieß, wenn nicht sogar für viele Fans der Niedergang ihrer hochgeliebten Idole bedeutete. Dabei wird doch an allen Ecken und Enden gejammert, die heutigen Bands würden sich nicht weiterentwickeln und auf der Stelle treten. Wahrscheinlich ist Calexico aber genau eine der wenigen Bands, die auf keinen Fall an ihrem musikalischen Spektrum etwas ändern sollten. „Carried to dust“, der Nachfolger zu “Garden ruin” und offizielles sechstes Werk der Bordertown-Musiker, gibt Aufschluss darüber wieso.

„Auf dem Vorgänger richteten wir unseren Fokus auf einen bestimmten Aspekt unseres Sounds. Das war zu diesem Zeitpunkt auch die richtige Entscheidung, um einen neuen Ausgangspunkt zu finden. Aber diesmal wollten wir die Tore wieder öffnen. Wir haben Zugriff auf derart viele Stile, Klänge und persönliche Idiome, dass Vielfalt vielleicht unsere größte Stärke ist“ erklärt Joey Burns, der auf dem neuen Album wieder mehr in den Hintergrund rückt und lediglich als Unterstützung für das dient, was die musikalische Seite nicht auszudrücken vermag. Er berichtet von einem Drehbuchschreiber während des Autorenstreiks (die Writers Guild Of America rief im November 2007 zu einem unbefristeten Streik auf, da ihnen Mehreinnahmen durch Internet- und DVD-Verkäufe verweigert wurden, Anm. d. Red.), der sich auf einen Road Trip begibt und durch unterschiedlichste Orte und Begebenheiten inspiriert seine Gedanken notiert. Ein Schelm, wer dabei eine neuerliche Abrechnung mit der amerikanischen Gesellschaft und dem Globalisierungsgedanken ins Auge fasst.

Calexico scheuen jedenfalls nicht davor zurück, dem geneigten Hörer nach einem feurigen Start mit „Victor Jara´s hands“ gleich zwei der besten Stücke des Albums anzubieten. Andächtig klimpert eine Glockenmelodie, die von einem Akkordeon abgelöst wird, das sich in „Two silver trees“ unheilvoll unter den Text mischt, während „The news about William“ wunderbare Streicher- und Bläsersätze mit walzerartigem Takt vermischt und eine einsame Landstraße irgendwo in der Wüste vor dem inneren Auge generieren lässt. Und obwohl Einsamkeit nicht das Hauptmotiv von „Carried to dust“ ist, hat man das Gefühl der Sechser würde diese Musik nicht für Tausende, sondern nur für einen selbst gemacht haben, was z.B. auf dem Vorgänger überhaupt nicht der Fall war, sollte der Gram über die amerikanische Regierung schließlich wachrütteln und bewegen.

Nein, Calexicos Sechste ist trotz seiner gelegentlichen Ausbrüche („Writer´s minor holiday“, „Man made lake“, „El gatillo“) und einiger fragmentarischer Ideen („Sarabande in pencil form“, „Falling from sleeves“) ein entspannendes Album, das zum Nachdenken anregen soll, egal worüber. Die vielen verschiedenen Stimmungen und emotional aufgeladenen Arrangements lassen zumindest genug Spielraum oder um es mit den Worten von Burns zu sagen: „Musik ist wie Wasser. Man kann sie nicht festhalten. Manchmal hinterlässt sie nur ein paar Tropfen, oft verrinnt sie einfach, manchmal überflutet sie aber alles.“ „Carried to dust“ ist in dieser Hinsicht ein strömender Wasserfall, dem es sich trotz einiger stiller Gewässer nicht zu entziehen gilt. Immer und immer wieder.

Anspieltipps:

  • Red Blooms
  • Contention City
  • Two Silver Trees
  • Bend To The Road
  • The News About William
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