Rosenstolz - Die Suche Geht Weiter - Cover
Große Ansicht

Rosenstolz Die Suche Geht Weiter


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Mag der Anlass auch traurig sein, der ihre Kreativität antrieb, erfreulich ist es allemal, dass Rosenstolz wieder zu alter Stärke zurückfanden.

„Mama, Papa. Ich hab’ mir das neue Rosenstolz-Album gekauft - und ich find’s toll!“ Dies ist die möglicherweise sanfteste Option für den Sohnemann, seinen Eltern beizubringen, dass es mit der Erfüllung des Wunsches nach Enkelkindern schwierig werden dürfte. Denn keine wirklich populäre Musikgruppe ist vergleichbar geprägt vom schwulen Klischee wie das Erfolgsduo Peter Plate (Texte, Musik – und leider manchmal auch Gesang) und AnNa R. (Gesang). Klar, die Verkaufszahlen belegen, dass Rosenstolz mittlerweile vom Massengeschmack geschluckt wurden, doch es bleibt verdächtig, sich als männlicher Heranwachsender zur gefühligen „Mädchenmusik“ der Marke Rosenstolz zu bekennen.

Kitsch und Schwulst aus Überzeugung, mittlerweile jedoch deutlich weniger pathetisch und dramatisch als in ihren Anfängen. Doch während „Herz“ und „Das Große Leben“ den - von ihren Anhängern mit tiefem Bedauern registrierten - Tatbestand der angepassten Radiotauglichkeit erfüllten, folgt „Die Suche Geht Weiter“ nun eher keinem Konzept, sondern einem Gefühl. Die Lieder entstanden unter dem Eindruck des Todes einer engen Weggefährtin der Band, Intimität und Traurigkeit ersetzen die große Geste vergangener Tage. „Ich Bin Mein Haus“ eröffnet das Werk entsprechend zurückgenommen und thematisiert den Rückzug auf sich selbst. „Gib Mir Sonne“, die erste Single dieser Band, die jemals die Höchstplatzierung der Charts erreichte, setzt zwischen Hoffnung und Verzweiflung diesen Weg fort.

„Nur was weh tut/Ist auch gut“ mag eine reichlich abgegriffene Metapher sein, doch gerade die Trivialität ihrer Texte ist es, die ihre Songs so verlässlich als Projektionsfläche für jedes Menschen Gefühle funktionieren lassen. Wie großartig einmal mehr die stimmliche Leistung der einst in der Aufnahmeprüfung zur Gesangsschule kläglich gescheiterten Anna R. ist, lässt sich hervorragend im Song „Irgendwo Dazwischen“ feststellen. Da lässt es sich Peter Plate nämlich nicht nehmen, einmal selbst ans Mikrofon zu treten und derart ausdruckslos und technisch unbedarft einen (immerhin recht selbstironischen) Text zum Besten zu geben, dass es schon fast wieder niedlich wirkt.

Weitere Ausfälle verzeichnet „Die Suche Geht Weiter“ jedoch nicht. Im Gegenteil, intensiver und authentischer als im vergleichsweise reduziert instrumentierten „An Einem Morgen Im April“ litten Rosenstolz selten. „Ich sing mein Lied/ Nur für mich/ Und für alle, die am Abgrund stehen/ Und von dort mit mir nach unten sehen“ heißt es wenig später, und die anschließende Frage „Bist du dabei, bist du für mich?“ lässt sich angesichts dieser kraftvollen Bombastballade nicht mehr verneinen.

Mag der Anlass auch traurig sein, der ihre Kreativität antrieb, erfreulich ist es allemal, dass Rosenstolz wieder zu alter Stärke zurückfinden und mit „Die Suche Geht Weiter“ ein stimmiges Werk vorlegen, dass wesentlich mehr Tiefgang und Melancholie bietet, als dies angesichts der sich verhältnismäßig seicht anbiedernden Erfolgsalben „Herz“ und „Das Große Leben“ zu vermuten war. Ich find’s toll – und Mama und Papa müssen sich trotzdem keine Sorgen machen!

Anspieltipps:

  • Ich Bin Mein Haus
  • Blaue Flecken
  • An Einem Morgen Im April
  • Bist Du Dabei
Neue Kritiken im Genre „Pop“
8/10

Sweet Sweet Silent
  • 2017    
6.5/10

Halb Oder Gar Nicht
  • 2017    
Diskutiere über „Rosenstolz“
comments powered by Disqus