Brendan Canning - Something For All Of Us - Cover
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Brendan Canning Something For All Of Us


  • Label: Arts & Crafts/ALIVE
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Musik-Kommune von Broken Social Scene (BSS) bringt immer wieder neue hoffnungsvolle Solo-Künstler an die Öffentlichkeit. Es scheint so, als wenn das Kollektiv sich untereinander noch weiter beflügelt und nicht nur die Broken Social Scene-Alben eine Wohltat für die Indie-Gemeinde darstellen. Während Kevin Drews letztjähriges Album „Spirit If...“ bereits für Furore sorgte, ist es nun das „Solo“-Album von Brendan Canning, der im Gegensatz zu Kevin Drew nur wenige Songs von Broken Social Scene mit der Stimme seinen Stempel aufgedrückt hat. Er ist viel mehr der Lenker der rhythmischen Abteilung der Kanadier und daher nicht so sehr im Vordergrund. Die daher nicht wirklich vorhandenen Erwartungen an „Something For All Of Us“ tun der unvoreingenommenen Beschäftigung mit dem Album gut und lassen die Überraschungen viel stimmungsvoller erscheinen. Überhaupt ist das Talent von Brendan Canning deutlich zu spüren und auch die Position als Hauptakteur meistert er mit Bravour, wobei natürlich selbstredend auch manche Freunde aus dem Broken Social Scene-Umfeld Hand anlegten, zum Beispiel eben Kevin Drew und Jason Collett.

Ist der Auftakt des Albums noch geprägt von durchschnittlichem Indie-Rock der melancholischen Sorte, so erzeugen die anschwellenden E-Gitarren im weiteren Verlauf des ersten Songs doch beachtlichen Druck, der in seiner lärmenden Art etwas überrascht, aber sich als Weckruf gut macht, wie man in der Gesamtbetrachtung des Longplayers später herausfindet. Die Single „Hit The Wall“ besticht mit lauernden Gitarren, verspielten Takten und einem eingängigen Refrain, der auch schonmal etwas breiter rockt. Das ist Indie-Rock, der gefällt, aber noch nicht die erhofften, ganz großen Momente hervorbringt. Die ergeben sich erst, wenn sich das Korsett etwas lockert und zum Beispiel eine vollmundige Bläser-Fraktion Einzug hält, wie im kraftvollen, mit Gitarren-Feedbacks versehenden Ende von „Hit The Wall“.

Gewiss hat der Indie-Rock aus der Feder von Brendan Canning auch seine Stärken und weiß mit gezielt eingesetzten Gitarren-Harmonien zu überzeugen, aber so ein Funk-Experiment wie „Love Is New“ groovt doch um einiges beachtlicher und setzt mit hohen, zweistimmigen Vocals und großartigen Percussions auf glückselige Tanzbarkeit, der auch einige schräge Töne nicht schaden. Wieder einmal sind es dann auch die Bläser, welche herausragen und oft für den nötigen Impuls sorgen, wenn der Sound doch allzu sehr in den Indie-Rock-Einheitsbrei abzudriften droht. Davon ist allerdings die „Solo“-Scheibe von Brendan Canning viel zu facettenreich und vor allem mit tollen Gästen versehen, die gesanglich wie auch an den Instrumenten verzaubern, man denke nur an die zarten, weiblichen Vocals bei „Antique Bull”. Überhaupt ist es das Broken Social Scene-Kollektiv, welches gewürdigt werden muss und auch an “Something For All Of Us” einen großen Anteil hat. Da fragt man sich schon, wieso die Mädels und Jungs nicht gleich wieder etwas unter dem BSS-Banner veröffentlichen, was dann vielleicht wieder ein richtig großer Wurf wird. Das kann man vom Brendan Canning-Werk leider nicht durchgehend behaupten, obwohl die MusikerInnen einiges dafür getan haben.

Anspieltipps:

  • Hit The Wall
  • Love Is New
  • Antique Bull
  • Possible Grenade

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