Finn - The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own - Cover
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The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 50 Minuten
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9/10 Unsere Wertung
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Patrick Zimmer steigt hinab in die Gemäuer eines alten Kirchenkellers unter den Straßen von St. Pauli und verwandelt sich zu Finn. Waren die ersten beiden Alben des 31jährigen Wahl-Hamburgers noch mit elektronischen Spielereien veredelt, räumen diese Komponenten auf „The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own“ ihren Platz für majestätisch anmutende Orchesterklänge und klassische Instrumente.

Aufgebaut wie die fünf Akte einer klassischen griechischen Tragödie ist sein selbst produziertes und aufgenommenes Konzeptalbum als Gesamtkunstwerk zu verstehen. Unterstützt wurde er bei den Aufnahmen in den akustisch-voluminösen Kirchen-Katakomben aus dem 14.Jahrhundert von der Künstlerin Ruth May und Rainer Sell (u.a. Kante). Das Ergebnis dieser Unter-Tage-Sessions sind Melodien, die bisweilen sehr traurig und wehmütig auftauchen, jedoch sobald sie zu zerbrechen scheinen von einem Funken Hoffnung aus ihrer Dunkelheit gerissen werden.

Akt I – Torpiditys, l’anésthesie: Sobald sich die ersten gezupften Saiten in den Weiten des Gewölbe verloren haben, kann man sich der herzergreifenden Melodie eines „Half-Moon Stunned“ kaum entziehen. Die unvergleichlich sanfte Stimme von Zimmer zieht in den Bann und eine fast sakrale Melancholie hängt sich in die Gemäuer. Akt II – Brouhaha, la sédition: Zu Beginn des zweiten Parts, verlässt Finn zunächst den Weg der absoluten Harmonie, um auf dem hörbar dramatischer instrumentierten „Boy-Cott“ ein leicht widerspenstiges und orchestrales Bühnenbild vor des Hörers Ohr zu musizieren. „Dew“ ist die Ruhe nach dem Sturm. Akustisch, zerbrechlich, wunderschön. Akt III – Auch Du mein Sohn Finn! „Julius Caesar“ endet nach sieben epischen, hymnischen und erhabenen Minuten in einem konfus-lauten musikalischen Gemetzel. Wenn man überhaupt einen Song dieses Albums hervorheben muss ist dies ohne Frage „In The Wake Of..“. Sobald das Orchester einsetzt und man sich darin verliert bleibt die Erkenntnis: ein Meisterwerk. Akt IV - Lull And Rain, la bonace et la pluie: Die musikalische Szenerie mit der temporeichsten Nummer der Platte. „The Truth Is A Lie“ ist ein harmonisches Gemenge verschiedenster Instrumente, welches es wahrlich in sich hat und in einer lockeren Jamsession endet. Akt V – Olympus, l’accord: Die letzten Takte der vergangenen furiosen knapp 50 Minuten gehören „For Mona“, dem dramatischen Schlussakt von „TBLPHYCO“.

Was Finn in der Abgeschiedenheit dieses alten Kirchengewölbes anstellt ist erstaunlich und packend zugleich. Patrick Zimmers sanfter, manchmal gläserner Gesang, die rund darum orchestrierten Melodien, sowie die tollen und sanften Gitarrenklänge inmitten eines von Stille und Wohlklang dominierten Kirchenkellers. Das hat Größe, setzt sich fest und macht „The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own“ zu einem ungemein hin- und mitreißenden Hörerlebnis.

Anspieltipps:

  • Half-Moon Stunned
  • Dew
  • Julius Caesar
  • In The Wake Of…
Dieser Artikel ging am um 11:46 Uhr online.
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