Söhne Mannheims - Wettsingen In Schwetzingen: MTV Unplugged - Cover
Große Ansicht

Söhne Mannheims Wettsingen In Schwetzingen: MTV Unplugged


  • Label: Tonpool Medien
  • Laufzeit: 145 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Um es mit den Worten des musikalischen Leiters Michael Herberger zu sagen: „Peace geht raus!“

Prophetische Gaben bewies Xavier Naidoo, als er vor nicht weniger als 10 Jahren in einem Song seines Erstlings „Gute Aussichten durch weise Voraussichten“ konstatierte. Fast zwangsläufig führte in der Folge der (fraglos steinige und schwierige…) Weg des Mannheimers nach weit oben. Zwar nicht bis in den Himmel, dem er in seinen häufig christlich motivierten Texten stets sehr nahe stand, immerhin jedoch mehrfach auf die höchstmögliche Platzierung in den Verkaufscharts. Die finanzielle Erlösung wurde Naidoo so bereits zu Teil, an der Rettung der Welt durch die - im Vergleich zu früheren Jahren mittlerweile gemäßigt aufdringliche - Verkündung der Botschaften von Nächstenliebe und Frieden auf Erden arbeitet er unbeirrt weiter.

„MTV“ verpflichtete für seine „Unplugged“ -Reihe nun neben Xavier Naidoo auch dessen Seitenprojekt „Söhne Mannheims“, was aufgrund der seit Beginn dieser Reihe stets sehr sorgsam ausgewählten Künstler, die ihre Werke unter der Regie von MTV ungestöpselt aufnehmen durften, einer Adelung gleichkommt. Dementsprechend unbescheiden fiel mit dem Rokoko-Schloss in Schwetzingen auch die Wahl der Location aus. Dort, wo einst ein siebenjähriger Wunderknabe namens Wolfgang Amadeus Mozart ein Hofkonzert spielte und sich der französische Philosoph Voltaire zu Hause fühlte, nahmen Naidoo und seine musikalischen Söhne das erste Doppelalbum in der langen Erfolgsgeschichte von „MTV Unplugged“ auf. Eine Aufgabe, an der sich grandios scheitern lässt, die Naidoo und Konsorten jedoch bemerkenswert würdevoll lösen. Denn unabhängig von durchaus berechtigten Zweifeln am Charakter eines Künstlers, der sich in seiner Karriere häufig dem Vorwurf des arg fundamentalistischen Gedankenguts ausgesetzt sah und sich gemeinsam mit den „Brothers Keepers“ auch schon einmal in der plumpen Aufforderung zur Gegengewalt gegen Rechtsradikalismus verlor, zeigt sich beim „Wettsingen in Schwetzingen“ eben auch die musikalische Virtuosität des Sängers Naidoo, der es versteht, sämtliche Lieder kreativ und detailverliebt umzuarrangieren. Dafür holt sich Naidoo als Gäste neben den zahlreichen Söhnen Mannheims Andreas Vollenweider an der Harfe auf die Bühne und lässt sich gesanglich von Cassandra Steen im Song „Wann“ klangschön stützen. Die Mehrheit seiner Songs bleibt nah am jeweiligen Original, musikalisch interessant, weil gewagt, gerät vor allem die federleicht verjazzte Version des Songs „Seine Strassen“.

Deutlich näher an seinen Wurzeln im Sprechgesang orientiert sich das anschließende Set der Söhne Mannheims. Das bisher unveröffentlichte „Lieder Drüber Singen“ vermag dabei mit eingestreuten Reggaetón-Anleihen ebenso zu überzeugen, wie die respektvolle Interpretation des Reinhard Mey-Klassikers „Ich Wollte Wie Orpheus Singen“. Insgesamt gerät das „Wettsingen in Schwetzingen“ zu einer fast durchgängig gelungenen Veranstaltung, die geprägt wird von den gefühligen Stimmen ihrer Protagonisten. Wer Xavier Naidoo und die Söhne Mannheims bisher nicht mochte, wird sie auch durch diese Konzerte nicht lieben lernen. Respekt für einen kunstfertigen und ausdrucksstarken Umgang mit der Musik sollte man ihnen dennoch zollen. Oder, um es mit den Worten des musikalischen Leiters Michael Herberger zu sagen: „Peace geht raus!“

Anspieltipps:

  • Woman In Chains
  • Seine Strassen
  • Lieder Drüber Singen
  • Ich Wollte Wie Orpheus Singen
Neue Kritiken im Genre „Soul/Pop“
6/10

This Girl´s In Love (A Bacharach & David Songbook)
  • 2016    
Diskutiere über „Söhne Mannheims“
comments powered by Disqus