Amanda Palmer - Who Killed Amanda Palmer - Cover
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Amanda Palmer Who Killed Amanda Palmer


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 58 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ben Folds spielt Schlagzeug und andere Instrumente, während Amanda Palmer dazu ihre Songideen stimmlich und klavieruntermalend zum Besten gibt - und schon sind es nicht mehr die Dresden Dolls. Amanda Palmers Solodebüt subtrahiert den das Bostoner Duo komplettierenden Brian Viglione und addiert Ben Folds als Produzentenbeistand.

Folglich gebiert sich der Unterschied von Who Killed Amanda Palmer zu den Dresden Dolls nur marginal. Die Songideen, prononciert Palmer in Interviews stetig, sind hier wesentlich durchdachter. Detailliertes Songwriting und lange gesuchte, konstruierte Melodiestrukturen heben ihr Eigenwerk angeblich von ihrer Hauptband ab, die wesentlich spontaner und zufälliger Arbeiten würde.

Doch kaschiert die orchestrale Ausschmückung lediglich Amanda Palmers gleich gebliebenen Musikoutput. Der Indie-Kracher „Leeds United“ wummert zusätzlich zum Dresden Doll’schen Schemata mit Bassgitarre und Bläsern, funktioniert aber abzüglich dieser Gimmicks ähnlich, wie vergleichbare Palmer/Viglione-Werke. Was dem Album nicht zum Nachteil gereicht. Palmers stärke sind die Eingängigkeits-Kracher - dem Indie-Ohr schön ungewohnt dargeboten mit Schlagzeug, Stimme und Klavier/E-Piano - die so gar nichts mit der selbst gegebenen Attitüde des „Brechtian punk cabaret“ zu tun haben, sondern disco-, hit- und emphasetauglich sind. Das macht sie auch auf Solopfaden überzeugend, besonders bei „Leeds United“, dem vielleicht besten, weil eingängigsten Song „Guitar Hero“ und „Oasis“.

Den echten Solosongs, „Blake Says“ und „Strenght Trough Music“ etwa, die nur aus ihrer Stimme und Klavier bestehen und immer voller Traurigkeit tönen, fehlt etwas Entscheidendes. Vielleicht schlicht das Charisma. In diesem Bereich wird sie wohl nie eine Polly Jean Harvey werden und erst recht kein Geschichten erzählender Tom Waits. Aber sie gibt sich große Mühe, hat die richtige Einstellung und gewinnt letztlich mit ihrer, dem selbst verliehenen Credo doch wieder nahestehenden Art, den ironischen bis sarkastischen Texten, die kabaretesk Missstände heutiger Verhaltens- und Lebensweisen anprangern und pointiert zu unterhalten wissen.

Insgesamt ist das Album zu unausgegoren, mal viel zu hektisch, mal bedeutungslos traurig. An die beiden Alben ihrer Hauptband reicht es nicht heran, doch hat es drei, vier schöne, in die mp3-Liste kopierbare Höhepunkte.

Anspieltipps:

  • Guitar Hero
  • Leeds United
  • Oasis

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